Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1319.

Verschwiegene Klostermauern sprechen lassen

Haus Schlesien folgt den Spuren der Zisterzienser in Schlesien nicht nur, sondern macht sie mit Ausstellungen lebendig

Das jahrhundertelange Wirken des Zisterzienserordens, der einen entscheidenden Anteil am Landesausbau, an der geistlichen, kulturellen und ökonomischen Entwicklung der Regionen östlich von Oder und Neiße hatte, erfreut sich auch heute noch regen Interesses. So erfährt auch die Wanderausstellung von Haus Schlesien unter dem Titel „Klosterdämmerung / Zmierch Klastorów“ großen Zuspruch und konnte im Laufe des Jahres 2011 von Ostfriesland und Oldenburg bis Stuttgart, vom Rheinland bis Breslau insgesamt an neun Orten präsentiert werden. Bis zum 30. April 2012 ist sie in München im Haus des Deutschen Ostens zu sehen, anschließend wird sie am Ort des Ursprungs zisterziensischen Lebens in Niederschlesien, im ehemaligen Kloster Leubus/Lubiaz gezeigt.

Am 26. Mai wird die „Klosterdämmerung“ im Fürstensaal des ältesten und größten schlesischen Zisterzienserklosters eröffnet und dort bis zum 25. September zu sehen sein. Sie ergänzt in diesem Jahr die dort als Dauerausstellung installierte Darstellung der Geschichte von Kloster Leubus. Damit wird vor allem der Bezug dieses Mutterklosters zu seinen niederschlesischen Filiationen deutlich.

Neben Leubus stellt die Wanderausstellung die niederschlesischen Abteien Heinrichau, Kamenz, Grüssau und die Zisterzienserinnenabtei Trebnitz, dazu die beiden oberschlesischen Zisterzen Rauden und Himmelwitz vor. Wie durch ein Wunder hat sich die Bausubstanz dieser ehemaligen zisterziensischen Niederlassungen in Schlesien nach der Säkularisation durch den preußischen König im Jahr 1810 trotz aller Umbrüche mehr oder weniger gut erhalten.

Innerhalb des vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) geförderten Projektes war die Erinnerung an das einschneidende Ereignis der Säkularisation von 1810 Anlaß für die Ausstellung und die zweisprachige Begleitpublikation. Aus dem Projekt sind zudem zwei weitere Ausstellungen entstanden, die in Niederschlesien in den ehemaligen Klöstern Leubus/Lubiaz und Kamenz/Kamieniec Zabkowicki präsentiert werden und die Geschichte dieser beiden Zisterzen in den Mittelpunkt rücken. Die zweisprachigen Ausstellungen verbleiben dauerhaft in den ehemaligen Klöstern und vermitteln Touristen, die in den Sommermonaten in großer Zahl dorthin kommen, ein vertieftes Wissen um die Bedeutung dieser Orte in der Geschichte Schlesiens.

Die von Haus Schlesien organisierte und von der Historikerin Dr. Inge Steinsträßer kuratierte Ausstellung reiht sich ein in verschiedene Aktivitäten, die in den letzten Jahren in Deutschland und Polen zum Thema Zisterzienser und Säkularisation stattgefunden haben. In unmittelbarer Folge der Säkularisation wurde 1811 die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau als Zusammenschluß der Breslauer Leopoldina mit der Universität Viadrina aus Frankfurt an der Oder gegründet. Das 200jährige Bestehen der Universität war 2011 Anlaß für mehrere Gedenkfeiern in Breslau, u. a. für ein mehrtägiges internationales Symposium. Haus Schlesien war im Rahmen dieser Konferenz mit der Präsentation der Wanderausstellung „Klosterdämmerung“ vertreten.

An der ehemaligen Zisterze Rauden/Rudy in Oberschlesien sind inzwischen umfassende Restaurierungsmaßnahmen am ehemaligen Konventsgebäude abgeschlossen. Das Bistum Gleiwitz/Gliwice hat dort ein Bildungszentrum eingerichtet mit Tagungs- und Unterkunftsmöglichkeiten, die bereits rege in Anspruch genommen werden; auch Ausstellungen werden dort präsentiert.

In Himmelwitz/Jemnielnica, einer im Raum Oppeln gelegenen ländlich geprägten Gemeinde, wird das Andenken an die Zisterzienser weiter gepflegt. 2006 wurde dort ein Johannes-Nucius-Jahr durchgeführt, und das örtliche Gymnasium trägt seinen Namen. Kloster Heinrichau/Henryków wird als Filiale des Priesterseminars der Erzdiözese Breslau betrieben. Besuchern wird ein geführter Rundgang durch die öffentlich zugänglichen Räume angeboten. In Grüssau/Krzeszów befindet sich seit 1946 ein aus Lemberg/Galizien stammender Benediktinerinnenkonvent. Nicht zuletzt der Josephszyklus des schlesischen Barockmalers Michael Willmann zieht viele Besucher an. Ziel einer großen Wallfahrt ist in jedem Oktober das einzige Zisterzienserinnenkloster, Trebnitz, mit dem Grab der Schutzpatronin der Schlesier, der heiligen Hedwig. Trebnitz wurde 2007 vom Vatikan zum internationalen Sanktuarium erklärt und ein der heiligen Hedwig geweihter Pilgerpfad eingeweiht. Die Kongregation der Borromäerinnen bemüht sich um Erhaltung der umfangreichen Klosteranlage und betreibt ein Alten- und Pflegeheim. In dem nur noch teilweise erhaltenen Kloster Kamenz/Kamieniec Zabkowicki sind mit Hilfe eines örtlichen privaten Vereins und der Gemeindeverwaltung in den vergangenen Jahren zwei Ausstellungsräume eingerichtet worden, die nach und nach zu einem kleinen Museum ausgebaut werden.

Das ehemalige Kloster Leubus/Lubiaz befindet sich seit 22 Jahren im Besitz der privaten polnischen Stiftung Fundacja Lubiaz. Die große Anlage wird schrittweise u.a. aus Mitteln der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit restauriert und ist ganzjährig für Besucher geöffnet. Seit dem Jahr 2000 bereichern landeskundliche Ausstellungen von Haus Schlesien das dortige Informationsangebot. Mehr als 20000 Reisende aus verschiedenen Ländern besuchen jährlich die imposante ehemalige Klosteranlage. Die diesjährige Sonderausstellung „Klosterdämmerung“ soll ein weiterer Anreiz zu einem Besuch dieses großartigen Bauensembles sein.

Nicola Remig (KK)

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