Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1281.

Mit Netz und doppeltem Boden

Pravoslav Sovak schenkt der Ostdeutschen Galerie seine Grafik

„Erhalten, sammeln und bewahren". Diese Arbeitsfelder nannte die seit September neu am Kunstforum Ostdeutsche Galerie tätige Direktorin Dr. Andrea Madesta als wichtige Aufgaben ihrer Einrichtung. Wenige Tage nach ihrem Amtsantritt konnte sie bereits die Erweiterung einer Sammlung in Anwesenheit des Künstlers und vieler Freunde und Gönner sowie Kunstinteressierter bekanntgeben: Der 83jährige, aus dem ostböhmischen Hohenmaut (Vysoké Mýto) stammende und nach dem Prager Frühling kurz in Deutschland und seit 1969 in der Schweiz lebende Pravoslav Sovak schenkte dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie mit drei Originalarbeiten und über 240 Grafiken fast sein ganzes druckgrafisches Werk.

Gemeinsam mit dem Berliner Kupferstichkabinett und der Wiener Albertina besitzt das Regensburger Museum damit nun die umfangreichste Sammlung des Grafikers und Malers.

Viele Gäste aus der Schweiz hatten den Künstler zur offiziellen Übergabe der Schenkung am 10. September nach Regensburg begleitet. Und auch einige Gönner und Sponsoren, ohne deren Unterstützung diese Schenkung und auch der zu diesem Anlaß erschienene Katalog umöglich gewesen wären. „Finanzielle Schwierigkeiten müssen oft überwunden werden. Häufig sind auch Privatsammler schneller", beschrieb die Direktorin den Alltag solcher Aufgaben, hielt aber auch die Fahne der öffentlichen Museen hoch, die eben „Orte der Kunst" seien und durch ihre Werte etwa gegen Kunstmärkte bestehen könnten. „Vor allem unsere Kontakte, Netzwerke und die Professionalität sind unser Vorteil und die Basis für unseren guten Ruf", faßte sie zusammen. Den zu diesem Anlaß im Zentrum stehenden Pravoslav Sovak würdigte sie als einen „in der ganzen Welt renommierten Künstler. Damit wird Sovak aufgrund seiner Biographie und der hohen Qualität seiner Arbeiten neben Bernard Schultze und Ben Muthofer eine der tragenden Säulen der Grafischen Sammlung des Kunstforums", freute sich die neue Leiterin. Sie dankte ihm, daß er „eine repräsentative Werkauswahl dem Haus in Regensburg zukommen hat lassen".

Die jetzige Schenkung ist nicht die erste an das Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Bereits 2007 stiftete Pravoslav Sovak im Gedenken an seine im Jahr 2004 verstorbene Frau Hana Sovak eine repräsentative Auswahl seiner Arbeiten aus allen Schaffensphasen. Zu dieser Stiftung gehörte auch das bekannte Mappenwerk „Indirect Messages", das nach Erscheinen in den 1970er Jahren auch bereits vom Museum of Modern Art in New York angekauft wurde.

Als „maßgebliche Erweiterung unserer Sammlung" sah Dr. Roman Zieglgänsberger, Leiter der Grafischen Sammlung und Kurator, die aktuelle Schenkung, womit insgesamt über 280 Werke Sovaks nun in der Regensburger Einrichtung beheimatet sind. „Eine Schenkung bekommt man nicht so, es muss gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden", machte Zieglgänsberger deutlich. „Sovak ist weltvernetzt", charakterisierte er das Wirken des Künstlers – und feine Netze zeigen auch manche seiner Werke.

Die Schenkung umfaßt drei große Zeichnungen, einen Entwurf, über 240 Druckgrafiken (jede ein Unikat), 19 Druckplatten und eine großformatige digitale Fotoarbeit. Ende 2008 sei, so Zieglgänsberger, bei Sovak der Gedanke zur weiteren Schenkung gereift, die den Schwerpunkten des Kunstforums Ostdeutsche Galerie entspricht: auf der einen Seite politisch motivierte Arbeiten aus den Jahren 1968 bis 1972, die sich mit dem Prager Frühling und dem Verlust der Heimat auseinandersetzen, auf der anderen Seite der Schwerpunkt „Vernetzung". Wesensmerkmale dieser Arbeiten ist die Verwendung eines geometrischen Liniengefüges, in das der Künstler die Erscheinungswelt gleichsam einwebt, um die Vorgänge sichtbar und zugleich interpretierbar zu machen.

„Er kehrte dem Land, nicht seiner Heimat den Rücken", stellte Zieglgänsberger zu Sovaks Exil ab August 1968 fest. Doch wie sieht Sovak heute seine böhmische Herkunftsregion? „Ich habe ein normales Gefühl zu meiner Heimat, ein Gefühl von tiefer Verbundenheit vor allem zur Landschaft und zu den Menschen", meint er. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs war er auch schon mehrmals dort.

Anläßlich der Schenkung des böhmischen Grafikers und Malers ist die Publikation „Sovak – weltvernetzt. Pravoslav Sovak im Kunstforum Ostdeutsche Galerie" erschienen. Und mit etwa 20 Arbeiten wird eine kleine, repräsentative Auswahl der Schenkung noch bis zum 1. November 2009 unter dem Motto „aus dem Atelier…" in einem eigenen Raum der ständigen Sammlung im Kunstforum präsentiert.

Markus Bauer (KK)

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