Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1314.

Nicht im Zentrum der Kultur, aber selbst eines

In Ellingen feiert das Kulturzentrum Ostpreußen sein 30jähriges Bestehen in beständiger Regsamkeit

„Sie und Ihre Mitarbeiter leisten vorzügliche Arbeit!“ Dieses Lob sprach Wilhelm von Gottberg, der Vorsitzende des Stiftungsrates der Ostpreußischen Kulturstiftung und ehemalige Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, in seiner Festrede zum 30jährigen Bestehen des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen dem Direktor Wolfgang Freyberg und seinen Mitarbeitern aus. Unbestreitbar sei das Kulturzentrum in Ellingen ein Kind der Landsmannschaft Ostpreußen, führte der Festredner weiter aus. Das Angebot des Freistaates Bayern, die damals leerstehenden Räume im Barockschloß Ellingen zu nutzen, habe man dankbar angenommen. Dieses wiederum war eine Folge der 1978 vom Land Bayern übernommenen Patenschaft für die Landsmannschaft Ostpreußen. Die damals unter dem Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß gesetzten Akzente der materiellen und ideellen Hilfe wurden auch von seinen Nachfolgern übernommen und fortentwickelt.

„Kulturelle Bindungen zwischen Ostpreußen und Bayern bestehen schon viele Jahrhunderte“, fuhr von Gottberg fort. Schon Siegfried von Feuchtwangen hatte als Hochmeister des Deutschen Ordens den Ordenssitz 1309 auf die Marienburg verlegt. Von 34 Hochmeistern in der Geschichte des Ordens kamen 15 aus Bayern, Franken und Schwaben. Erwähnenswert sei auch die „Münchner Ostpreußenhilfe“ aus dem Jahr 1915, die sich nach dem Russeneinfall in Ostpreußen 1914 gebildet hatte und die dortige Bevölkerung materiell unterstützte.

Das Ellinger Kulturzentrum wurde vom Bundesvorstand der Landsmannschaft mit vielen eigenen Mitteln aufgebaut und bildet heute mit rund 1500 Quadratmetern Nutzfläche zusammen mit dem aus dem Ostpreußischen Jagdmuseum entstandenen Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg einen Mittelpunkt der Erinnerung.

Dazu unterstützt der 1997 gegründete Förderverein das museale Schaufenster und das Archiv. Diesem kommt um so größere Bedeutung zu, als von mehreren Dutzend Heimatstuben ostpreußischer Gemeinden bereits einige aufgelöst wurden und weitere mangels Betreuung wohl folgen werden. Viele Exponate dieser Einrichtungen wurden und werden nach Ellingen als zentralem Aufbewahrungsort ostpreußischer Erinnerungsgegenstände gebracht. Mit diesem Fundus und aufgrund einer geplanten baulichen Erweiterung werde das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen auch in Zukunft seine Aufgaben als Mittler und Bildungseinrichtung für „unverfälschte Geschichte“ erfüllen können.

Die tatkräftige Unterstützung von Ministerialrat Dr. Walter Rösner-Kraus vom Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung erwähnte Wilhelm von Gottberg besonders. Ohne ihn und die Hilfe Bayerns gäbe es auch das Haus Kopernikus in Allenstein beispielsweise nicht, das wie das Bayerische Haus in Odessa eine Überlebenshilfe für die deutschen Restgruppen dieser Länder darstellt.

Zu Beginn der vom Ellinger Barock-Ensemble „flores musicales“ umrahmten Feierstunde hatte Wolfgang Freyberg, der Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen, die Gäste begrüßt. Ellingens Bürgermeister Walter Hasl überbrachte dem Kulturzentrum die Glückwünsche der Stadt. Die Einrichtung mit ihren nicht aus der Stadt wegzudenkenden Aktivitäten wie dem alljährlichen Herbstmarkt bilde ein Aushängeschild für Ellingen, auf das er stolz sei.

„Aus der reinen Sammelstelle von ostpreußischen Erinnerungsstücken hat sich ein museales Schaufenster als lebendiger Mittelpunkt in Süddeutschland entwickelt. Ohne eine derartige Pflege geht der Erinnerungsschatz verloren“, lobte Regierungsdirektor Dr. Frank Schilling von seiten des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die vom Bund geförderte Einrichtung sei aus eigenem Engagement der Vertriebenen entstanden und bewahre das geschichtliche Erbe der Deutschen. Zudem erwecke das Kulturzentrum durch die Gestaltung von Dauerausstellungen in den heute polnischen Städten das Interesse der jetzt dort Wohnenden an der Geschichte ihrer Heimat.

Ministerialdirigent Paul Hansel vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen sah die Geschichte als wichtigstes Element über die Erlebniswelt hinaus. „Sprache, Dialekt und Brauchtum gehen getrennt von der Heimat im Laufe der Jahre verloren, nur die Vernetzung der Geschichte bleibt erhalten.“ Bayern unterstützt kulturelle Einrichtungen nicht nur in München, sondern gerade auch im ländlichen Raum. Sein Haus werde das Kulturzentrum auch in den nächsten 30 Jahren fördern, so der Vertreter der Staatsregierung.

Zum Jubiläum übermittelte Bezirkstagspräsident Richard Bartsch die besten Wünsche: „Der Bezirk Mittelfranken unterstützt und fördert das Kulturzentrum Ostpreußen gern, aus der Überzeugung heraus, daß die geleistete Arbeit von großer Wichtigkeit ist.“ Gerade durch den im Jahre 2001 abgeschlossenen Partnerschaftsvertrag mit der Woiwodschaft Pommern habe  Mittelfranken eine besondere Beziehung zu jener Region.

Impressionen mit Bildern aus der 30jährigen Geschichte des Kulturzentrums Ostpreußen sowie die erste Präsentation einer neu gestalteten Homepage rundeten die Festveranstaltung ab.

Manfred E. Fritsche (KK)

«

»