Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1317.

Verstehen Sie Schlesien?

„Wege und Wandlungen“ der Woiwodschaft

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und mit der Vertreibung des größten Teils seiner Bewohner schied Schlesien aus der deutschen Geschichte aus. Das Land teilte von nun an das Schicksal der polnischen Woiwodschaften und durchlebte mit ihnen die Epoche der Volksrepublik, den Freiheitskampf der Solidarnosc und den Aufbruch in die Demokratie und nach Europa seit 1989. Dennoch: Auch innerhalb  des polnischen Staatsverbands ging Schlesien durchaus eigene Wege. Die jahrhundertelange historische Prägung wirkte weiter, während eine neue  Bevölkerung eigene Traditionen, Ideen und Konzepte ins Land brachte.

Mit Texten und Bildern versucht die Ausstellung des Schlesischen Museums unter dem Titel „Schlesien nach 1945. Wege und Wandlungen einer europäischen Region“, bis zum 9. April eine Annäherung an das polnische Schlesien von heute und läßt wichtige Stationen der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung Revue passieren.

Nach Kriegsende hatte Schlesien einen schweren Start. Viele Städte lagen in Trümmern; Chaos herrschte und Gewalt ging um. Die Vertreibung der Deutschen riß Lücken, die kaum zu schließen waren. Der neuen Bevölkerung blieb das Land lange fremd. Ein diktatorisches Regime behinderte jede freie gesellschaftliche  Entwicklung. In den Jahrzehnten der Volksrepublik hat sich Schlesien fest in den polnischen Staat integriert. Phasen des „Tauwetters“ und Wellen der Modernisierung wechselten mit bleiernen Jahren der Stagnation und verschärfter Repression. Schon in den 1970er Jahren zeichnete sich eine neue Entwicklung ab. Schlesien profitierte in besonderem Maße von den Wirtschaftsreformen der Ära Gierek. Zugleich wuchs die Distanz zwischen dem kommunistischen Staat und einer immer selbstbewußteren Gesellschaft mit ihren örtlich und regional fest verankerten oppositionellen Milieus. Seit 1989 hat Schlesien eine stürmische Entwicklung durchlaufen. Heute gehört es zu den wohlhabendsten und am besten entwickelten Regionen in Polen mit einer wichtigen Rolle im neuen Europa.

Die Ausstellung richtet einen Blick von außen auf das Land und wendet sich dabei an ein Publikum in Deutschland, wo sich viele mit Schlesien verbunden fühlen. Es ist ein Versuch, sich das Schlesien von heute – das vertraute, fremd gewordene Land – besser verständlich zu machen.

(KK)

«

»