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Ausgaben: Ausgabe 1291.

Väterchen Stalin

Überraschungen bringt die Bukarester Vierteljahresschrift „Memoria“ für viele Leser durch die Veröffentlichung bzw. den Nachdruck eines Beitrags von Dorin Dobrincu  über den Diktator Stalin und die Vorbereitungen für die Wahlen in Rumänien im Jahre 1946.

Im Zuge dieser Vorbereitungen waren zwei Spitzenfunktionäre der Rumänischen Kommunistischen Partei, voran Gheorghe Gheorghiu-Dej, Anfang April nach Moskau gereist zu Beratungen mit der höchsten sowjetischen Parteispitze.

Laut Stenogramm belehrte Stalin die Genossen aus Bukarest, daß es keine „Gleichheit“ der Nationalitäten geben kann (nach Stalin eine „Utopie“). Im Wahlprogramm solle es um „gleiche Rechte für die mitwohnenden Nationalitäten“ gehen. Den Antrag von Dej zur Ausweisung der rund 500 000 „Sachsen und Schwaben“ lehnte Stalin persönlich ab, weil Ausweisungen („expulzari“) nun nach Kriegsende schwierig seien, zumal es sich um rumänische Staatsbürger handle, was er sich bestätigen ließ. Um diese Bürger jedoch als potentielle Wahlgegner auszuschalten, akzeptierte Stalin den Vorschlag, ihnen im Sinne der Kollektivschuld die Bürgerrechte abzuerkennen, also auch das Wahlrecht. Und das, so Stalin, „ohne Mitleid“.

Luzian Geier (KK)

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