Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1307.

Rückständig? Lebendig

Frank Gaudlitz gönnt Menschen in Südosteuropa den zweiten Blick

Die EU hat in den letzten Jahren den Donauraum als historisch gewachsene Einheit wiederentdeckt. Seit 2009 wird an einer „europäischen Donaustrategie“ gearbeitet. Das Land Baden-Württemberg – und hier insbesondere die Stadt Ulm – ist an dem Vorhaben aktiv beteiligt. Mit der Ausstellung „Casa Mare“ (rumänisch für großes Haus, gute Stube) wird ein wichtiger Schritt zur Annäherung an diesen geographischen Raum unternommen. Ulm ist übrigens die erste süddeutsche Stadt, in der die Sonderausstellung gezeigt wird. Es handelt sich um ein Projekt der Koordinierung Ostmittel- und Südosteuropa am Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, das vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie von der Stiftung Kunstfonds Bonn gefördert wurde.

Zu sehen sind Fotografien, die der 1958 in Vetschau/Spreewald geborene Frank Gaudlitz in einer Zeitspanne von rund zwei Jahren während seiner Reisen durch südosteuropäische Länder aufgenommen hat. Im Mittelpunkt stehen Menschen unterschiedlicher Ethnien und Konfessionen, die in ihrer „guten Stube“ für den Fotografen posierten. Wer allerdings Schnappschüsse aus dem Alltagsleben der Bewohner erwartet, wird eines Besseren belehrt. Der Fotograf hat die Menschen aus den multiethnischen Regionen Rumänien und Südwestungarn, aus der Schwäbischen Türkei, Serbien und der Republik Moldau aufgefordert, sich fein „herauszuputzen“ und sich in ihrer privaten Umgebung zu zeigen. Viele wählten als Hintergrund die „gute Stube“, die in der Regel feierlichen Anlässen vorbehalten ist.

Bei einem Rundgang durch die Ausstellung ist festzustellen, daß die jungen und alten Frauen und Männer verschiedenen Bildungs- und Gesellschaftsschichten sowie allen möglichen Berufsgruppen angehören. Auch die Räumlichkeiten sind unterschiedlich dekoriert, je nach den kulturellen Traditionen, die in der Region herrschen. Unter den Porträtierten befinden sich Deutsche, Rumänen, Ungarn, Tataren, Türken und Serben.

Die Fotoschau „Casa Mare“ ist im DZM Ulm noch bis zum 26. Juni 2011 zu besichtigen.

Ausstellungsbegleitend wird eine Lesung mit dem Langenauer Literaturquartett „LaLit“ angeboten, die am 26. April und am 22. Mai in der Ausstellung stattfindet. Unter dem Motto „Mir war, als hätte ich ein verlorenes Paradies entdeckt“, stellen zeitgenössische Autorinnen und Autoren die Eindrücke einer literarischen Reise durch Europas Südosten vor. Sie beschreiben ein „Europa der Andersartigkeit und gleichzeitig der Verlockung, eine scheinbar rückständige und doch so menschliche Welt“.

(KK)

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