Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1401.

Montanostalgie

Die Hüttenindustrie des Banater Berglands in einer Ulmer Ausstellung

Eine Vorstellung von dem, was heißes Bemühen bedeuten mag: Stahlarbeiter beim Anstich eines Hochofens in Reschitz, 1938
Bild: Museum

Bei einem Rundgang durch die aktuelle Sonderausstellung des Donauschwäbischen Zentralmuseums Ulm unter dem Motto „Glühender Stahl und rauchende Schlote“ können die Besucher sich einen Überblick über 300 Jahre Industriegeschichte des Banater Berglandes verschaffen. An der Vernissage nahm auch der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen in Rumänien, Erwin Josef Tigla aus Reschitz/Resita, teil. Für seine Verdienste um die deutsche Minderheit wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande.

Die „Zeitreise“ beleuchtet ein unbekanntes Kapitel europäischer Industriegeschichte in Rumänien. Mit dem Begriff „Industrialisierung“ verbindet man eher England oder das Ruhrgebiet. Aber auch das Banater Bergland im Südwesten Rumäniens war lange ein bedeutendes industrielles Zentrum. Bereits 1718 beschickten in der Zips (heute Slowakei) angeworbene deutsche Hüttenarbeiter den ersten Kupferschmelzofen. Ab 1872 bauten rumänische und deutsche Arbeiter in Reschitzgemeinsam Lokomotiven, zunächst für die österreichisch-ungarische Monarchie, später für den rumänischen Staat. Das 20. Jahrhundert brachte einen raschen Modernisierungsschub, dem ein ebenso rasanter Niedergang folgte. Heute rauchen im Banater Bergland kaum noch Schlote. Dafür bestimmen Industrieruinen das Bild der Städte und der umliegenden Landschaft.

Die Ausstellung folgt den Spuren der ersten deutschsprachigen Bergleute im Banater Bergland vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Präsentiert werden Lebenswelten der Region, wobei das Mit- und Nebeneinander der verschiedenen Kulturen berücksichtigt wird. Es geht sowohl um den harten Alltag der Arbeiter als auch um die Feste, die sie feierten, die Vereine, die sie gründeten, und nicht zuletzt um die Kämpfe, die sie ausfochten.

Eine Besonderheit der Schau sind die rund sechzig Fotografien des Werksfotografen Hermann Heel, die zwischen 1920 und 1960 in Reschitz – der einstigen „Feuerfestung Rumäniens“ – aufgenommen wurden. Dass es die Bilderauswahl heute noch gibt, ist nur dem Zufall zu verdanken: 1967 wollte die Leitung des Industriekombinats die historischen Bilddokumente entsorgen. 2000 Glasplatten aber konnten gerettet und in das Banater Montanmuseum gebracht werden. Im DZM wird erstmals eine Auswahl dieser seltenen Fotografien gezeigt. Zu den Fotomotiven gehören u. a. das Kupferbergwerk von 1771 bei Dognatschka/Dognacea, Fabriken und Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert in Steierdorf/Anina sowie die Hochofenanlage mit Beladebrücke in Reschitz, um 1925, und der Anstich eines Hochofens in Reschitz, um 1938.

Weitere Ansichten zeigen die erste in Reschitz für die staatliche Eisenbahngesellschaft C.F.R. (Caile Ferate Române) gebaute Lokomotive, die der Generaldirektor der Reschitzer Werke und der Transportminister Valeanu König Ferdinand am 10. Juni 1926 übergeben haben.

Die Ausstellung des Donauschwäbischen Zentralmuseums wurde in Kooperation mit der Kulturreferentin für den Donauraum am Donauschwäbischen Zentralmuseum und dem Heimatverband der Banater Berglanddeutschen e. V. ausgerichtet. Die Präsentation ist bis zum 28. April im DZM Ulm zu sehen.

(KK)

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