Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1265.

Tröstliche Ikonographie des trostlosen Alltags

Die russische Malerin Ekaterina Yastrebova in Köln

Durch seine kirchliche Malerei, insbesondere die Ikone, sicherte sich Rußland einen bedeutenden Platz in der europäischen Kunstgeschichte. Ein Beitrag zur weltlichen Kunst wurde von den russischen Künstlern erst später geleistet. Die Verbindungen zur Reichshauptstadt Berlin, der einstigen europäischen Kunstmetropole, waren dabei besonders fruchtbar. Während des Naziregimes und des Krieges erloschen die Beziehungen. Und nach der Teilung blickte man in Deutschland mehr nach dem Westen, zumal nach Übersee. Die Kunst und Kultur Osteuropas schien vergessen.

In Köln gab es immerhin noch die Galerie der Antonina Gmurzynska, die sich mit ihren Ausstellungen für russische Maler einsetzte. Genannt seien „Kasimir Malewitsch – zum 100. Geburtstag“ (1978), „Künstlerinnen der russischen Avantgarde“ (1980), „Von der Malerei zum Design – Russische konstruktivistische Kunst der zwanziger Jahre“ (1981), „Malewitsch und die Suprematisten“ (1992). Mit dem Tode der rührigen Galeristin war dann diese Quelle deutsch-russischer Beziehungen versiegt.

In Köln gibt es nun allerdings noch die Inter Art Galerie Reich, in der neben Werken deutscher Künstler ab und zu auch Kunst aus Osteuropa geboten wird. Selten, aber immerhin werden auch russische Malerinnen und Maler gezeigt, gegenwärtig Gemälde von Ekaterina Yastrebova. Sie ist 1965 in Moskau geboren, wo sie als freie Künstlerin lebt.

In seiner Galerie hat Herbert Reich den Bildern der russischen Malerin Skulpturen von E.A.Langenberg gegenübergestellt. Die Ausstellungsbesucher sollen an den Exponaten nicht nur Freude haben, sondern können sich sogar zu Vergleichen animieren lassen. Was die Thematik betrifft, sind beide Künstler ge-
genständlich, figurativ. Landschaften kann naturgemäß nur die Malerei der Ekaterina Yastrebova bieten.

Die Künstlerin sieht sich in ihrer Umgebung um, beobachtet Landsleute, die aus ihrem Elend herauskommen möchten und ihren Träumen von einem schöneren Leben, von Dingen, die sie sich niemals werden leisten können, nachhängen. Die Beherrschung der Technik ist bei der Malerin nahezu vollkommen. Nach Zeiten, in denen in der modernen Kunst wenig Wert auf gediegenes Handwerk gelegt wurde, fällt das besonders auf. Unser Titelbild bezeugt es. E. A. Langenbergs Arbeiten sind keine Vollplastiken. Sie erwecken den Eindruck, als seien flächige, gezeichnete Entwürfe in Bronze in den dreidimensionalen Raum übertragen worden.

In diesem Jahr erschien in Moskau eine Monographie Ekaterina Yastrebovas in russischer und englischer Sprache, an der Herbert Reich sich beteiligt hat. Der repräsentative Band liegt zum Preis von 20 Euro in der Ausstellung aus und könnte weitere Auftritte der Künstlerin in Deutschland begleiten. Es ist an der Zeit, daß sich die Blicke wieder einmal nach Rußland richten.

Günther Ott (KK)

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