Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1280.

Rollenwechsel im Görlitzer Schönhof

Künstlerinnen in Schlesien um 1880 bis 1945

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Kunsthistoriker, Verlage, Galerien und Museen häufig mit dem Leben und Werk von Künstlerinnen befaßt. Man fragte nach spezifisch weiblichen Positionen in der bildenden Kunst und untersuchte aus sozialgeschichtlicher Sicht die gesellschaftliche Rolle der Frauen im Kunstbetrieb. Für zahlreiche Künstlerinnen verschiedener Epochen, Länder und Regionen liegen bereits Untersuchungen und Biographien vor – für Schlesien steht diese Forschung noch am Anfang.

Der 150. Geburtstag der Breslauer Malerin Gertrud Staats (1859–1938) bietet einen guten Anlaß, das erstaunlich breite Leistungsspektrum der Künstlerinnen Schlesiens seit der Jahrhundertwende vorzustellen. Gertrud Staats gehörte zu den wenigen Frauen, die bereits zu Lebzeiten breite Anerkennung für ihr Werk fanden. Die meisten Künstlerinnen erlangten lediglich lokale Beachtung und gerieten schnell in Vergessenheit, trotz ihrer bedeutenden Leistungen auf den Gebieten der freien Kunst (Bildhauerei, Malerei, Graphik), des Kunsthandwerks (Textilkunst, Gebrauchsgraphik, Schriftkunst u. ä.) und der Fotografie. Die Zeit des NS-Regimes, der Krieg und die Vertreibung haben nicht unwesentlich zum Untergang vieler Werke beigetragen. Nach 1945 kannte man nur noch wenige herausragende Namen.

Neben einem Querschnitt durch das bedeutende Œuvre von Gertrud Staats gibt die Ausstellung „Rollenwechsel. Künstlerinnen in Schlesien um 1880 bis 1945" des Schlesischen Museums zu Görlitz bis zum 28. Februar 2010 mit rund 100 Originalwerken, zeitgenössischen Fotos und Archivalien einen Überblick über die Entwicklung in Schlesien. Zugleich erscheint die erste umfassende Publikation zu diesem Thema – die Dissertation der polnischen Kunsthistorikerin Ksenia Stanicka-Brzezicka (Breslau) – in deutschsprachiger Übersetzung. Dieses Werk enthält nicht nur eine erste Darstellung und Einschätzung der Frauenkunst in Schlesien, sondern darüber hinaus eine Auflistung über 570 Namen von Künstlerinnen und Kunststudentinnen mit biographischen Angaben sowie eine umfangreiche Bibliographie.

(KK)

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