Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1376.

Über Grenzen hinaus, auch die der Disziplinen

Die Museen ostmitteleuropäischer Observanz fächern ihr Angebot nicht nur thematisch breit auf

Trautes Heim in untrauter Heimat: Stjepan Seder aus Karlowitz in seinem Museum, fotografiert von Dragoljub Zamurovic – Bilder: Museen/Autor

Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm
In der Sonderausstellung des Donauschwäbischen Zentralmuseums, Ulm, sind fotografische Momentaufnahmen von Dragoljub Zamurovic zu sehen. Der serbische Fotograf zeigt eine Auswahl seiner Bilder, die er während seiner Reisen durch Rumänien, Ungarn, Kroatien und Serbien in den Jahren 2015 und 2016 geschossen hat. Er begab sich auf Spurensuche, um festzustellen, wie die dort verbliebenen Donauschwaben heute leben.

Wie es zur Entstehung der Dokumentation kam, schildert Zamurovic wie folgt: „Als ich vor einigen Jahren an meinem Buch über die serbische Region Vojvodina arbeitete, besuchte ich den Ort Knicanin. Zum ersten Mal in meinem Leben erfuhr ich von den Donauschwaben. Das hat mich derart berührt, dass die Idee zu einer Fotostory über die deutsche Minderheit entstand.“ Die Bilddokumentation umfasst sechzig Biografien von Menschen, die der Fotograf zwischen Budapest und Belgrad angetroffen hat. Das Donauschwäbische Zentralmuseum führte mit den Porträtierten Kurzinterviews, die in der Ausstellung zusammen mit den Aufnahmen präsentiert werden. So erhält der Betrachter authentische Einblicke in den Alltag der Menschen.

Zu sehen sind Persönlichkeiten aus verschiedenen sozialen Schichten, darunter die Schauspielerin Anita Schmidt aus Essegg/Osijek, Kroatien, die Pilotin und Managerin Andreea Kremm aus Temeswar/Timisoara, Rumänien, der Orgelbauer Attila Budavári aus Fünfkirchen/Pécs, Ungarn, sowie der Sammler Boris Mašic Apatin aus Serbien und Stjepan Seder aus Karlowitz/Sremski Karlovci, Serbien. Letzterer ist übrigens als Initiator des beliebten Gugelhopf-Festivals und als Herausgeber der einzigen deutschsprachigen Zeitschrift Serbiens mit dem symbolischen Titel „Das Fenster“ bekannt. Stjepan Seder hat den Fotografen in seinem Heimatmuseum empfangen, dem einzigen noch erhaltenen Kolonistenhaus in Karlowitz.

Der 1947 in Niš (Serbien) geborene Dragoljub Zamurovic lebt als freier Fotograf in Belgrad. Seit 1988 publizierte er in Kooperation mit der französischen Bildagentur Gamma seine Arbeiten unter dem Pseudonym Art Zamur in internationalen Magazinen. Zamurovicveröffentlichte 14 Fotobücher über Landschaften, Städte und Länder Südosteuropas und über das Volk der Roma. Er ist für seine Landschaftsfotografie bekannt, die er aus der Vogelperspektive mit einem Ballon oder einem Leichtflugzeug aufnahm.

Im Verlag Klemm + Oelschläger ist ein deutsch-englischer Bildband zur Ausstellung erschienen, der 2016 von Christian Glass, dem Direktor des Donauschwäbischen Zentralmuseums, Ulm, herausgegeben wurde. Neben den sechzig fotografischen Porträts von Donauschwaben sowie den Beschreibungen zu ihren Lebensumständen enthält der Band Texte von Hans Fernbach, Otto Heinek, Renata Trischler und Ralph Menz, die die aktuelle Situation der deutschen Minderheit in Rumänien, Ungarn, Kroatien und Serbien beleuchten.

Die Sonderausstellung ist im DZM Ulm bis zum 17. April geöffnet.

Haus Schlesien Königswinter
Die deutsch-polnische Wanderausstellung „Zu Hause und doch fremd – Vom Umgang mit Entwurzelung und Heimatverlust am Beispiel Schlesien“ ist im Haus Schlesien noch bis zum 19. März zu sehen. Regelmäßig findet das öffentliche Führungsangebot „Schlesische Dreiviertelstunde“ an jedem dritten Donnerstag im Monat um 14.30 Uhr statt. Der Februar-Rundgang unter dem Motto „Spuren bleiben …“ widmet sich vorrangig den Auswirkungen der Entwurzelung auf die nachfolgenden Generationen. Im März geht es um das Thema „Meine Heimat – deine Heimat“, wobei Reiseberichte aus der „alten Heimat“ und Begegnungen der vertriebenen Schlesier mit den heutigen Bewohnern im Mittelpunkt stehen.

Zwar sind es „nur“ Kleider – so jedoch nehmen sie sich geradezu statuarisch aus: Trachten aus dem Oppelner Land in Ratingen

Haus Schlesien lädt am 9. März um 19 Uhr zu einem Konzertabend mit Vertonungen von Erich-Kästner-Texten ein. Das „Ringelspiel 1947“ – musikalisch umgesetzt von Edmund Nick – ist ein Zyklus aus zehn Liedern, der Teil des vierten Programms der in München 1945 gegründeten „Schaubude“ mit dem Titel „Vorwiegend heiter-leichte Niederschläge“ war. Ergänzt wird die Veranstaltung durch Chansons von Kästner/Nick aus den Programmen der „Schaubude“, vorgetragen von Kornelia Reinke und Bent Hahn, am Klavier begleitet von Kerstin Mörk. Vorgetragen werden auch Gedichte von Erich Kästner und Mascha Kaléko. Übrigens: Die „Schaubunde“ war das erste literarische Nachkriegskabarett, das wesentlich zum Wiederaufleben der Kleinkunstkultur beitrug.

Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf
Am 8. Februar moderiert Dr. Tomás Sacher, Direktor des Tschechischen Zentrums Berlin, im Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus eine Veranstaltung unter dem Motto „Das Erbe der Charta 77“. In Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum Berlin und dem Polnischen Institut Düsseldorf wird die Ausstellung des tschechischen Fotografen Karel Cudlín gezeigt. Cudlín hat die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen in der Tschechoslowakei der 1990er Jahre festgehalten und sich als Dokumentarfotograf einen guten Namen gemacht. Bekannt sind vor allem seine Aufnahmen von Václav Havel, den er jahrelang fotografisch begleitet hat.

Zum Programm gehört auch eine Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen der Charta 77 – darunter Zbigniew Gluza, Leiter der Stiftung Zentrum Kartain Warschau, Petruška Šustrová, ehemalige Sprecherin der Charta 77, Wolfgang Templin und Wolfgang Nitsche, als Zeitzeugen der DDR-Oppositionsbewegung. Ein Konzert des Prager Duos Andrej Polanský & Emül Langman ergänzt die Veranstaltung.

Bis zum 3. März zeigt das Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus die Ausstellung „SammelSURIUM“, die der Frage „Sammeln – Leidenschaft oder Spleen?“ nachgeht. 16 Sammler präsentieren Ausschnitte ihrer Privatsammlungen und geben Auskunft über ihre Leidenschaft. Zum Begleitprogramm gehört am 11. Februar die Präsentation „Blütenpracht und Farbmagie: Der Charme des japanischen Kimonos“, die von Ruth Jäschke, Kulturreferentin beim Japanischen Generalkonsulat, bestritten wird. Am 14. Februar geht es im Rahmen einer literarischen Lesung und Diskussionsrunde um das Thema „Lust und Last des Sammelns“.

Oberschlesisches Landesmuseum Ratingen
Die in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner Museum des Oppelner Dorfes / Muzeum Wsi Opolskiej (MWO) gezeigte Ausstellung „Oppelner Gesichter: Leute von heute in Trachten von gestern“ ist im Oberschlesischen Landesmuseum Ratingen noch bis zum 19. Februar zu besichtigen. Für diese Schau luden die Veranstalter Menschen im heutigen Oppelner Schlesien ein, sich in regionalen Fest- und Alltagstrachten aus der Zeit von 1900 bis 1945 fotografieren zu lassen. Es entstand eine moderne, lebendige und unkonventionelle Präsentation mit über 40 farbenfrohen Großfotografien, wobei die Exponate aus der Sammlung des MWO in den Fokus gestellt wurden. Als Vorbilder dienten historische Schwarzweißaufnahmen aus den Beständen des Hauses, die gleich groß den aktuellen Bildern gegenübergestellt wurden.

Die Farbe nimmt dem Glas seine Durchsichtigkeit, entfaltet jedoch eine eigene Transparenz: schlesische Ikone der heiligen Veronika

Ebenfalls bis zum 19. Februar ist im Museum die Sonderausstellung „Für Leib und Seele. Von der Kultur des Essens und Trinkens“ geöffnet. Das Gesamtbild der Präsentation ist übrigens in den Grundzügen auch auf das Rheinland übertragbar.

Schlesisches Museum zu Görlitz
Aufgrund der guten Teilnehmerresonanz vom ersten Forschungstreffen über schlesische Hinterglasbilder in Görlitz und des vorhandenen großen Informationsbedarfes wurde eine weitere Arbeitsbegegnung für den Herbst 2017 geplant. Museumsfachleute, Sammler und Restauratoren aus Polen, Tschechien, Österreich und Deutschland diskutierten Ende 2016 über die Inhalte und Möglichkeiten eines internationalen Forschungsprojektes. Die durch die Euroregion neisse–nisa–nysa und Interreg Polska–Sachsen geförderte Begegnung fand auf Initiative des Schlesischen Museums zu Görlitz statt.

Eine Bestandaufnahme ergab, dass bereits mehrere Kataloge bedeutender Sammlungen in Polen, Tschechien und Deutschland vorliegen. Allerdings stellten die Tagungsteilnehmer auch fest, dass Kriterien für die Zuschreibung von schlesischen Hinterglasbildern an einzelne Produktionsorte fehlen. Es sei notwendig, Kriterien wie Stil, Technik, Malweise, Farben und Glasqualität insbesondere für Bilder aus Kaiserswalde/Lasówka in der Grafschaft Glatz, dem bisher einzigen sicher belegten Produktionsort in Schlesien, zu entwickeln. Außerdem sollen archivalische Forschungen klären, welche anderen Produktionsorte für Hinterglasbilder in Schlesien relevant waren und welche Motive dort vorrangig gemalt wurden.

Das erste Teilprojekt ist der Aufbau einer Internet-Datenbank „Schlesische Hinterglasbilder“ auf Basis der vorliegenden Bestandskataloge. Das Muzeum Karkonoskie w Jeleniej Górze / Riesengebirgsmuseum Hirschberg und das Schlesische Museum zu Görlitz haben diese Aufgabe übernommen.

In einem weiteren, größeren Projekt wollen die Partnerinstitutionen und Sammler nicht nur Kriterien zur Identifikation schlesischer Hinterglasbilder definieren, sondern auch bisher unbearbeitete Bestände erfassen. Angestrebt werden archivalische Forschungen und länderübergreifende vergleichende Analysen.

Dieter Göllner (KK)

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