Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1276.

Ort der Einkehr und Sammlung – auch von Kunst

Klemens Fürst Metternich, der Kanzler der österreichischen Restauration, hat auch ein Schloß in Böhmen restauriert

Klemens Fürst Metternich, Außenminister und langjähriger Kanzler des Kaiserreichs Österreich, ist eine beherrschende Figur der europäischen Politik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sein Wirken wird allerdings häufig mit negativen Vorzeichen versehen, da er als Antwort auf die Französische Revolution und die Expansion des napoleonischen Frankreich das monarchistische Staatensystem der drei Großmächte Österreich, Preußen und Rußland auf Jahrzehnte im Bündnis der Heiligen Allianz befestigte und in der Innenpolitik alle revolutionären nationalen Bewegungen streng unterdrückte, bis die Revolution von 1848 seinen Rücktritt erzwang.

Vor 150 Jahren ist dieser große Staatsmann, 1773 in Koblenz am Rhein geboren, im hohen Alter von 86 Jahren gestorben.

Während seine Politik der breiten Öffentlichkeit bis heute bekannt ist, bleiben sein privates Leben, sein persönliches Schicksal und seine persönlichen Vorlieben vielfach im Dunkeln. Er hatte drei Ehefrauen und eine ganze Schar von Kindern, die allerdings nicht alle das Erwachsenenalter erreichten.

Unbekannt ist auch seine enge Verbindung zum Egerland, zu Böhmen, wo die Metternichs schon seit der Zeit Wallensteins und des 30jährigen Krieges in der Nähe von Stift Tepl und Eger sowie dem später gegründeten Marienbad die Herrschaft Königswart besaßen, mit Schloß Königswart als beliebtem Aufenthaltsort abseits der Wiener Geschäfte. Dieses bezaubernde klassizistische Kleinod blieb bis zur widerrechtlichen Enteignung durch die tschechoslowakische Benesch-Regierung im Jahre 1945 und die Vertreibung der angestammten sudetendeutschen Bevölkerung des Egerlandes im Besitz der Familie Metternich. Nun kann es seit dem Jahr 2000 nach umfangreichen Renovierungen mit seinen reichen Sammlungen an Kunst, Büchern und Kuriositäten im Rahmen von Führungen besichtigt und bestaunt werden. Der attraktiv gestaltete kleine Schloßführer (2005) leidet nur unter der Verwendung des tschechischen Namens für Königswart (Kynzvart) und kleinen Fehlern.

Metternich war ein Liebhaber von Skulpturen, Gemälden, Büchern, Andenken aller Art und Kuriositäten. Vieles hatte er geerbt, so die wertvolle Bibliothek, die allein 230 Frühdrucke, darunter eine Kosmographie von Hartmann Schedel und 160 Manuskripte umfaßt, sowie eine Ausgabe der fünf Bücher Mose aus dem 9. Jahrhundert.

Ein großer Teil der Sammlungen war schon zu seiner Zeit vorhanden, Teile kamen noch vor dem Ersten Weltkrieg aus der Wiener Villa hinzu. Der letzte Scharfrichter von Eger, Karl Huss, der später Verwalter in Königswart wurde, brachte eine einzigartige Münzsammlung ein. Er soll auch als Arzt gewirkt und sich von seinen Patienten alte Münzen erbeten haben. Unter den Kuriositäten befinden sich Reliquien, ein Gebetbuch der Marie Antoinette, Locken verschiedener Herrscher, ägyptische Mumien, Waffen, Schmuck und Spazierstöcke.

Der bedeutende Biograph Metternichs, der österreichische Historiker Heinrich Ritter von Srbik, schreibt in seinem zweibändigen Werk „Metternich, der Staatsmann und Mensch": „Metternich war aller pompösen Pracht in seinen Räumen abhold" und „bevorzugte im Königswarter Schloß Ruhe und Einfachheit in der Wahl und Aufstellung seiner edlen Kunstwerke".

Über den Zustand des Besitzes hat Metternich 1854 selbst erzählt, „vor 30 Jahren sei das Schloß fast eine Ruine in einer Wüstenei gewesen", bevor es der Italiener Pietro Nobile umgestaltete. Um das Schloß entstand eine großartige Parkanlage mit einem großen Teich, einem Bachlauf mit Wasserfällen, einer Mühle, einer Brauerei, einer Waldkapelle, einem Meierhof (heute ein kleines Hotel mit Restaurant) etc. Der Schloßpark wurde von dem Wiener Hofgärtner Riedel geschaffen und wird nach jahrzehntelanger Verwilderung während der kommunistischen Zeit heute wieder gepflegt und gehegt.

Erst gegen Ende seines Lebens war Metternich der „Genuß des Landlebens in Königswart vergönnt". Voraufgegangen war eine dramatische Flucht nach seinem Sturz in der Wiener Revolution von 1848. Sie führte ihn über Feldsberg quer durch Böhmen über Teplitz nach Dresden und von Holland nach London ins Exil. Erst 1851 konnte er nach einem Aufenthalt auf Schloß Johannisberg zurück nach Wien. „Die Heimreise nach Österreich, das er als Flüchtling in Lebensgefahr verlassen hatte, glich der Fahrt eines Königs", schreibt Srbik. Auf Schloß Johannisberg hatten ihn König Friedrich Wilhelm IV. und Otto von Bismarck besucht, in Wien besuchte ihn Kaiser Franz Joseph I.

Den Nachfahren Metternichs ist eine solche Heimkehr bisher verwehrt geblieben. Immerhin wird das Erbe des großen Kanzlers mit Schloß Königswart erhalten und erfreut den Besucher. Über die Enteignung der Familien gibt es leider keine Information.

Rüdiger Goldmann (KK)

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