Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1402.

Trockengefallen

„Im Fluss der Zeit. Jüdisches Leben an der Oder“ in Greifswald

Die schöne Kargheit und hohe Würde des Alltags
Bild aus der Ausstellung

Im Pommerschen Landesmuseum Greifswald wurde die deutsch-polnische Wanderausstellung des Deutschen Kulturforums östliches Europa Potsdam unter dem Motto „Im Fluss der Zeit / Z biegiem rzeki. Jüdisches Leben an der Oder“ eröffnet. Bei der Vernissage führten die Kuratorinnen Dr. Magdalena Abraham-Diefenbach und Dr. Magdalena Gebala mit Vorträgen in die Thematik ein und begleiteten die Besucher durch die Ausstellung.

Das Ziel der Präsentation ist, das jüdische Leben entlang der Oder von seinen Anfängen bis heute vorzustellen. Die Ausstellung widmet sich Momenten der jüdischen Geschichte beiderseits der Oder. Sie will zum Nachdenken und zum Gespräch zwischen den ehemaligen und den heutigen Bewohnern der Region anregen. Sie gilt auch als Einladung zur Neuentdeckung des deutsch-polnisch-jüdischen Kulturerbes.

Die Landschaft an der Oder mit ihren wechselnden herrschaftlichen und nationalen Zugehörigkeiten war über Jahrhunderte ein Begegnungsraum. Hier kreuzten sich auch die deutsch-jüdische und die polnisch-jüdische Kultur. Seit dem 19. Jahrhundert war ein kultureller und wirtschaftlicher Aufschwung festzustellen, der aus Städten wie Breslau ein Zentrum der Kunst und Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft machte.

In der Neuzeit bedrohte der Nationalismus, gepaart mit dem Antisemitismus, diese kulturelle Vielfalt an Oder, Obra und Warthe. Der Nationalsozialismus zerstörte sie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weite Abschnitte der Oder zur deutsch-polnischen Grenze und die deutsche Bevölkerung aus den Regionen östlich des Flusses vertrieben.

Polen fanden hier eine neue Heimat, und für kurze Zeit schien es, dass in Niederschlesien und Pommern jüdisches Leben heimisch werden könnte. Mehrere Zehntausend polnisch-jüdische Überlebende des Holocaust siedelten sich hier an, aber die meisten wanderten bis Ende der 1960er Jahre wieder aus.

Die Wanderausstellung besteht aus 20 freistehenden Tafeln und kann kostenlos ausgeliehen werden. Die Ausstellungstermine koordiniert das Deutsche Kulturforum östliches Europa. Weitere Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung, die bis zum 28. April zu sehen ist, waren der Vortrag von Professor Dr. Jörg Hackmann (Stettin/Greifswald) über „Die deutsch-jüdische Geschichte Stettins. Eine Spurensuche“ und der Beitrag „Die jüdischen Kaufmannsfamilien in Stralsund“ von Nadine Garling (Stralsund).

(KK)

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