Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1268.

Renaissance, wiedergeboren

Neuerschaffung meines Geburtshauses in Elbing

Die denkwürdige Geschichte meines ehemaligen Elternhauses in Elbing/Elblag, nach neuester Forschung aus dem 13. Jahrhundert im gotischen Stil überliefert, macht den sensiblen und klugen Umgang mit der deutschen Geschichte im heutigen Polen sichtbar.

Das stolze Gebäude Schmiedestraße 10/Ulica Kowalska 10, nach den alten Plänen auf dem historischen Fundament erbaut, wurde im Juni 2008 als Hotel Pod Lwem/Hotel Unter dem Löwen in Betrieb genommen. Es trägt in schlichter Würde und Eleganz den Schmuckgiebel im Stil der Renaissance.

Als der schottische Handelsherr Alexander Niesebeth 1585 das gotische Wohnhaus im Stil der Renaissance umgestalten ließ, erhielt die Fassade reiche Dekorationen. Diese wichen bei der vollständigen Restaurierung, die meine früh verwitwete Großmutter Ida Salewski 1925 durchführen ließ, dem strengeren und klaren Stilempfinden des 20. Jahrhunderts. In jenem Haus kam ich 1939 zu Welt.

Dank des Feinsinns und architektonischen Gespürs des Elblager Bauunternehmers und heutigen Eigentümers Ryszard Mytych wurde das Hotel, welches das 1945 völlig zerstörte Wohn- und Geschäftshaus ablöste, zu einem beredten Beispiel polnischer Kunst historischen Bauens. Zur offiziellen Eröffnung am 23. Oktober 2008 erhielt ich eine herzliche Einladung mit der Bitte, Fotomaterial für die Dokumentation und eine kurze Rede vorzubereiten. Die noble Haltung des Bauherrn und seiner Familie wischte alle meine Unsicherheiten hinweg.

In der festlich geschmückten Hotelhalle folgte der Begrüßung durch den Hausherrn Ryszard Mytych ein umfassender Vortrag über die Geschichte des Gebäudes durch den bekannten Historiker der Stadt, Lech Slodownik. Dann wurde ich gebeten, in deutscher Sprache zu den geladenen Gästen zu sprechen, wobei mir Lech Slodownik als Dolmetscher zur Seite stand. Neben den Vertretern der Stadt und des öffentlichen Lebens war auch der Generalvikar und vorherige Probst des Domes St. Nikolai, Dr. Mieczylaw Jozefczyk, zugegen, der den Segen für das Haus sprach. Musiker und Sänger leiteten zum geselligen Teil des Festes über.

Es ist ein Geschenk für beide Seiten, daß wir jetzt den Blick auf die Kontinuität von Menschen und Historie richten und Türen für die Zukunft öffnen. Für das Erinnern an meine Vorfahren auf heimatlichem Boden bin ich meinen neuen Freunden in Elbing/Elblag zutiefst dankbar.

Marie-Luise Salden (KK)

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