Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1363.

Reime auf Tod, Not und Brot

In Görlitz kann man sie sich hundertfach machen

Die aktuelle Sonderausstellung des Schlesischen Museums zu Görlitz, „Die große Not. Erinnerung an das Kriegsende 1945 und den Neubeginn in Görlitz und Zgorzelec“, ist durch das Engagement vieler Privatpersonen sowie Görlitzer Vereine und Institutionen zustande gekommen. Um das Thema möglichst facettenreich darstellen zu können, gibt es ein ergänzendes Begleitprogramm sowie die detaillierte Internetpräsentation einiger Leihgaben mit ihrer jeweiligen Geschichte. Die große Publikums-Resonanz des Aufrufes zum Mitmachen zeigt einmal mehr, dass die Erinnerung an die Ereignisse in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges und an den schweren Alltag in den Nachkriegsjahren auch nach 70 Jahren immer noch gegenwärtig ist.

Das Ausstellungsprojekt umfasst verschiedene Andenken, Alltagsgegenstände, Fotografien, Dokumente und Erinnerungsberichte vom Ende des Zweiten Weltkrieges und aus den Nachkriegsjahren. Unter den weit mehr als 100 Exponaten befinden sich viele Dinge, die für die Leihgeber vor allem einen großen ideellen Wert haben.

Die Ausstellungsstücke sind drei thematischen Bereichen zugeordnet: „Vater ist im Krieg geblieben. Tote des Krieges und der Nachkriegszeit“, „Kälte, Schmerzen, Hunger und kein warmes Bett. Evakuierung und Flucht“ sowie „Jetzt sind wir daran, die Rechnung zu bezahlen. Vertriebene in Görlitz“.

Einige Objekte haben auch einen hohen materiellen Wert, wie etwa der vom Bistum Görlitz zur Verfügung gestellte Bischofsstab von Adolf Kardinal Bertram (1859–1945). Die Gestaltung des Hirtenstabs, rechts im Bild, ist romanischen Vorbildern entlehnt. Die am Knauf dargestellten Schlangen sollen das Böse abwehren, während der Stab in die Mitte führt, wo sich ein Kreuz und darin ein roter Rubin befinden. Nach dem Tode Kardinal Bertrams im Juli 1945 wurde Ferdinand Piontek Kapitelsvikar – das heißt Interimsverwalter des Bistums. s13

Zur Sonderausstellung im Schlesischen Museum zu Görlitz findet ein umfangreiches deutsch-polnisches Vortragsprogramm statt. Die Veranstaltungen werden in Kooperation mit der Kulturreferentin für Schlesien, Miejski Dom Kultury w Zgorzelcu und Meetingpoint Music Messiaen e. V. abgehalten.

Am 9. Januar 2016 ist im Europäischen Zentrum auf dem Stalag-Gelände, Kozlice 1, Zgorzelec, ein Vortrag am historisch-musikalischen Wochenende des Meetingpoint Music Messiaen e. V. anberaumt. Thomas Warkus und Renata Kobylarz-Buło sprechen über das System der deutschen Kriegsgefangenenlager und die Geschichte des Lagers Lamsdorf. Am 27. Januar referiert Dr. Martina Pietsch im Schlesischen Museum zu Görlitz zum Thema „Krieg und Hunger“. Am 25. Februar ist Dr. Jasper von Richthofen zu Gast im SMG. Er spricht über „Kriegsverlust und Beutekunst. Der schwierige Umgang mit kriegsverlagerten Kulturgütern des Kulturhistorischen Museums Görlitz“.

Die Sonderausstellung „Die große Not“ ist in Görlitz bis zum 24. Juli 2016 zu besichtigen.

(KK)

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