Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1332.

Präsentieren geht über Studieren

In Würzburg hat eine studentische Projektgruppe mit einem sudetendeutschen Heimatkreis öffentliches Aufsehen und Aufschauen erregt

In der Sparkassen-Hauptfiliale Würzburgs, auf der großen, freien Fläche in der Mitte des Baus, um die herum sich die verschiedenen Bankschalter gruppieren, war die Ausstellung aufgebaut worden: sternförmig gestellte Tafeln, einige Schaukästen  und eine Puppe mit Originaltracht. Das Projekt „Vertreibung, Integration, Versöhnung“, das in diesem Dreischritt rein klanglich an die großen Planungen für das Deutschlandhaus in Berlin erinnern mag, ist kein Jahrhundertprojekt, dafür aber ein beispielhafter und wirklich gelungener Versuch einer landsmannschaftlichen Organisation, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu präsentieren und sich nach außen, besonders in Richtung Jugend, zu öffnen.

Die Kooperation zwischen Studenten und einem Sudetendeutschen Heimatkreis war der besondere „Kniff“, welcher der Ausstellung auch zu einer jungen und nicht in erster Linie „Ingroup-orientierten“ Darstellungsweise verhalf. Das Projekt wurde von Prof. Dr. Matthias Stickler vom Institut für Geschichte der Universität Würzburg und Andrea Huber, der langjährigen Geschäftsführerin des Riesengebirgler Heimatkreises Trautenau e.V., gemeinsam initiiert.

Als Übung im Rahmen ihres Geschichtsstudiums begaben sich Katharina Mette, Gabriel Pankow und Anna Valeska Strugalla auf Spurensuche in der Heimatstube  mit dem Ziel, eine Ausstellung zu konzipieren und zu gestalten. Einen wichtigen Beweggrund, der für ein so junges Team spricht, arbeitete Projektinitiator Matthias Stickler in seinen Begrüßungsworten zur Eröffnung der Ausstellung heraus: „Es ist zweifellos richtig, dass die seit dem Zweiten Weltkrieg vollzogene Westorientierung der Bundesrepublik Deutschland dazu geführt hat, dass unsere östlichen Nachbarn für viele Deutsche immer mehr aus dem Blickfeld geraten sind. Dies zu ändern ist gerade vor dem Hintergrund der notwendigen weiteren Vertiefung der europäischen Integration von großer Wichtigkeit, und ich glaube, auch aus der Erfahrung unseres Projekts heraus, dass man gerade junge Leute hierfür gewinnen kann.“

Der Heimatkreis Trautenau hat in der Würzburger Altstadt mit der „Riesengebirgsstube“ seine Hauptanlaufstelle. Außerdem steht Würzburg in einer weiteren besonderen Beziehung zur Heimat der alten Trautenauer. Seit 2008 ist das tschechische Trutnov (Trautenau) Partnerstadt der unterfränkischen Kommune.

„Vertreibung, Integration, Versöhnung“ bilden als die drei großen Säulen die Grundstruktur, anhand derer die Geschichte der Menschen, die aus der Stadt und dem Landkreis Trautenau nach 1945 vertrieben wurden, dargestellt wird. Die Vorgeschichte der Vertreibung, das mit dem Heimatverlust verbundene große Leid, aber auch der Beitrag der Trautenauer zum Wiederaufbau bilden sozusagen die Rahmenhandlung.

Mit einem Empfang für die Mitglieder des Heimatkreises, Vertreter der Stadt und natürlich alle interessierten Besucher wurde die Ausstellung eröffnet. Sowohl Oberbürgermeister Georg Rosenthal als auch die anderen Ehrengäste, darunter zwei Landtagsabgeordnete, äußerten sich sehr erfreut über das Projekt. Auch die Studenten waren geradezu begeistert. „Mit einer Anmeldung zu einer ‚ganz normalen‘ Übung im Rahmen unseres Geschichtsstudiums fing alles an“, blickte Anna Valeska Strugalla in ihrer Ansprache auf die Projektanfänge zurück. „Dass mit der Teilnahme an einer Übung im Regelfall etwas Arbeit und mehr oder weniger neue Kenntnisse einhergehen, ist den meisten Studenten bewusst. Dass eine einzige Übung, neben schlaflosen Nächten und verstopften Posteingängen, es möglich macht, ein Thema von so vielen Blickwinkeln aus zu beleuchten, so viele verschiedene Arbeitstechniken eines Historikers vereint und gleichzeitig ein solch greifbares Ergebnis liefert – das hat wohl keiner von uns erwartet.“

Die Ausstellung „Vertreibung, Integration, Versöhnung“ war zuerst in der Sparkassenhauptfiliale Unterfrankens in Würzburg zu sehen und kann nun als Dauerausstellung in der Riesengebirgsstube des Riesengebirgler Heimatkreises Trautenau e. V. in der Neubaustraße 12 in Würzburg nach Anmeldung besucht werden.

Anna Valeska Strugalla (KK)

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