Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1292.

Mit Gott an einer Heimat arbeiten

Amtseinführung von Dr. Joachim Giela als Visitator für die ehemalige Erzdiözese Breslau und das ehemalige Generalvikariat Branitz

Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Für Dr. Joachim Giela hätte der erste Schritt als Visitator nicht schöner sein können. Hunderte von Gläubigen, Freunden, Bekannten und viele Gäste aus ganz Deutschland sowie Ober- und Niederschlesien hatten sich schon frühzeitig am Sonnabend, dem 20. März 2010, in der St. Josef-Kirche in Münster eingefunden. Unter brausenden Orgelklängen wurde Dr. Giela in einem Festzug zusammen mit weiteren Geistlichen zum Altar geleitet.

In einem festlichen Gottesdienst wurde der neue Visitator, der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge an den Priestern und Gläubigen aus der ehemaligen Erzdiözese Breslau und dem ehemaligen Generalvikariat Branitz, Dr. Joachim Giela, in sein Amt eingeführt. Weihbischof Dr. Reinhard Hauke aus Erfurt, der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge, übertrug ihm in einem Pontifikalfgottesdienst die Verantwortung für die neuen Aufgaben. Am Altar standen neben Dr. Giela als Konzelebranten Weihbischof Prof. Dr. Jan Kopiec aus Oppeln, der frühere Branitzer Visitator Prälat Dr. Wolfgang Grocholl, Stuttgart, und Konsistorialdekan Prof. Dr. mult. Hubertus Drobner, Paderborn.

Bischof Dr. Hauke nahm in seiner Festpredigt die Texte des Tages auf: „Die Spannung zwischen dem Wunsch des Propheten Jeremia nach Rache an seinen Feinden und dem Anspruch Jesu auf Nächsten-, ja sogar Feindesliebe, hat jeder, der Vertreibung erlebt hat, in sich gespürt“, sagte er. Auch verschwieg er nicht, daß manche Menschen aufgrund der traumatisierenden Erlebnisse an Gott gezweifelt haben. „Sie hier aber haben bei aller Traurigkeit über das Verlorene Gott mit auf die neuen Wege genommen.“

Ein ermutigender Satz aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi fasziniert und begleitet Dr. Giela seit 35 Jahren, seit seiner Priesterweihe in Oppeln: „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.“ Dies ist auch sein Primizspruch, der seinen priesterlichen Dienst trägt. In seiner Festansprache bat der neue Visitator die Gläubigen um Hilfe und Unterstützung durch Gebet und dankte allen, die an seiner Berufung beteiligt ware.

Dr. Joachim Giela wurde am 18. Mai 1951 in Oberschlesien geboren. Nach dem Philosophie- und Theologiestudium empfing er am 18. Mai 1975 in Oppeln die Priesterweihe. Danach war er in der Seelsorge tätig, u.a. als Studentenseelsorger. Seit 1983 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Katholischen Universität in Lublin, an der er in schlesischer Kirchengeschichte über die katholische Presse im Bistum Breslau promovierte. Dort war er auch Herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Seit Jahren engagiert er sich in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte in Regensburg. Die Schwerpunkte seiner Forschungen liegen beim Thema Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Von 2000 bis 2007 war Dr. Giela Pfarrverwalter von St. Antonius in Münster, seitdem wirkt er in der fusionierten St. Josef-Gemeinde in Münster.

Der Gedanke der Versöhnung und der Wille zum Aufbruch bestimmten den Gottesdienst und den anschließenden Empfang, der die Gelegenheit bot, Dr. Giela persönlich kennenzulernen und mit ihm ins Gespräch zu kommen. In dem für die zahlreichen Gottesdienstbesucher etwas beengten Pfarrheim kam es schließlich auch zu zahlreichen Glückwünschen und Grußworten. Eingeleitet und moderiert wurde diese Feierstunde von Ansgar Trautmann, einem ehemaligen Mitarbeiter der Visitatur und früherem Geschäftsführer der Gemeinschaft für deutsch-polnische Verständigung (gdpv).

Der Vizepräsident des Pastoralrates, Dr. Bernhard Jungnitz, sicherte dem Visitator Unterstützung zu. Er äußerte den Wunsch, der Visitator solle hauptsächlich „Seelsorger für die Schlesier“ sein. Der Glatzer Großdechant Prälat Jung, der bis Ende 2009 auch die Aufgaben des Visitators Breslau übertragen bekommen hatte, appellierte an alle, den Visitatoren zu helfen, an einer Heimat zu arbeiten, in der die Menschen sich verstehen. Professor Dr. Josef Joachim Menzel, Vorsitzender des Heimatwerks schlesischer Katholiken, verband seinen Willkommensgruß mit einem Dank an Prälat Winfried König für sein Wirken und versprach dem frisch eingeführten Nachfolger die gleiche Unterstützung. Dompropst Peter C. Birkner überbrachte die Grüße des Görlitzer Diözesanbischofs Dr. Konrad Zdarsa und des gesamten Domkapitels, die dem Visitator gutes Gelingen für seine Arbeit wünschten.

Der evangelische Amtskollege, Vorsitzender der Gemeinschaft evangelischer Schlesier, Pfarrer i.R. Dr. Christian-Erdmann Schott, überbrachte die Grüße der Gemeinschaft und des Vereins für Schlesische Kirchengeschichte. Willkommensgrüße im Namen des Konsistoriums überbrachte Konsistorialdekan Prof. Drobner, der dem Visitator Unterstützung seiner Arbeit für die Kirche im Dienst der schlesischen Menschen zusicherte. Gottes reichen Segen wünschten dem neuen Visitator auch weitere honorige Gäste.

Dr. Giela bedankte sich für die herzliche Aufnahme. Er freue sich auf die neuen Aufgaben, habe aber auch Respekt vor dem, was in der Visitatur alles auf ihn zukomme. Es war zu spüren, daß die gläubigen Schlesier fest hinter ihm stehen, auch wenn die Zukunft unweigerlich einige Veränderungen mit sich bringen wird. Ad multos annos!

Christine Kucinski (KK)

 

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