Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1276.

Transparenter Kosmos

Das Glasmuseum Rheinbach bietet Einblick – Durchblick – in die Geheimnisse von Künstlern, die diesen Werkstoff zum Leuchten bringen

In einem Gespräch mit KK-Mitarbeiter Dieter Göllner bot die Leiterin des Rheinbacher Glasmuseums, Dr. Ruth Fabritius, erste Einblicke in die Neukonzeption der Institution.

D.G.: Das Glasmuseum Rheinbach hat 2008 seinen 40. Geburtstag gefeiert. Seit wann sind Sie dabei, und welches waren die bedeutendsten Ereignisse?

R.F.: Seit 1990, als ich meine Tätigkeit im Glasmuseum Rheinbach aufgenommen habe, wurde das Haus kontinuierlich ausgebaut. Ein Meilenstein war das Jahr 1992, als dank der Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen der zweite Bauabschnitt des Himmeroder Hofes seiner Bestimmung übergeben wurde. Mit einer intensiven Tätigkeit von vier bis sechs Ausstellungen pro Jahr haben wir versucht, das Museum regional und überregional bekannt zu machen. Das Ausstellungsprogramm widmete sich vor allem der Förderung junger Glaskünstler aus Deutschland und Europa, behandelte aber auch historische Themen wie böhmischer Glastradition, Hinterglasmalerei aus Siebenbürgen, Rekonstruktion antiker Gläser u.ä.

Vor kurzem wurde der neue Museumsshop eröffnet. Ist dies der Anfang einer strukturellen und inhaltlichen Erneuerung?

Strukturell muß man eigentlich schon etwas früher ansetzen, nämlich bei der Einrichtung der „Offenen Museumswerkstatt" im Herbst 2006. Die Einweihung des umgestalteten Eingangsbereichs mit Museumsshop im November 2008 war eine erste Umsetzungsetappe des „Masterplans" zur Neukonzeption des Hauses und gleichzeitig ein weiterer Schritt hin zu mehr Kundenorientierung und Modernität.

Was können Sie bereits jetzt über die perspektivischen Vorhaben verraten?

Geplant ist unter anderem, daß neben dem bisherigen Sammlungsschwerpunkt, der das böhmische Glas in den Mittelpunkt stellte, im sogenannten „Glaskosmos" der Werkstoff in seiner Vielfalt und Schönheit mit allen Sinnen begreifbar und erlebbar gemacht werden soll.

Finden dabei auch grenzüberschreitende Projekte ihren Platz?

Der Dialog über die Grenzen hinweg wird auch innerhalb der Neupositionierung seinen Platz finden bzw. beibehalten. Durch die Wurzeln des Rheinbacher Glases im nordböhmischen Steinschönau ist die Zusammenarbeit mit dem heute tschechischen Kamenický Senov gewissermaßen programmiert.

Eines der resonanzstarken Ereignisse ist der jährliche Glaskunstpreis. Wird der Wettbewerb fortgeführt?

Der Internationale Rheinbacher Glaskunstpreis soll auch in Zukunft alle zwei Jahre als Nachwuchsförderpreis verliehen werden. Er richtet sich an die deutschen und europäischen Glasfachschulen. Für 2009 haben sich elf Schulen angemeldet – so viele waren es noch nie.

Ist der Verein der Freunde edlen Glases an der Neugestaltung des Museums aktiv beteiligt?

Trotz allgemeiner konjunktureller Schwierigkeiten schafft es der Förderverein immer wieder, die Museumssammlung mit wertvollen Neuzugängen zu ergänzen, sei es durch Stiftungen seiner Mitglieder, sei es durch gezielte Ankäufe. Während der gesamten Phase der Neupositionierung brachte und bringt der Förderverein seine „Glaskompetenz" in vielerlei Hinsicht ein.

Auch wenn das Jahr 2009 bereits hinsichtlich Museumserneuerung voller Herausforderungen steckt: Was möchten Sie persönlich, als Forschungsarbeit, anpacken bzw. weiterführen?

Ja, wenn ich Zeit hätte, würde ich mich mit unserer umfangreichen Sammlung von Vedutengläsern beschäftigen. Die 700 Gläser mit landschaftlichen und architektonischen Sehenswürdigkeiten aus dem 19. Jahrhundert sind eine äußerst interessante kulturhistorische und kunstgeschichtliche Fundgrube.

(KK)

«

»