Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1315.

Noch im Ruhrpott nährte die Nehrung seine Kunst

Eduard Bischoff, einstmals Königsberger Kunstakademie, dann Gelsenkirchen, im Ostpreußischen Landesmuseum

Kindliche Hintergründigkeit: Fridolin Bilder (auch Titel): aus der Ausstellung

Die Kunst des 20. Jahrhunderts aus den historischen deutschen Ostgebieten kennt nur wenige Künstler, die so charakteristisch für eine Region und ein östliches Kunstzentrum stehen, wie der Königsberger Maler Eduard Bischoff für Ostpreußen und die Königsberger Kunstakademie repräsentativ ist. Zudem war es ihm vergönnt, nach 1945 in der Bundesrepublik noch gut 20 Jahre zu arbeiten und die Kunsttraditionen seiner kulturellen Wurzeln aus Ostpreußen in die Kunstlandschaft seiner neuen Heimat einzubringen.

Der 1890 in Königsberg geborene Maler Eduard Bischoff gehört zu den führenden Künstlern Ostpreußens im 20. Jahrhundert. Seine Studienzeit an der Kunstakademie seiner Heimatstadt von 1910 bis 1914 fällt in deren Blütezeit unter dem Direktorat von Ludwig Dettmann, dessen Meisterschüler Bischoff wurde. Nach Kriegsende 1918 ließ er sich als freischaffender Künstler nieder und machte sich in wenigen Jahren einen angesehenen Namen. In dieser Zeit begann er außerdem ein intensives Schaffen auf der Kurischen Nehrung, im Kreis der damals gerade zum Begriff gewordenen Künstlerkolonie Nidden. Bischoff entwickelte seinen eigenen Stil aus dem Eindruck des Spätwerks von Lovis Corinth, aus seinem Schaffen vor der Natur, z. B. in Nidden, wie aus verschiedenen Anregungen aus Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Seiner wachsenden Bedeutung als Künstler in Ostpreußen entsprach schließlich die Berufung an die Königsberger Kunstakademie.

Im Dienst der Kuns, doch ganz bei sich: Akademiemodell

Trotz Flucht und Heimatverlust 1945 gelang es dem Maler schon 1946, seine Arbeit im Westen fortzusetzen, zunächst in der Lüneburger Heide, ab 1948 in der Künstlersiedlung Halfmannshof bei Gelsenkirchen. Auf allen Arbeitsfeldern setzte er sein Werk fort, in der Ölmalerei, Wandmalerei und Grafik. Neue Eindrücke, verstärkt durch viele Reisen in Europa und nach Afrika, führten dabei zu einem Stilwandel hin zu großzügigeren Formen und Kompositionen. Bei allem Neuen blieben jedoch auch die Erinnerungen an Erlebnisse und Bildmotive aus seiner ostpreußischen Heimat weiterhin Gegenstand vieler seiner Arbeiten. In seinem Alterswohnsitz in Soest/Westfalen ist Eduard Bischoff 1974 gestorben.

Die Ausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum bietet erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder mit mehr als 50 Werken einen großen Überblick über das Gesamtwerk des Malers. Mit großzügiger Unterstützung durch Ingo-Endrick Lankau, den Enkel des Malers, der den umfangreichen Künstlernachlaß verwaltet, gelingt es, alle Schaffensphasen Eduard Bischoffs mit beispielhaften Werken darzustellen.

Eine solche in die Tiefe gehende Darstellung ostpreußischer Kunst gelingt heute nur noch bei ganz wenigen Malern. Zuviel ist im Laufe der Jahrzehnte seit 1945 verlorengegangen.

(KK)

 

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