Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1261.

Verlust als Impuls

Der Königsberger Maler Erich Gindler hat 1945 alles verloren und nichts verlorengegeben, zeigt das Ostpreußische Landesmuseum

Im Ostpreußischen Landesmu­seum in Lüneburg ist wieder eine Ausstellung zu se­hen, die Werke eines heute zu Un­recht vergessenen Malers zeigt. Gewürdigt wird das Lebenswerk von Erich Gind­ler, geboren am 3. Februar 1903 in Königsberg. Er war einer der vielen ostpreußischen Künstler, denen Krieg und Vertreibung in der Mitte des Le­bens ihr ganzes bis dahin ge­schaffenes Werk zerstörten und ihre kulturelle Heimat raubten. Ihnen allen wur­de der Neuan­fang nach 1945 besonders schwer, da sie so gut wie nichts hatten, woran sie hätten anknüpfen können.

Zu sehen sind Arbei­ten aus dem künstlerischen Nach­laß des Malers. Evamaria Münichsdorfer, die Tochter Gindlers, er­möglichte dies durch eine großzü­gige Schenkung an das Ostpreußi­sche Landesmuseum.

Gindlers Schicksal beeinflußte zudem noch eine schwere Kriegs­verwundung, an deren Folgen er zeitlebens litt. Dennoch schaffte er den Neuanfang in Murnau, wohin ihn nach Entlassung aus englischer Kriegsgefangenschaft ein Zufall ge­führt hatte. Zu seinem Glück waren auch seine Frau und die drei Kin­der noch im April 1945 aus Kö­nigsberg herausgekommen und fanden über ein Internierungslager in Dänemark 1946 wieder zu ihm.

Neben den gänzlich neuen Eindrücken der Murnauer Landschaft mit den hohen Bergen, die Gind­ler sogleich auch künstlerisch zu entdecken begann, beschäftigten ihn die Erinnerungen an die ost­preußische Heimat. In der Folge­zeit entstanden viele Grafiken und Gemälde mit Motiven aus Kö­nigsberg, dem Samland, der Kurischen Neh­rung, aus Masu­ren.

Aufträge aus der Industrie führten den Ma­ler Mitte der 1950er Jahre ins Ruhrgebiet und Anfang der 1960er Jahre nach Lübeck, wo er sich schließ­lich ab 1963 dau­erhaft nieder­ließ.

Stilistisch hat­te Gindler sei­nen Ausgang ge­nommen vom spätexpressionistischen Stil, den er unter anderem von seinem Lehrer Arthur Degner an der Königsber­ger Kunstakademie in den Jahren 1920 bis 1924 vermittelt bekom­men hatte. Gindler gehört zu den namhaf­ten Künstlern der Königsberger Kunstszene der Zwischenkriegs­zeit wie zu den wichtigen Vertre­tern der ostpreußischen Kunsttra­dition aus der Königsberger Kunst­akademie nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Ausstellung „Erich Gindler – Maler aus Königsberg“ im Ost­preußischen Landesmuseum ist bis zum 19. Oktober zu sehen.

(KK)

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