Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1309.

Mit der zweiten sieht man besser

Auch was die erste wert ist: Zweisprachigkeit als Chance

Zwei- oder Mehrsprachigkeit kann in der modernen Lebenswelt ein wichtiger Vorteil sein, erst recht in Gebieten, die an der Nahtstelle verschiedener Sprachräume liegen. Das gilt in besonderem Maße für ein „Brückenland“ wie Schlesien, dessen heute mehrheitlich polnische Bevölkerung zunehmend das regionale deutsche Kulturerbe entdeckt und einen umfangreichen – nicht zuletzt wirtschaftlichen – Austausch mit der Bundesrepublik Deutschland pflegt.

Das Zweisprachigkeitsargument ist inzwischen auch von Vertretern der deutschen Volksgruppe in Oberschlesien entdeckt worden, nachdem die Umsetzung des auf dem Papier vorbildlichen, in der kulturpolitischen Praxis jedoch nicht unproblematischen polnischen Minderheitenrechts in konkrete bildungspolitische Fortschritte an Kindergärten, Schulen etc. ins Stocken geraten ist.

Eine vor wenigen Wochen erschienene deutsch-polnische Broschüre mit dem Titel „Zwei Sprachen / doppelte Chance. Ratgeber für Eltern zweisprachig aufwachsender Kinder“ wirbt für mehrsprachige Erziehung als „sehr wertvolles Geschenk für unsere Kinder“. Das professionell gemachte, ansprechend illustrierte Heft wurde vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Oppeln in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen herausgegeben und mit Mitteln des Bundesinnenministeriums in Berlin finanziert. Inhalt und Fotogestaltung lassen darüber hinaus die Mitwirkung des Vereins „Pro Liberis Silesiae“ erkennen, dessen 2009 in Raschau (poln. Raszowa) eröffnete private Grundschule samt Kindergarten wegen ihrer vorbildlichen bilingualen Erziehungsarbeit wiederholt für Aufsehen sorgte.

Es finden sich u.a. Kapitel über „Die Bedeutung der deutschen Sprache in der Welt“, „Die deutsche Sprache in Polen“, „Deutsch als Sprache der deutschen Volksgruppe“ oder zu realitätsnahen Fragen wie „Welche Vorteile hat die Zweisprachigkeit für Ihr Kind?“, „Wo kann Ihr Kind Deutsch lernen?“, „Wie erzieht man ein Kind zweisprachig?“, „Ist der Gebrauch eines Dialektes zu Hause ein Störfaktor beim Deutschlernen?“ oder „Kann man mit dem Kind auch dann Deutsch sprechen, wenn man selbst die Sprache nicht perfekt beherrscht?“. Die 24seitige Broschüre im handlichen DIN-A5-Format beinhaltet auch eine Reihe treffender Zitate, zum Beispiel vom früheren oberschlesischen Erzbischof Alfons Nossol: Zweisprachigkeit gibt einen tieferen und breiteren Zugang zur Welt überhaupt, oder, gedanklich daran anschließend, von Ludwig Wittgenstein: Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.

Martin Schmidt (KK)

Kontakt: Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, ul. 1-go Maja 13/2, PL–45-068 Opole, beratung@haus.pl, www.haus.pl; Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen, ul. Krupnicza 15, PL–45-013 Opole, biuro@vdg.pl, www.vdg.pl; Pro Liberis Silesiae, ul. Polna 4, PL–46-050 Tarnów Opolski, www.edukacja-raszowa.eu

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