Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1275.

Sammlung der Sammlungen

Die Stiftung Schlesische Heimatstuben will eine Anlaufstelle für alle gefährdeten Einrichtungen dieser Art schaffen

Die Heimatvertriebenen schlossen sich nach dem Krieg in Heimatkreisen zusammen, westdeutsche Kommunen übernahmen Patenschaften und halfen, durch Treffen und durch die Gründung von Heimatstuben den Zusammenhalt und das materielle Erbe aus dem Osten zu erhalten. Manche der langjährigen ehrenamtlichen Betreuer dieser kleinen, oft mit wertvollen Gegenständen ausgestatteten Museen sind heute nicht mehr in der Lage, dieses Erbe zu pflegen und zu erhalten. Einige Heimatstuben wurden bereits geschlossen, aufgelöst, die Bestände sind, im günstigsten Fall in Kisten verpackt, in Depots gelagert. Auch bei z. Z. noch guten Beziehungen der Heimatkreise zu ihren Patenstädten ist doch die Zukunft ungewiß. Es gibt kaum eine wirksame Garantie dafür, daß die in die Obhut der Patenstädte übergegangenen Heimatstuben in 50 Jahren noch ordnungsgemäß betreut werden. Dabei ist auch zu erwarten, daß selbst die pflichtbewußtesten Betreuer aus den Patenstädten aus naheliegendem Mangel an Fachwissen nichts anderes mehr tun können als „verwalten". Sie werden kaum in der Lage sein, historisch interessierten Besuchern sachgemäße Auskünfte über die Exponate zu geben.

Trotz dieser trüben Aspekte plädiert Kulturstaatsminister Neumann dafür, die Heimatstuben an ihren derzeitigen Orten zu belassen. Sollten sich Schwierigkeiten ergeben, so seien das Schlesische Museum zu Görlitz, das Haus Schlesien in Königswinter, das Oberschlesische Landesmuseum Ratingen und die Herder-Bibliothek in Herne bereit, Ratschläge zu geben. Im schlimmsten Fall sei eine Übernahme und Einlagerung in ein Depot durch eine der genannten Institutionen möglich.

Da sie in all diesen „Lösungen" keine Zukunft für die Bewahrung der geretteten schlesischen Volkskultur sahen, haben Dr. Gerhard Kaske und drei Liegnitzer Heimatorganisationen, diese vertreten durch Dr. Gerhard Kaske und Sigismund Freiherrn von Zedlitz, die Stiftung Schlesische Heimatstuben beim Regierungspräsidenten in Dresden als Stiftung bürgerlichen Rechts anerkennen lassen. Ihr Ziel ist es, für alle gefährdeten Heimatstuben eine Auffangstelle, ein „Museum Schlesische Heimatstuben" zu schaffen, in dem die z. T. unersetzlichen Werte vor der Entrümpelung, dem Flohmarkt oder auch nur dem Verschwinden in eingelagerten Kisten nachhaltig gerettet werden können.

Eine ganze Reihe von Heimatstuben und schlesischen Privatsammlungen stehen schon bereit, in das zu schaffende Museum überzusiedeln, sobald die Voraussetzungen für eine sachgemäße Aufnahme vorhanden sind. Zur Zeit stehen drei Gebäude zur Disposition, alle im Gebiet der Schlesischen Oberlausitz, wo die Stiftung schon jetzt im schönen Schloß Königshain mit einer vielbeachteten Trachtenausstellung präsent ist und von Frau Möller-Gutjahr vor Ort betreut wird. In diesem Museum, das in keiner Weise zum Schlesischen Museum zu Görlitz in Konkurrenz treten soll und wird, soll die Volkskultur der vielfältigen Teile Schlesiens in seinen Regionen dargestellt werden. Die Bestände der aufzunehmenden Heimatstuben werden das bunte Bild Schlesiens in Form der Alltagskultur, der Trachten und der Bauernhäuser und -höfe zeigen. Selbstverständlich werden ein Archiv und eine Bibliothek eingerichtet, und, auf lange Sicht, mit einer stilvollen Bewirtschaftung die Möglichkeit für Tagungen und Feiern geschaffen werden.

Die Initiatoren haben sich viel vorgenommen und brauchen Hilfe. Im Rahmen des Deutschlandtreffens der Schlesier in Hannover wird ein Verein der Freunde und Förderer gegründet werden: Sonnabend, den 27. Juni, 16 Uhr, Raum Budapest, Halle 2, Gallerie. Sie laden alle, denen die Erhaltung der schlesischen Volkskultur ein Anliegen ist, ein, sich als künftiges Mitglied zu melden bei Sigismund Freiherrn von Zedlitz, Oehlertring 53, 12169 Berlin, und/oder eine steuerbegünstigte Spende zu überweisen auf das Konto 310 002 7441, Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, BLZ 850 501 00.

(KK)

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