Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1339.

Tönernes Dach, goldener Boden

Handwerkliche deutsch-polnische Zusammenarbeit in Lauban

Tönernes-DachCezary Królewicz hat es bis zum Festgottesdienst am 17. November 2013 kaum erwarten können, allen zu danken, die die Instandsetzung des Schiffdachs der ehemaligen Frauenkirche, heute evangelische Jungfrau-Maria-Kirche, in Lauban möglich gemacht haben. Mit großer Freude blickt der junge polnische Pfarrer der Evangelisch- Augsburgischen Kirchengemeinde Lauban, der auch in der Georgskapelle der Görlitzer Peterskirche regelmäßig Gottesdienste für die protestantischen Gläubigen aus Zgorzelec abhält, auf ein polnisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt der besonderen Art zur Erhaltung der älteren Schwester der Görlitzer Frauenkirche.

Die Liste der Förderer und Spender hat eine beeindruckende Länge. Angeführt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der über die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz in Görlitz Mittel bereitgestellt hat, folgen die Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche Deutschland, Erika-Simon-Stiftung (Rinteln), Johann Heermann Stiftung (Stiftung für das evangelische Schlesien, Schwäbisch Gmünd), Gustav-Adolf-Werk, Gemeinschaft evangelischer Schlesier e. V., Stadt Hildesheim, Partnerkirchengemeinde Schleife, Evangelischer Kirchenkreis Niederschlesische Oberlausitz, Kirchenkreisverband Sächsische Oberlausitz und auf polnischer Seite Marschallamt, Stadt Luban und Evangelisch-Augsburgische Kirchengemeinde Luban. Dazu kommen private Einzelspender aus Deutschland.

Allein hätte es die kleine Laubaner Gemeinde mit ihren 120 Mitgliedern nicht geschafft, sagt Królewicz, der sich drei Jahre lang mühte, um die Finanzierung zustande zu bringen. Große Unterstützung erhielt der Pfarrer von Margit Kempgen, die in Görlitz die Evangelische Kulturstiftung Görlitz leitet und als Oberkonsistorialrätin a. D. bauerfahren und besonders gut vernetzt ist. Kempgen stellte nicht nur die Verbindung zur Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz her, die die Bundesregierung als Zuwendungsgeber mitbrachte und deren besonderes Augenmerk der fachgerechten Ausführung ihrer Instandsetzungsprojekte gilt, sondern akquirierte weitere Zuwendungsgeber und half Pfarrer Królewicz bei dem vielen Papierkram, den er als Antragsteller für die deutsche Seite zu erledigen hatte, und darüber hinaus immer wieder bei der Organisation der Baumaßnahme. Besonders zu erwähnen ist sodann der Präsident des Schlesischen Kirchentags der Gemeinschaft evangelischer Schlesier e. V., Landespfarrer a. D. Dr. Hans-Ulrich Minke. Er hat zahlreiche Spenden für das Dachinstandsetzungsprojekt gesammelt und konnte den Architekten Focke Gerdsen, der viele Jahre als Kirchenoberbaurat tätig war und wie er in Oldenburg zuhause ist, als versierten fachlichen Koordinator, wie er von der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz gefordert wird, für die Maßnahme gewinnen.

Von den sieben mittelalterlichen Kirchen, die es einst in dem im Zweiten Weltkrieg so katastrophal zerstörten Lauban gab, steht nur noch die spätgotische ehemalige Frauenkirche.

Sie entstand anstelle eines wahrscheinlich in den Hussitenkriegen zerstörten Vorgängerbaues ab 1452 wesentlich größer neu als Begräbniskirche (die Görlitzer Frauenkirche wurde ab 1459 in ihrer heutigen Form errichtet und hatte bekanntlich ebenfalls einen kleinen Vorgängerbau). Von 1654 bis 1818 predigten Berthelsdorfer Pfarrer in der von einem aufgelassenen Friedhof mit noch vorhandenen alten Grabsteinen umgebenen Laubaner Frauenkirche. 1683 zerstörte ein Blitz die Hälfte des Turms und des Kirchendachs. 1732 wurde im Schiff ein Holzgewölbe eingezogen, das bei der Verlängerung des Baues 1887 durch ein massives Gewölbe mit Kreuzbogen ersetzt wurde. Die Ausstattung des Langhauses ist neugotisch mit Emporen an drei Seiten. Ältester und wertvollster Teil der ehemaligen Frauenkirche ist der polygonale Chor mit Kreuzrippengewölbe und Steinkonsolen. Am Chor nordseitig angebaut ist der Kirchturm mit oktogonalem Aufsatz.

Zuletzt war das Langhausdach des Putzbaues so marode, dass Ziegel herunterfielen und im Umgriff des wertvollen Baudenkmals Gefahr für Leib und Leben bestand, was dessen Sperrung zur Folge hatte.

Mit Kosten von etwas über 100 000 Euro wurde dieses Jahr der Dachstuhl repariert und das Dach neu eingedeckt. Die dunkel engobierten Tonbiber von der Firma Wienerberger reichen hinsichtlich Format, Schnitt und Farbigkeit nahe an den nicht mehr hergestellten Bestandziegel heran.

Die schadhafte historische Bekrönung der Dachgaupen in Spritzguss konnte mit Hilfe des Görlitzer Fortbildungszentrums für Handwerk und Denkmalpflege originalgetreu wiederhergestellt werden. Mit dem neugedeckten Satteldach gewinnt das äußere Erscheinungsbild der Laubaner Frauenkirche enorm dazu.

Der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz ist es wichtig, die Arbeiten an das polnische Bauhandwerk zu vergeben, um dieses zu stärken und deutsch-polnische Verständigung auf dem Gebiet der Denkmalpflege zu praktizieren, so auch in Lauban. Ausgeführt hat die Arbeiten die Baufirma Ludwig Podlacki aus Wojcieszów (Kauffung) in der Woiwodschaft Niederschlesien. Die Gaupenbekrönung war nur in Deutschland problemlos herstellbar und wurde von der Firma Paul Lorenz in Chemnitz-Grüna spezialgefertigt. Planung und Bauleitung des Dachinstandsetzungsprojekts lagen in den Händen des Laubaner Bauingenieurbüros Ałykow.

Pfarrer Królewicz ist von seinem ersten großen Bauprojekt so begeistert, dass er am liebsten schon bald den durch eine neuzeitliche monochrome Farbgebung spröde wirkenden neugotischen Innenraum der ehemaligen Frauenkirche einer denkmalgerechten Aufwertung zuführen möchte. Eine große finanzielle Sache wäre eine solche Maßnahme sicherlich nicht.

Peter Schabe (KK)

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