Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1312.

Prussia Rhenana

Einst westliches Bollwerk, jetzt Schmuckstück: Ehrenbreitstein

Seit diesem Frühjahr erstrahlt die geschichtsträchtige, strategisch günstig gelegene Festung Ehrenbreitstein in neuem Glanz. Im Zuge der Vorbereitungen für die Bundesgartenschau 2011 hat auch die ehemalige „Kriegsmaschine“ einen beachtlichen Wandlungsprozeß zu einem zivilen „Kulturfelsen“ erlebt. In der seit dem 16. Jahrhundert bestehenden kurtrierischen und später preußischen Befestigungsanlage sind neue Ausstellungen und Sonderschauen eingerichtet sowie Rundgänge erweitert worden.

Das 118 Meter über dem Rhein thronende Bollwerk gehörte zu den spektakulärsten preußischen Baukomplexen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Insgesamt acht Mal wurde die Festung Ehrenbreitstein ab 1830 auf ihre volle Gefechtsstärke von 1500 Mann und 80 Geschützen mobilisiert. Doch in beachtenswerte Kampfhandlungen wurde sie selbst im deutsch-französischen Krieg 1870/71 nicht verwickelt. Da der Festung die „Nagelprobe“ auf ihre Kriegstauglichkeit erspart blieb, wurde sie nie zerstörtund ist heute noch in großen Teilen im Originalzustand erhalten.

Wer dem neu angelegten kulturtouristischen „Weg zur Festungsgeschichte“ folgt, kann sich einen kompakten Überblick über die Meilensteine der Geschichte auf Ehrenbreitstein verschaffen. Die preußische Zeit nimmt dabei eine herausragende Stellung ein. Zu den für das Publikum erstmals zugänglichen Bereichen entlang des kulturtouristischen Rundwegs gehört unter anderem der Komplex „Turm Ungenannt“ und „Lange Linie“. Die museal aufbereitete Zeitreise führt durch mehrere Ausstellungsbereiche, die die wichtigsten Etappen von den Anfängen der Anlage bis zur „Entfestigung“ durch die Siegermächte des Ersten Weltkrieges veranschaulichen. So etwa finden die erste Siedlung auf dem Berg, die Befestigung des Berges in der Bronzezeit, die barocke Festung der Kurtrierer Herrschaft und schließlich die preußische Festung ihre Berücksichtigung. Der Weg führt durch neu eingerichtete Schauräume mit Szenerien aus dem einstigen Soldatenleben und erschließt bisher nicht öffentlich zugängliche Trakte und Räume der Festung.

Die Besucher erfahren bei ihrem Rundgang unter anderem, daß der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. gleich nach dem Wiener Kongreß und der Flucht Napoleons von Elba den Aufbau der Festung als Teil einer antifranzösischen Wehrlinie befohlen hatte. Zwischen 1817 und 1828 wurde dann die Feste auf den Ruinen der zerstörten kurtrierischen Anlage auf dem Ehrenbreitstein errichtetet. Militäringenieure unter Gustav von Rauch, dem Generalinspekteur der preußischen Festungen, und Ernst Ludwig von Aster, dem Inspekteur der rheinischen Festungen Preußens, erbauten die weitläufige Festung als Teil eines Systems militärischer Befestigungen um die Stadt Koblenz herum.

Wanderer können übrigens den renovierten „General-Aster-Weg“ zwischen Ehrenbreitstein und der Festung nutzen und wortwörtlich auf den Spuren des preußischen Generals über steile Treppen und Pfade bis zu seinem „Baubüro“ wandeln. Carl Schnitzler, Ingenieur-Offizier der preußischen Armee, übernahm die Bauleitung. Die Anlage wurde von der preußischen Armee bis ins Jahr 1918 militärisch genutzt.

Auch das ausgeklügelte Wegesystem der Preußen wird nachvollziehbar präsentiert. Die Anlage wurde für die Verteidigung gegen die damals bekannten Waffen und Angriffsarten ausgelegt. Die einstigen Versorgungsgänge und Geschützstellungen dienten zugleich als Soldatenstuben. Im Gegensatz zu der früheren kurtrierischen Festung war die Preußenfeste nicht mit Söldnern, sondern mit Berufssoldaten und Wehrpflichtigen bemannt. Zweckmäßig eingerichtete Kasernenstuben sind entlang des Rundweges inszeniert.

Ein Schwerpunkt ist den Festungsgeschützen gewidmet. Anhand originaler Exponate oder Nachbauten wird ein Bogen von der wehrhaften kurtrierischen Zeit zur Preußenfestung gespannt.

Dieter Göllner (KK)

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