Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1276.

Versteigern ohne Verstiegenheit

Das Auktionshaus Lempertz ist nicht auf Sensationserträge aus

Seit Jahren gibt es auch auf dem Gebiet der Kunst und Kultur einen Trend nach dem Westen. Galeristen aus dem Osten erhoffen sich hier einen günstigeren Umsatz. Die Künstler meinen, in Deutschland und in Westeuropa freiheitlicher schaffen zu können. Das Interesse ist gegenseitig, denn auch von hier aus richten sich die Blicke öfter nach Osteuropa, namentlich russische Künstler gewinnen zunehmend Aufmerksamkeit.

In Köln gibt es das Auktionshaus Lempertz, 1845 als Familienunternehmen gegründet, dessen Augenmerk seit einiger Zeit auf Osteuropa gerichtet ist und sich vor allem der Kunst der Russen widmet. Genannt seien Alexander Archipenko, Joannis Avramidis, Maxim Kantor, Alexander Orloff, Anna Staritzky.

Aus dem Osten stammt auch die bedeutende Künstlerin Käthe Kollwitz, die auf der Frühjahrsauktion des Kölner Hauses Lempertz mit fünf Werken vertreten war, die alle neue Besitzer fanden. Allerdings blieben die erzielten Preise unter den Schätzwerten. Eine Lithographie aus ihrem berühmten Zyklus „Weberaufstand" erzielte sogar nur 300 Euro. Angesichts der hohen Erträge der amerikanischen Auktionshäuser, in denen Millionäre ein und aus gehen, erscheinen jene in Deutschland manchmal wie Läden für Kunden mit kleinem Geldbeutel. Auf der Lempertz-Auktion erreichte eine Aquatinta-Arbeit des bekannten Malers Gerhard Graubner (geboren 1930 in Erlbach) nicht einmal den Schätzpreis von 300 Euro, sondern ging bei 230 Euro ab. Und eine collagierte Offsetlithographie des nicht minder bekannten Pragers Jiri Kolar erzielte gerade mal den geschätzten Preis von 300 Euro.

Für den Kunsthandel, der sich einen besseren Umsatz erhoffte, mögen diese Resultate keineswegs erfreulich sein. Andererseits werden dadurch auch Leute, die nur über einen kleinen Etat für Kunst verfügen, angeregt, sich künftig vielleicht an Auktionen zu beteiligen. Vor zwei Jahren erzielte ein Bild des Fernand Léger auf der Lempertz-Auktion den Rekordpreis von 1,25 Millionen Euro. Aber aus New York wurde gemeldet, daß dort ein Matisse 23 Millionen Euro und das Bild „Adele Bloch Bauer" von Gustav Klimt 107 Millionen Euro gebracht hätten. Durch solche Märchensummen sollte man sich allerdings nicht abschrecken lassen.

Der Katalog der Frühjahrsauktion bei Lempertz / Venatir & Hanstein Köln registriert 1606 Angebote, die natürlich der stattlichen Anzahl wegen nicht alle auf einer einzigen Auktion bewältigt werden können. Es wird also weitergehn am Kölner Neumarkt.

Günther Ott (KK)

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