Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1360.

Ort der inneren westpreußischen Einkehr

Das Westpreußische Landesmuseum, neu eröffnet in dem ehemaligen Franziskanerkloster Warendorf

Weigelt-WarendorfJPGIm Eingangsbereich mit Foyer und Garderobe erinnert die Klosterpforte daran, dass die Kulturstiftung Westpreußen eine Symbiose mit einem ehemaligen Franziskanerkloster eingegangen ist, dessen Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht und die mit Zugang zur Kirche in das Museumskonzept eingegliedert wurde. Der Kloster- und Museumskomplex liegt wenige Minuten vom Altstadtzentrum der bekannten westfälischen Pferdestadt Warendorf entfernt und ist gut erreichbar.

Durch das Foyer betritt der Besucher den früheren Kreuzgang mit Blick auf den Klostergarten, dessen Mitte ein riesiger 300 Jahre alter Buchsbaum beherrscht. Der große Raum am Ende des ersten Ganges ist Danzig gewidmet, dem stolzen Zentrum der Region Westpreußen. Ausgewählte charakteristische Möbel und typische Bilder geben exemplarische Einblicke.

Dr. Lothar Hyss, der Direktor des Museums, ist zu Recht stolz auf das Museumskonzept, das er mit seinem Team in mehr als einjähriger Arbeit entwickelt und bis zur Eröffnung des Museums im Dezember 2014 umgesetzt hat: Nach dem Prinzip „Weniger ist mehr“ wurde bewusst auf alles verzichtet, was eher verwirrt als erkenntnisleitend auf das Wesentliche führt. Was der Besucher sieht, hat er noch lange in seiner Erinnerung: Klasse statt Masse.

Der zweite Gang führt an acht Bildern des Westpreußen Bruno Krauskopf (geboren 1892 in Marienburg, gestorben 1960 in Berlin) vorbei, den die Nationalsozialisten als „entartet“ verfemten. Im anschließenden Raum für Sonderausstellungen wird gerade unter dem Thema „Angekommen“ die Integration der Vertriebenen in Deutschland gezeigt, eine vom Zentrum gegen Vertreibungen ausgearbeitete Ausstellung.

Besonders erfreuen im dritten Gang die sieben Orientierungspunkte, die auf die Schwerpunkte der Dauerausstellung vorbereiten. Hier wird das Konzept in den Themenbereichen transparent, jeweils mit nur einem Exponat, verbunden mit einigen Stichworten. Das ist wirklich meisterhaft gestaltet und eine willkommene Hilfe für den Museumsbesucher.

Über eine Treppe gelangt man ins Obergeschoss (ein Fahrstuhl steht auch zur Verfügung), in dem früher die Mönchszellen lagen. Jetzt sind die Außenräumlichkeiten vergrößert, der enge Innenbereich gänzlich neu gestaltet. Die hier präsentierte Dauerausstellung umfasst die Geschichte Westpreußens vom Deutschen Orden bis 1945 als Ort des lange Zeit friedlichen Zusammenlebens von Deutschen und Polen, als späteren Schauplatz ethnischer und nationaler Auseinandersetzungen und als wichtigen Erinnerungsort für die Geschichte und Kultur des früheren Ostdeutschland, der heute ein gemeinsames Erinnern beider Völker ermöglicht. Darauf legt das Museum einen ganz besonderen Akzent.

Viel Phantasie und museumspädagogisches Geschick waren überall am Werk. Schon im ersten Raum kann man lange verweilen und sich selbst eine Rundreise durch Westpreußen mittels prächtiger Farbfotografien zusammenstellen, Schlösser und Burgen anschauen, Städtepanoramen bewundern. Im Bernsteinkabinett ist das einzigartige Modell einer Bernsteinkanone zu bewundern. Eine ganze Wand zeigt zahlreiche Inklusen, die mit einem beleuchteten Mikroskop hundertfach vergrößert werden, so dass der in Bernstein gegossene prähistorische Akt, in dem eine Spinne eine Ameise fängt, unmittelbar erlebbar wird. Kein Wunder, dass Schulklassen aus diesem Raum kaum herauszubekommen sind, wie Dr. Hyss lächelnd bemerkt.

Weigelt-KanoneJPGÜber fast die ganze Länge eines Innenraumes zieht sich das Modell einer halben Hansekogge, deren Wände zweifach durchbrochen sind: Man kann einen Lagerraum betreten, in dem Fässer und Getreide gebunkert sind, oder Räume mit dem Hafen von Danzig oder Modellansichten der Hansestadt Elbing. Zudem sind in die Außenwand Vitrinen eingelassen, in denen weitere Exponate aus der Hansezeit zu sehen sind. Da hat sich wirklich jemand etwas einfallen lassen, wie Dr. Hyss zufrieden bemerkt.

Den großen Raum oberhalb des Danziger Raumes im Erdgeschoss prägt über die eine Wandseite ein riesiger Danziger Gobelin niederländischer Herkunft aus dem Jahre 1620. Davor stehen Vitrinen mit ausgesuchten Preziosen der Silberschmiedekunst, im Hintergrund wuchtige Danziger Schränke mit ihren gewundenen Säulen.

Ein besonderes Schmuckstück des Museums ist die Schatzkammer, in der vor goldenem Hintergrund in acht Hochvitrinen außergewöhnliche Silberarbeiten zu sehen sind. Auch hier wieder ging es den Museumsgestaltern um gezielte Auswahl dessen, was exemplarisch das Wesentliche zeigt.

Natürlich wird der Besucher mit Flucht und Vertreibung, mit der Integration der Westpreußen in Deutschland und mit dem Prozess der Annäherung und Versöhnung mit Polen vertraut gemacht. Lichtsäulen vermitteln in bewegten Fotos zeitgeschichtliche Begegnungen zwischen polnischen und deutschen Persönlichkeiten, die sich um die deutsch-polnische Aussöhnung verdient gemacht haben, von Willy Brandt über Helmut Schmidt und Helmut Kohl bis Johannes Rau und Christian Wulff, von Lech Walesa über Tadeusz Mazowiezki und Bronislaw Komorowski bis Papst Johannes Paul II.

Weigelt-SilberkanneDas Westpreußische Landesmuseum musste mit den gegebenen beengten räumlichen Bedingungen fertig werden und hat diese Aufgabe vorzüglich gelöst. Das Ergebnis ist ein wahres Schmuckstück, ein Lern- und Erinnerungsort, der Westpreußen als früher deutsche und heute polnische Region ansprechend präsentiert. Ein großzügiger Vermieter hat der Kulturstiftung Westpreußen nicht nur ein langfristiges Mietverhältnis gesichert, sondern das Haus auch nach den Vorstellungen des Mieters gründlich renoviert. Der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und die Stadt Warendorf fördern das Museum.

Klaus Weigelt (KK)

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