Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1397.

Verschwundenes zum Vorschein bringen

„Orte, die es nicht mehr gibt“, ausgestellt in Ellingen

Verlorenes, ins Bild gesetzt, macht Verlorenheit bereiflich: Blick in die Ausstellung
Bild: der Autor

„Verschwunden – Orte, die es nicht mehr gibt“ – mit dieser neuen Sonderausstellung möchte das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen an die Spuren der Deutschen, vor allem im Osten, erinnern, die nur noch spärlich zu finden sind.

Der Zweite Weltkrieg veränderte das Gesicht Europas und löschte Orte von der Landkarte. Das Zerstörungswerk setzte sich nach dem Krieg fort. Die Machthaber in der Sowjetunion, in Polen und in der Tschechoslowakei wollten die Erinnerung an die Deutschen tilgen und der Planwirtschaft den Weg ebnen. Oftmals fehlte einfach Geld, um teilweise wertvolle Bauten zu retten. So ging die Heimat vieler Deutscher endgültig unter.

Die neue Ausstellung im Barockschloss Ellingen zeigt auf zahlreichen bebilderten Schautafeln, wie reich die Kulturlandschaft war, die einst weite Teile des Deutschen Reiches prägte. Sie zeigt aber auch, wie sie unterging: durch Zerstörung in Luftangriffen und Artilleriebombardements; gezielt gesprengt, damit die Erinnerung an die preußische Geschichte getilgt wurde; von der Planwirtschaft geschluckt und in Stauseen versenkt; durch Entvölkerung und städtebauliche Konzepte, die Altes nur zu gern abrissen. Im Verlauf des Kalten Krieges geschah es auch, dass Ortschaften ausgelöscht wurden, um für den Fall der Fälle den Armeen Aufmarschraum zu geben oder illegale Grenzübertritte zu erschweren.

Die Ausstellung klagt nicht an, sie bemüht sich um Sachlichkeit bei diesem emotionsgeladenen Thema. Sie erinnert an die enormen Verluste, beschreibt die Gegenwart und ist auf die Zukunft hin ausgerichtet. Diese könnte sich in architektonisch anspruchsvollen Rekonstruktionsprojekten wie dem Königsberger Schloss zeigen. Computertechnik wie bei den ostpreußischen Schlössern Friedrichstein und Schlodien macht es möglich, zerstörte Gebäude virtuell auferstehen zu lassen.

In seiner Begrüßung anlässlich der Eröffnung der neuen Sonderausstellung konnte Wolfgang Freyberg, Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen, gleich drei frühere bayerische Landtagsabgeordnete willkommen heißen: Christian Knauer aus Aichach, den jetzigen Vizepräsidenten des Bundes der Vertriebenen, der mit einem bemerkenswerten und tiefgehenden Vortrag die Ausstellung eröffnete; ferner waren die Bezirkstagsvizepräsidentin und Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates Christa Naaß sowie Gerhard Wägemann, der Landrat des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen, anwesend.

Die Ausstellung „Verschwunden – Orte, die es nicht mehr gibt“ im Kulturzentrum Ostpreußen im Deutschordensschloss Ellingen ist bis zum 25. November geöffnet. Zur Sonderschau ist ein 193-seitiger Katalog erschienen, der für 12,95 Euro plus Versandkosten über das Kulturzentrum Ellingen, Schlossstraße 9, 91792 Ellingen, Telefon 09141/86440, bezogen werden kann.

M. Fritsche (KK)

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