Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1316.

Rettungsschirm?

Noch sind die schlesischen Heimatstuben nicht „in der Luft“

Im Rahmen des im Jahre 2010 gestarteten und vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien geförderten Projektes zur „Beratung der Betreiber schlesischer Heimatsammlungen“ fand Ende vergangenen Jahres die nunmehr dritte Tagung im Haus Schlesien von Königswinter-Heisterbacherrott statt. Neben den 35 Teilnehmern wohnten der zweitägigen Veranstaltung auch die Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums für schlesische Landeskunde, Nicola Remig, Präsident Reinhard Blaschke, Manfred Spata, Vorstandsmitglied des Vereins Haus Schlesien, sowie Petra Spandau vom Innenministerium Niedersachsen bei.

Die Projektmitarbeiterin Dorothee Herbert stellte in ihrem Vortrag „Offensive Öffentlichkeitsarbeit und Kontakt zu den Kommunen“ nachahmenswerte Beispiele aus der Praxis vor. Veranstaltungen und werbewirksame Maßnahmen können die Wahrnehmung der Sammlungen in der Öffentlichkeit vergrößern und neue Besuchergruppen anziehen. Auch die Vorträge rund um den Einsatz neuer Medien in den schlesischen Heimatsammlungen weckten die Aufmerksamkeit der Anwesenden. Margarete Polok, Bibliothekarin am Gerhart-Hauptmann-Haus, Düsseldorf, informierte die Tagungsteilnehmer über die Anwendungsmöglichkeiten der Museumssoftware „Adlib“, ein günstiges und einfaches Inventarisierungsprogramm. Leo Schiller, langjähriger Leiter der Heimatstube Patschkau im Stadtmuseum Einbeck, berichtete über den Einsatz verschiedener Techniken wie Video und Hörstation. Die Teilnehmer erhielten viele neue Anregungen und praktische Hilfestellungen für ihre speziellen Anliegen und eventuellen Projekte in den jeweiligen schlesischen Heimatsammlungen.

Weitere Vortragende widmeten sich den wichtigen Themen Rettungsschirm für Heimatsammlungen (Hans-Wolfgang Pietsch, Arbeitskreis Vertriebene in der Oldenburger Landschaft), Leihverträge, Schenkungen und Wertermittlung von Exponaten (Silke Findeisen, Bibliothek und Archiv Haus Schlesien), Übernahme einer Sammlung in das Haus Schlesien am konkreten Beispiel der Riesengebirgsheimatstube Hagen (Dorothee Herbert, Projekt Beratung schlesischer Heimatsammlungen, Haus Schlesien) und grenzenlose Zusammenarbeit: deutsche und polnische Institutionen, Museen und andere kulturelle Partner in Kontakt und Austausch (Dr. des. Maximilian Eiden, Kulturreferent für Schlesien am Schlesischen Museum Görlitz). Auch bei dieser Tagung kamen die rechtlichen Fragen nicht zu kurz. Die Fachanwälte Prof. Dr. Jochen Dieckmann und Klaus Gladischewski präsentierten rechtliche Regelungen, die bei der Übergabe einer Heimatsammlung an Kommunen, Museen oder Archive berücksichtigt werden müssen.

Handreichung zum Projekt

Im Dokumentations- und Informationszentrum für schlesische Landeskunde Haus Schlesien ist im Jahre 2010 eine Projektstelle zur Unterstützung der rund 70 schlesischen Heimatsammlungen eingerichtet worden. Inzwischen haben in Königswinter-Heisterbacherrott drei Tagungen stattgefunden, die den Betreibern der Sammlungen vielfältige Information und Hilfestellung bei der Inventarisierung, Archivierung und Präsentation geboten haben. Vor kurzem ist eine ergänzende Handreichung zur Beratung schlesischer Heimatsammlungen veröffentlicht worden, die wie übrigens auch die Veranstaltungen vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert wurde. Die Betreiber der Heimatsammlungen bekommen mit der Publikation ein Instrument an die Hand, das ihnen hilft, das gesammelte Kulturgut auch weiterhin am jetzigen Standort zu bewahren.

In der 40seitigen illustrierten Broschüre informieren die langjährigen Mitarbeiterinnen von Haus Schlesien, Silke Findeisen und Alexandra Marquetant, die Betreuerinnen und Betreuer der Heimatsammlungen über die sach- und fachgerechte Verwaltung, Bewahrung und Präsentation von Museumsgut. Dorothee Herbert wiederum, die am Haus Schlesien als wissenschaftliche Projektmitarbeiterin in Sachen Heimatsammlungen tätig ist, stellt anhand von praktischen Beispielen Wege vor, wie moderne Formen der Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden können.

Cornelia Eisler, die am Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa in Oldenburg das Projekt zur Dokumentation der Heimatsammlungen in Deutschland bearbeitet, zeigt in der Broschüre den aktuellen Stand der Aktivitäten des Bundesinstituts und der Länder zur Unterstützung der Heimatstuben auf. Daraus wird ersichtlich, daß in einer bundesweiten Datenbank bereits mehr als 500 Heimatsammlungen eingetragen sind und daß im Internet Informationsseiten über Hilfsmaßnahmen bezüglich der Heimatstuben eingerichtet sind. „Die Erhebungen im Rahmen des länderübergreifenden Dokumentationsprojektes haben ergeben, dass es einerseits dringend notwendig ist, museale Unterstützung bereitzuhalten, aber dass andererseits ein Großteil der Bestände in den Heimatstuben archivalischer Art ist und die Erhaltungsmaßnahmen und Regelungen diesbezüglich möglicherweise einer weitaus größeren Aufmerksamkeit bedürfen als die der Musealien.“

Die praktische Orientierungshilfe enthält auch eine Liste mit Adressen von Verbänden und Institutionen, die für die Arbeit der Heimatstubenbetreuer nützlich sein können.

Dieter Göllner (KK)

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