Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1339.

Nicht Deutschstämmige, sondern Deutsche

Kritische Anmerkungen zum Beitrag „Deutsche, jedoch nicht unter deutscher Herrschaft“ in der KK 1338 vom 25. November

1. Die deutsche Minderheit in Estland hat nicht nur unter dänischer, schwedischer und russischer Herrschaft gelebt, sondern von 1561/62 bis 1629 auch unter polnischer.

2. Die Deutschbalten waren und sind nicht „Deutschstämmige“, sondern Deutsche.

3. Deutsch war im Baltikum (Gebiet von Estland und Lettland) niemals Landessprache, weil es keine Germanisierung gegeben hat.

4. Deutsch (im Mittelalter Niederdeutsch) war Behördensprache bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts und wurde mit Beginn der Russifizierung durch das Russische verdrängt.

5. Es trifft nicht zu, dass die Deutschbalten „nie unter deutscher Herrschaft“ waren: Vom Beginn des 13. Jahrhunderts und nachdem Dänemark seine Besitzungen in Estland 1346 an den Deutschen Orden verkauft hatte, wurde das gesamt Baltikum als sogenannte Livländischen Konföderation bis 1561/62 direkt von Deutschen regiert – vom livländischen Zweig des Deutschen Ordens, von den deutschen Stadtbürgern und von vier (deutschen) Bistümern. Auch danach wurde das Baltikum bis Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund von Privilegien unter der Hoheit von Schweden und Polen und dann Russlands im Rahmen einer Landesautonomie von Deutschbalten verwaltet. Der westliche Teil Lettlands (Kurland) wurde unter dem letzten Ordensmeister Gotthard Kettler ein deutschregiertes weltliches Herzogtum als polnisches Lehen. Diese Selbständigkeit erlosch erst 1795 mit der Einverleibung des Herzogtums ins Zarenreich im Rahmen der 2. Polnischen Teilung. Doch die Deutschbalten blieben im wesentlichen Verwalter des Landes.

6. Es trifft nicht zu, dass das Baltikum nie zum Deutschen Reich gehört hat: Bis 1561/62 (siehe 5.) war das gesamte Baltikum ein besonderer Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Als der Orden das Land nicht mehr aus eigener Kraft gegen die russische Aggression verteidigen konnte und vom Reich keine Hilfe kam, unterwarfen sich die (deutschbaltischen) Repräsentanten des Baltikums Schweden und Polen. Nur Riga zögerte noch eine Zeitlang mit der Unterwerfung aus Furcht davor, dass die Reichsacht über die Stadt verhängt werden könnte.

Elimar Schubbe (KK)

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