Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1326.

Tiefschürfend nicht nur in Schlesien

Bergbau-Geschichte im Oberschlesischen Landesmuseum Ratingen

Das Oberschlesische Blasorchester schuf mit der Aufführung des Marsches „Glück auf! Der Steiger kommt“ den passenden Rahmen für die Eröffnungsveranstaltung der neuen Sonderausstellung „Von Leistung, Leid und Leidenschaft. Bergbau-Geschichten nicht nur aus Schlesien“ im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel. Den rund 150 Gästen – darunter ehemalige Bergleute sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens von dies- und jenseits der Grenzen – präsentierten der Museumsdirektor Dr. Stephan Kaiser und der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Haus Oberschlesien, Paul Schläger, Inhalte, Struktur und Höhepunkte der Schau. Aufgezeigt wurden auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Industriekultur in Oberschlesien und im Ruhrgebiet.

So wie seinerzeit der Bergmann bei Schichtbeginn eine Marke mit seiner Personalnummer vom Brett nahm und diese beim Verlassen der Zeche wieder zurückgab, können sich auch die Besucher der neuen Sonderausstellung mit einer Marke bedienen. Der Rundgang durch die „Bergbau-Geschichten“ beginnt mit der Präsentation der „Schlesischen Kostbarkeiten“, zu denen u. a. Kohle, Erze, Sande, Tone, Schmuck- und Naturbausteine gehören. Anhand von Infotafeln, Landkarten und Gesteinsproben werden die Merkmale des Schwarzen Goldes und des Weißen Goldes vorgestellt, wobei die prägende Wirkung des Abbaus der Bodenschätze auf  Landschaft, Wirtschaft und Einwohner Schlesiens veranschaulicht wird. Die steigende Nachfrage nach Energie und Rohstoffen rückte den Montansektor immer mehr in den Fokus von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Gesellschaft.

Der Betrachter wird mit Hilfe eines Zeitstrahls durch die verschiedenen Abteilungen geleitet. So führt der Weg von den Anfängen des Bergbaus in Schlesien über die preußische Zeit ins moderne Industriezeitalter bis hin zu dem noch lange nicht  abgeschlossenen Strukturwandel.

Eine Fülle von Objekten und Dokumenten sowie historische und aktuelle Fotografien rund um das technische Know-how, wichtige Hütten und Gruben, bedeutende Bergbaupioniere, Industriemagnaten und Direktoren sind anschaulich in Szene gesetzt. Sammlungsgegenstände zum Anfassen, Zeitzeugengespräche und multimediale Elemente verbinden die Vergangenheit mit der Gegenwart und vermitteln Einblicke in die Welt der Bergleute.

Im Mittelpunkt der Schau stehen die Beziehungen der Menschen zum Bergbau. Zum einen sind es Unternehmer wie Karl Godulla und Franz Graf von Ballestrem sowie königliche Bergbeamte wie Friedrich Wilhelm Graf von Reden und Rudolf von Carnall, die für Dynamik und Innovationen sorgten. Zum anderen sind es die Kumpel, die mit schweren Arbeitsbedingungen, sozialer Ungerechtigkeit und nicht zuletzt mit Grubenunglücken und Streikaktionen zurechtkommen mußten. Die schwierigen Lebensbedingungen der Kumpel sind an den Wohnstätten, Kunstwerken und Traditionen zu erkennen.

Auch heute noch wird die montanindustrielle Vergangenheit in Liedern, naiven Malereien und religiösen Themen lebendig gehalten. In der Ausstellung sind einige Referenzbeispiele zu sehen.

Das Projekt der Bergbau-Ausstellung wurde weitgehend von Christine Pleus und Jitka Hrickova realisiert. Auch wenn die beiden jungen Mitarbeiterinnen des Oberschlesischen Landesmuseums nur zum Teil über persönliche Bezüge zu Bergmannfamilien und deren Leben verfügen, haben sie dank der Unterstützung deutscher, polnischer und tschechischer Partnerinstitutionen eine facettenreiche Präsentation zusammengestellt. Besonders lag ihnen der Arbeitsalltag der Kumpel unter Tage am Herzen. In einer eigenen Abteilung wird ein Arbeitstag im Leben eines Bergmannes mit sämtlichen Abläufen unter- und übertage, charakteristischen Werkzeugen, Kleidungsstücken und anderen Bergbaurealien dargestellt. Die aktuellen Farbbilder des tschechischen Industriefotografen Boris Renner werden den historischen Schwarzweißaufnahmen gegenübergestellt.

Zu den wichtigsten Leihgebern gehören die Bergbautraditionsstube Knurow, das Kohlenbergbaumuseum Hindenburg/Zabrze, das Archäologische Institut und das Schlesische Museum Troppau/Opava sowie das Deutsche Bergbaumuseum Bochum und die RAG Deutsche Steinkohle AG (Bergwerk West, Kamp-Lintfort). Das Projekt ist Bestandteil des Arbeitsprogramms 2012 im Rahmen der Gemeinsamen Erklärung zur Partnerschaft von Nordrhein-Westfalen und Schlesien.

Die große Sonderausstellung „Von Leistung, Leid und Leidenschaft. Bergbau-Geschichten nicht nur aus Schlesien” ist im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen Hösel bis zum 7. April 2013 zu besichtigen. Ein Höhepunkt der Begleitveranstaltungen ist die traditionelle Barbarafeier am 4. Dezember, die durch die Einweihung eines Bergbaudenkmals auf dem Gelände des Museums ergänzt wird.

Dieter Göllner (KK)

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