Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1398.

Name mit silbernem Klang

Dauerleihgabe der Familie Lemor an das Schlesische Museum zu Görlitz

Leuchtender Leuchter
Bild: Museum

Vor kurzem erhielt Dr. Rainer Lemor aus Kiel eine Auszeichnung als verdienter Förderer des Schlesischen Museums zu Görlitz. Der Direktor des Hauses, Dr. Markus Bauer, verwies in seiner Laudatio auf den hohen Bekanntheitsgrad der Silberwarenfabrik Julius Lemor, die als eine der ältesten und angesehensten Firmen im alten Breslau galt. Es war die einzige Silberfabrik in Schlesien, die über die Grenzen der Provinz und des Landes hinaus bedeutend war. Sie versorgte den Adel und das gehobene Bürgertum mit luxuriösem Tafelgeschirr und Besteck.
Der 1937 in Breslau geborene Rainer Lemor und sein jüngerer Bruder waren als Erben der Fabrik vorgesehen, die dieses Jahr ihr 200jähriges Gründungsdatum begehen würde. Doch die Kriegsjahre haben alle Pläne zunichte gemacht. Lemors Vater wurde eingezogen und wird seit 1945 vermisst. Die Familie war zunächst bei Verwandten in Strehlen untergebracht, musste jedoch vor der Roten Armee flüchten.

In Dresden erlebten Mutter und Kinder die Schreckensnacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 und verließen die brennende Stadt. Über Magdeburg und Hannover kamen sie ins Weserbergland und ließen sich in der Nähe von Bad Pyrmont nieder, wo die Großeltern mütterlicherseits lebten. Später zog die Familie nach Kiel, wo der junge Rainer Lemor sein Abitur machte und das Studium der Betriebswirtschaftslehre aufnahm, in Hamburg fortsetzte und in Kiel mit der Promotion abschloss. Er wurde Bankmanager und arbeitete 38 Jahre lang in führender Position bei der Landesbank Schleswig-Holstein.

„Von der Breslauer Silberfabrik kam er sein Leben lang nicht los. Immer wieder wurde er auf den Namen angesprochen, den viele Schlesier, jeder alte Breslauer kannte, und mit Fragen bedrängt“, betonte Dr. Markus Bauer in seiner Laudatio und fügte hinzu: „Er erzählt, dass seine Auseinandersetzung mit der Firmengeschichte eigentlich von Misstrauen geprägt war. Im Laufe der Jahre konnte er sich jedoch davon überzeugen, dass in diesem Fall der gute Leumund mit der Realität in Einklang stand.“

Den Grundstock seiner Sammlung bildeten einige wenige Stücke des Familiensilbers – ein Geschenk der Belegschaft zur Hochzeit 1936 und ein Geschenk zur Geburt Rainers, ein vollständiger Bestecksatz –, die seine Mutter kurz vor dem Kriegsende zu ihren Eltern nach Bad Pyrmont geschickt hatte. Ermutigt durch Dr. Klaus Ullmann, den früheren Leiter von Haus Schlesien in Königswinter, verstärkte Dr. Lemor seine Bemühungen um die Firmengeschichte und um den Ausbau seiner Sammlung. Inzwischen ist die Sammlung auf über 2500 Besteckteile und rund 200 Corpuswaren angewachsen.

1993 gestaltete der Sammler eine Ausstellung zum 175. Jahrestag der Firmengründung (1818) im Haus Schlesien, es folgte eine große Lemor-Schau, die 2003 und 2004 im Breslauer Stadtmuseum, in Haus Schlesien und im Braunschweigischen Landesmuseum gezeigt wurde. Die Präsentation „Silber aus Schlesien“ im Jahr 2010 erarbeitete er zusammen mit Martin Kügler am Schlesischen Museum zu Görlitz.

Im Einvernehmen mit seinen Töchtern und seinem Sohn hat sich Dr. Lemor entschieden, die Sammlung dem Museum als Dauerleihgabe anzuvertrauen, mit der Maßgabe, dass die Leihgaben auch an Haus Schlesien und an das Stadtmuseum Breslau weitergereicht werden. Somit erhielt das SMG einen einzigartigen Fundus, der seine Sammlungen an Porzellan und Glas aus dem Schlesien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ergänzt. Die Leihgaben bilden die Grundlage für die neue Ausstellung „Silber von Lemor aus Breslau“, die im SMG am 8. Dezember eröffnet wird. Zu sehen sind wertvolle Exponate aus der Dauerleihgabe von Dr. Lemor sowie Infotafeln zur Firmengeschichte.

Es erscheint eine Publikation, in der Rainer Lemor rund 140 Besteckmuster der Firma Lemor identifiziert. Damit ist Sammlern eine wertvolle Bestimmungshilfe geboten. Ergänzt wird die Publikation durch einen Beitrag über die Silberpunzierung der Stadt Breslau von 1818 bis 1945 mit Abbildung aller Marken dieser Zeit.

(KK)

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