Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1239.

Museal digital

4000 historische Schlesien-Ansichten sind jetzt in Buchform und im Internet verfügbar

Unter dem Titel „Bilder des zehnfach interessanten Landes“ berichtete die KK1236 über die rund 4000 Schlesien-Ansichten umfassende Sammlung des ehemaligen Brauereibesitzers Albrecht Haselbach aus Namslau, von der eine Auswahl nun nach Ausstellungen in Görlitz und Regensburg in Kattowitz, Breslau und Marburg gezeigt wird. Doch nicht nur in den Ausstellungen sind die historischen Ansichten der Öffentlichkeit zugänglich. Die gesamte Sammlung wurde nach der Digitalisierung durch das Herder-Institut auch ins Internet gestellt. So können die Ansichten unter www.herder-institut.de jederzeit betrachtet werden. Gibt man z.B. Breslau ein, so werden 300 Ansichten wiedergegeben, unter dem Künstlernamen Friedrich Bernhard Werner 292 Ansichten.

Zu der Digitalisierung erschien auch ein Begleitbuch unter dem Titel „Zeit-Reisen. Historische Ansichten aus der Graphiksammlung Haselbach“. Dieser Begleitband bringt nicht nur Aufsätze wie zur Person Albrecht Haselbach ( Diana Codogni-Lancucka), zur Geschichte Schlesiens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Arno Herzig) oder über die künstlerische Darstellungsweise dieser Zeit (Johanna Brade), Schwerpunkt ist ein Überblick über die Ansichten Schlesiens von 1493 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts (Angelika Marsch).

Dabei weist die Verfasserin, der durch ihre Spezialisierung auf historische Ansichten Schlesiens in dreißig entsprechenden Sammlungen bekannt sind, in der Einleitung auf die wichtigsten Sammlungen schlesischer Ansichten in der Bundesrepublik hin. In diesem Zusammenhang gibt sie als Ergebnis ihrer Recherchen an, daß mehr als 12 000 historische Ansichten Schlesiens im Besitz der Öffentlichkeit sind.

Nach der Sammlung Haselbach hat vor allem die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin (Staatsbibliothek, Kupferstichkabinett, Geheimes Staatsarchiv) den umfangreichsten Bestand dieser einst zu Preußen gehörenden Provinz.

Mit der Entdeckung der Landschaft in der Zeit der Romantik war das Riesengebirge mit dem Hirschberger Tal zum begehrtesten Reiseland nördlich der Alpen geworden. Nicht nur die Preußenkönige errichteten hier ihre Sommerresidenzen, auch zahlreiche Künstler wie Caspar David Friedrich und Ludwig Richter suchten diese Gegend auf. Damit entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Flut an Souvenirgraphiken, wie sie uns für keine andere Region überliefert ist. Das bestätigt im Begleitbuch neben den zahlreichen Abbildungen auch das Künstlerverzeichnis, die über hundert Titel umfassende Bibliographie zur Geschichte der Ansichten Schlesiens und vor allem die achtzig Titel von Ansichtenserien und illustrierten Büchern.

Es waren nicht nur die Landschaftsdarstellungen, die Schlesien im 19. Jahrhundert weit über seine Grenzen hinaus bekannt machten. Es waren ebenso die frühen Ansichten der Bergbauindustrie Oberschlesiens, die die Magnaten bei den Bildverlegern in Schmiedeberg in Auftrag gaben und die uns durch die Sammlung Haselbach überliefert sind.

Ohne Zweifel stellt das vom Herder-Institut Marburg mit dem Schlesischen Museum Görlitz, dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg und dem Architekturmuseum Breslau durchgeführte Projekt der Digitalisierung der Sammlung Haselbach mit dem dazugehörigen Begleitbuch einen wesentlichen Beitrag zur Kulturgeschichte Schlesiens dar. Von der Digitalisierung der Ansichten und der Zweisprachigkeit (deutsch/polnisch) des Begleitbuches profitieren nicht nur die polnische Denkmalpflege sowie Museen, Archive und Forschungseinrichtungen, sondern damit  kann auch der jetzigen Bevölkerung Schlesiens die Geschichte dieses Landes nähergebracht werden, so daß das Bewußtsein des gemeinsamen kulturellen Erbes erhalten bleibt.

(KK)

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