Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1315.

Rheinischer Froh-, schlesischer Tief-, historischer Sinn

Kölner Feierlichkeiten zum Gründungsjubiläum der staatlichen preußischen Universität in Breslau vor 200 Jahren

Der Anblick trügt. Meistens sind die meisten von ihnen unterwegs in Sachen deutschpolnischer Kulturaustausch, etwa Nicola Remig und Stephan Kaiser im Vordergrund der Aufnahme vom Festakt im Neuen Senatssaal der Universität Köln
Bild: der Autor

Zur Delegation der polnischen Universität Breslau, die Anfang Dezember aus Schlesien angereist war, gehörten Professor Dr. Marek Bojarski, der Rektor der Universität Breslau, und Professor Dr. Jan Harasimowicz. Im Rahmen der Feierlichkeiten anläßlich der Gründung der staatlichen preußischen Universität in Breslau vor 200 Jahren hat die Universität zu Köln und die Breslauer Sammlung Köln unter dem Motto „Tradition und Partnerschaft“ ein wissenschaftliches Symposium, einen Empfang im Rathaus der Stadt Köln und einen akademischen Festakt im Neuen Senatssaal der Universität Köln organisiert. Bei dieser Gelegenheit wurden in Vorträgen und Grußworten Meilensteine in der Geschichte der Breslauer Institution hervorgehoben. Ausgangspunkt war das Jahr 1811, als die Universität unter Einbeziehung der alten Leopoldina und der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder durch königliche Kabinettsorder während der Neuformierung des preußischen Staates vereinigt und als Schlesische Friedrich- Wilhelms-Universität zu Breslau neu gegründet wurde. Nach der Eroberung Breslaus durch die Rote Armee wurde 1945 die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau aufgelöst und die bis dahin deutsche Universität sowie die Technische Hochschule Breslau in Hochschulen des polnischen Staates umgewandelt.

Die Universität zu Köln hatte im Jahre 1951 durch Senatsbeschluß eine Patenschaft über die „vertriebene“ Schlesische Friedrich-Wilhelms- Universität in Breslau übernommen. Dieses Patenschaftsverhältnis wurde 2003 in eine europäisch orientierte Partnerschaft mit der polnischen Universität Breslau umgewandelt. Aufgrund der Unterstützung durch die Stadt Köln ist es der Bundesvereinigung der Breslauer e.V. auch heute noch möglich, durch das Patenschaftswerk Köln– Breslau die Breslauer Sammlung Köln der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Breslauer Sammlung ist ein Heimatmuseum, welches an die Geschichte der Odermetropole in Schlesien erinnert und gute Kontakte zu den Historischen Museen der Stadt sowie der polnischen Universität zu Breslau pflegt.

Dem musikalisch umrahmten Festakt in Köln wohnten neben der polnischen Delegation und den Gastgebern – vertreten durch den Altrektor der Universität zu Köln, Professor Dr. Dr. h. c. Tassilo Küpper, Professor Dr. Gerd Meyer, Beauftragter des Senats der Universität zu Köln für die Partnerschaft der Universitäten Wroclaw–Köln, und Hubert A. Wolff, Leiter der Breslauer Sammlung in Köln – auch zahlreiche Persönlichkeiten des kulturellen, politischen und sozialen Lebens bei. Als Ehrengäste sprachen Joachim Kardinal Meisner, die Generalkonsulin der Republik Polen in Köln, Jolanta Roza Kozlowska, und der Staatssekretär im Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, Marc Jan Eumann.

Der gebürtige Breslauer Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, würdigte die traditionsreiche Partnerschaft zwischen den beiden Universitäten, die einmal mehr beweise, daß „wir heute in einem gemeinsamen Haus Europa leben“.

Tobias Körfer von der Breslauer Sammlung bot im Rahmen des Festaktes einen interessanten Vortrag mit dem Titel „Die Geschichte der Traditionspflege der Universität zu Breslau durch die Universität zu Köln ab 1951“. Der junge Historiker hat die Entwicklung der Patenschaft in den Jahrzehnten ihres Bestehens untersucht: „Mein Vortrag, der sich zu einem überwiegenden Teil auf das im Kölner Universitätsarchiv einsehbare Aktenmaterial stützt, möchte einen gedanklichen Anstoß dazu darstellen, aus den Fragestellungen der Traditionspflege vergangener Jahrzehnte zu lernen, damit die seit 2003 bestehende Partnerschaft von Kölner und Breslauer Universität dazu genutzt werden kann, eine Zusammenarbeit deutscher und polnischer Wissenschaftler aus Köln und Breslau zu intensivieren.“ Der Referent stellte am Ende seines Vortrages die rhetorische Frage: „Woraus, wenn nicht auch aus der Bereitschaft, auf einem Stück gemeinsamer Geschichte, und dem Willen, aus der Erinnerung heraus zu handeln, könnte unter anderem zukunftsorientierte wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Köln und Breslau resultieren?“

Ein weiterer Höhepunkt des Festaktes in Köln war die Medaillenverleihung. Der Rektor der Uniwersytet Wroclawski, Professor Dr. Dr. h. c. mult. Marek Bojarski, verlieh gemeinsam mit Professor Dr. Jan Harasimowicz Ehrenmedaillen der Universität, die anläßlich des 200jährigen Jubiläums geprägt wurden. Die Silberne Jubiläumsmedaille – die übrigens bereits am 15. November beim Festakt zum 200. Jubiläum in Breslau an den Staatspräsidenten Bronislaw Komorowski und den Bundespräsidenten Christian Wulff verliehen wurde – erhielt auch Kardinal Meisner. Bronzemedaillen erhielten die Gastgeber sowie mehrere Museums- und Institutionsleiter, die der Breslauer Universität durch vielfältige Aktivitäten schon seit Jahren verbunden sind. Dr. Stephan Kaiser, Direktor des Oberschlesischen Landesmuseums Ratingen, und Nicola Remig, Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums Haus Schlesien Königswinter, gehörten zu den Ausgezeichneten.

Dieter Göllner (KK)

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