Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1282.

Siebenbürgen, Land der Fragen

Das Haus des Deutsche Ostens bot vielen bayerischen, polnischen und rumänischen Schülern Anlaß zu kreativem Kopfzerbrechen

„Europa im Karpatenbogen" lautete der Leitgedanke zum aktuellen Schülerwettbewerb „Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn" in Bayern. Die bayerischen Schülerinnen und Schüler waren beim Wettbewerb dazu aufgerufen, in vier Altersstufen ihr Wissen über einen Teil Europas zu testen, der vielen bisher noch fremd war – und den zu entdecken sich lohnt. Nicht zuletzt die Wahl Hermannstadts zur Kulturhauptstadt Europas 2007 hat den Blick der übrigen Europäer auf das „Land jenseits der Wälder" (Transsilvanien) gelenkt.

Viele Siebenbürger Sachsen leben heute auch in Bayern. Sie haben ihre Kultur mitgebracht und damit Bayern bereichert. Diese Menschen haben interessante Biographien zu erzählen und sind Zeitzeugen historischer Ereignisse.

Gut drei Monate hatten die Schülerinnen und Schüler Zeit, die Fragen zu beantworten oder sich in eigenen Kreativwettbewerben näher mit der Thematik zu beschäftigen; mittels fächerübergreifender Projekte, die die Bereiche Kunst, Literatur und Musik einschlossen.

Zu einem dreitägigen Programm mit Besichtigungen, Konzerten, Präsentationen und erlebnisreichen Veranstaltungen waren die preiswürdigen Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern nach Dinkelsbühl eingeladen, in die Patenstadt der Siebenbürger Sachsen, die gleichzeitig Partnerstadt von Schäßburg/Sighisoara ist. Höhepunkt der sonnigen Tage zum Ende des bayerischen Schuljahres waren die Präsentationen der Wettbewerbsbeiträge durch die Schüler selbst und die Siegerehrung im Schrannensaal.

16 371 Schülerinnen und Schüler aus bayerischen sowie rumänischen und polnischen Schulen haben sich an dem Fragebogenwettbewerb beteiligt. 5515 konnten den Fragebogen richtig lösen. 1064 bayerische Schülerinnen und Schüler nahmen in 62 verschiedenen Projekten an dem Wettbewerb teil. Außerdem beteiligten sich knapp 388 Schülerinnen und Schüler aus Schulen in Polen und Rumänien in 32 Projekten daran. Hinter diesen nüchternen Zahlen verbirgt sich weit mehr – und in zahlreichen Zuschriften wurde dies äußerst treffend zum Ausdruck gebracht: „Eine wunderbare Sache, Schüler zu motivieren, sich für ihre östlichen Nachbarn zu interessieren!"

Dr. Ortfried Kotzian, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens München, das für die ausländischen Teilnehmer verantwortlich zeichnete, betonte in seiner festlichen Rede zu Recht: „Der Schülerwettbewerb ‚Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn‘ des bayerischen Kultusministeriums ist ein ausgesprochener Glücksfall! Er ist für Bayern und seine Rolle in Deutschland und Europa von äußerster Wichtigkeit, um die geographische und politische Mittellage zu repräsentieren. Er trifft den ‚Nerv‘ der jungen Generation, sich mit den weniger bekannten Regionen Europas und ihrer deutschen Kultur zu beschäftigen, und er beweist, daß deutsche Kultur im Osten Europas jung, dynamisch, interessant und attraktiv dargestellt werden kann." Dr. Kotzian erläuterte den Zusammenhang zwischen dem Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München und der Teilnahme ausländischer Schüler und Schulen am bayerischen Wettbewerb. 20 Jahre nach dem Zerfall des Kommunismus, fünf Jahre nach der EU-Osterweiterung und zweieinhalb Jahre nach dem Beitritt Rumäniens und Bulgariens zur Europäischen Union müsse man ernüchtert feststellen: Die deutsche Politik, das deutsche Kultur- und Gesellschaftsleben, das deutsche Reiseverhalten, das deutsche Medieninteresse, alles ist weiterhin westorientiert bzw. auf die westlichen Länder Europas und der Welt ausgerichtet. Um so wichtiger und notwendiger sei der alle zwei Jahre stattfindende Schülerwettbewerb des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus.

Seit sechs Jahren nehmen an dem Wettbewerb „Schulen mit verstärktem Deutschunterricht" im Ausland teil. Die Publiczna Szkola Podstawowa w Piotrówce, die Grundschule in Petersgrätz/Oberschlesien, beteiligte sich durch Vermittlung von Dieter Utikal als erste ausländische Schule am Wettbewerb „Böhmen und mähr…" 2004/05. Beim Thema „Auf der Suche nach dem Schlesischen Himmelreich" 2006/07 waren es 720 Schüler aus Oberschlesien und 20 Projektbeiträge beim Kreativwettbewerb. In diesem Jahr beteiligten sich zu „Europa im Karpatenbogen" aus Rumänien und Polen 1682 Schülerinnen und Schüler beim Fragebogenwettbewerb, und es wurden je 16 Projekte aus Polen und Rumänien beim Kreativwettbewerb eingesandt.

An einem bayerischen Schülerwettbewerb beteiligten sich zu einem rumänischen Thema etwa 900 Schülerinnen und Schüler aus Polen. Das ist die eigentliche Sensation, und das ist der Erfolg dieses Schülerwettbewerbs. Die rumänische und die polnische Fahne begrüßten die Gäste aus diesen Ländern zu Recht vor der Schranne in Dinkelsbühl. Die Preisträger erhielten ihre Preise aus der Hand von Dr. Horst Kühnel, dem Vorsitzenden des Fördervereins des Hauses des Deutschen Ostens, der als Stifter der Preisgelder für die Gewinner der ausländischen Schulen auftrat. Das Haus des Deutschen Ostens München wird in seinem Jubiläumsjahr 2010 einige der bayerischen Preisträger einladen und sie im Veranstaltungsprogramm präsentieren, um die Nachhaltigkeit des Wettbewerbs zu unterstreichen.

(KK)

«

»