Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1245.

Sicht und Durchsicht

Böhmische Tradition mit europäischer Dimension in Rheinbach

Die Gewinner des diesjährigen internationalen Wettbewerbs um den Rheinbacher Glaskunstpreis wurden im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung im Beisein des Schirmherrn Michael Breuer MdL, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Nordrhein-Westfalen, bekanntgegeben.

43 junge Nachwuchskünstler von neun Glasfachschulen aus fünf europäischen Ländern wetteiferten nunmehr zum vierten Mal um die begehrten Preise. Die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler von den Glasfachschulen Rheinbach, Hadamar und Zwiesel (Deutschland), Vannes-le-Châtel und Yzeure (Frankreich), Kamenicky Senov und Novy Bor (Tschechien), Kramsach (Österreich) und Dabrowa Gornicza (Polen) waren drei Monate lang im Rheinbacher Glaspavillon ausgestellt.

Die Veranstalter haben die Verschiedenheit der eingereichten Werke genutzt und eine komplexe Ausstellung eingerichtet – natürlich bei strikter Wahrung der Chancengleichheit aller Objekte. Herauskristallisiert haben sich Themenblocks wie „Märchen und Poesie“, „Menschen und Körper“ sowie „Schrift und Zeichensysteme“. Die gestalterischen Potentiale von Schrift, Texten oder Zeichensystemen in Verbindung mit Flachglas waren in der Multimedia-Installation „Herzschlag“ von Erika Angerer, in Jana Ochs’ monumental wirkender „Lochkarte“ mit einem versteckten Liebesgedicht oder in Jochen Otts aufgeschlagenem „Buch“ mit zwei Seiten aus Franz Kafkas „Verwandlung“ zu erkennen.

Breitgefächert war auch die Vielfalt der angewandten Techniken sowie das Spektrum der Exponate, das vom skulptural aufgefaßten Gebrauchsgegenstand bis zur autonomen Glasskulptur reichte.

Mit dem ersten Preis wurden die „Hände“ von Vojtech Starosta aus der Glasfachschule Kamenicky Senov ausgezeichnet. Zu sehen sind zwei farblose Hände, die eine leicht kippende blaue Halbkugel halten. Der junge Künstler nutzte die Transparenz des Glases und verknüpfte die Sprache des Materials mit einer inhaltlichen Aussage.

Der zweite Preisträger, Konstantin Zeitvogel von der Glasfachschule Hadamar, hat mit der abstrakten Gestaltung eines Glasfensters beeindruckt. Er kombinierte Glasmalerei und Fusing, so daß sich die zweidimensionale Fläche in ein Relief verwandelt.

Den dritten Preis erhielt das multimediale Klangobjekt „Herzschlag“ von Erika Angerer aus der Glasfachschule Kramsach. An den vier Seiten des Glaskastens taucht der Kopf eines Kleinkindes auf, aus dem Inneren ragt ein lampengeblasenes, signalrotes Herz. Herzschlag, Glockenläuten, Gluckslaute und Wehklagen des Babys verweben sich mit der bildlichen Darstellung.

Der Publikumspreis „Alexandra Bruns“ wurde zu gleichen Teilen an eine Glasplastik von Gerhard Hochmuth und Hilmar Zschiedrich aus Kramsach sowie an die „Lochkarte“ von Jana Ochs aus Rheinbach verliehen, während das Exponat „Hände“ von Vojtech Starosta auf den dritten Platz kam.

Dieter Göllner (KK)

«

»