Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1302.

Verweltlichung in Himmelwitz

Die Säkularisierung der schlesischen Klöster, ins Bild gesetzt vom Museum für schlesische Landeskunde in Königswinter

Mit der Ausstellung „Klosterdämmerung – vom Umbruch zum Aufbruch“ hat sich die museale Einrichtung von Königswinter-Heisterbacherrott an einem großangelegten grenzüberschreitenden dreiteiligen Projekt beteiligt, das vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert wurde.

Die Kuratorin Dr. Inge Steinsträßer verwies bei der Vernissage auf die Hintergründe: „Wir haben uns bei der Konzipierung unserer Ausstellung ganz bewußt für einen exemplarischen Ansatz entschieden und stellen die Säkularisation in Schlesien am Beispiel der Zisterzienser dar, dies nicht nur aus Platzgründen, sondern weil die Bedeutung des Ordens für Schlesien nicht zu unterschätzen ist.“

Und Dr. Thomas Lindner, Referatsleiter beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, wertete das Ereignis mit den Worten: „Mit der Ausstellung nimmt sich das Museum für schlesische Landeskunde eines der einschneidendsten Ereignisse in der Kirchengeschichte nach der Reformation an.

Die Säkularisierung bedeutete die Enteignung kirchlichen Besitzes zu Gunsten des Staates sowie die Auflösung geistlicher Territorien mit Grundbesitz und Herrschaftsrechten. Aufklärung und Französische Revolution hatten den Boden für diese handfeste Neudefinition des Verhältnisses von Staat und Kirche in weiten Teilen Europas bereitet. Beigetragen hatte aber auch die Herrschaftsausübung kirchlicher Gewalten, die teilweise kaum noch von derjenigen weltlicher Obrigkeiten unterscheidbar war.“

In der Dokumentarschau wurde der Fokus auf sieben Zisterzienserklöster gerichtet. Neben Leubus waren die niederschlesischen Abteien Heinrichau, Kamenz, Grüssau und die Zisterzienserinnenabtei Trebnitz sowie die beiden oberschlesischen Zisterzen Rauden und Himmelwitz thematisch eingebunden.

Zu den herausragenden Exponaten gehörten u.a. das Heinrichauer Vortragekreuz aus der Mitte des 17. Jahrhunderts (Leihgabe der Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz), die Reliquie der St. Hedwig (Leihgeber: Abtei Maria Laach) und der Grüssauer Abtsstab aus der Zeit um 1924 (Leihgeber: Benediktinerpriorat Maria Aufnahme, Huy-Dingelstedt).

Dr. Inge Steinsträßer, Bonn, und Arne Franke M. A., Berlin, belegten anhand von wertvollen Objekten sakraler Kunst, Malereien, Büchern und Dokumenten die Zeit von der mittelalterlichen Klosterstiftung über die Blütezeit des Barock bis hin zur Säkularisation 1810 und deren Folgen sowie die weitere Entwicklung bis in die Gegenwart.

Auf insgesamt zehn Displays mit schematisch geordneten, farblich abgestuften Bahnen vermittelte die Schau einen Überblick über das Wirken der Zisterzienser in Schlesien. Bedeutende Persönlichkeiten, Künstler und Äbte wie die heilige Hedwig, Michael Willmann, Arnold Freiberger oder Bernhard Rosa wurden in den drei Ausstellungen ebenso thematisiert wie die Protagonisten der Säkularisation, allen voran der preußische Verwaltungsjurist Johann Gustav Gottlieb Büsching.

Interessant war auch die Veranschaulichung der Entwicklung der Klostergüter nach der Säkularisation. Die Inbesitznahme durch verdiente preußische Offiziere, hohe preußische Verwaltungsbeamte und Vertreter des protestantischen schlesischen Adels veränderte die bis dahin geistlichen Grundherrschaften nachhaltig und führte zur Verschlechterung der Lebensbedingungen der katholischen Bevölkerung.

Zum dreiteiligen Ausstellungsprojekt gehören die Präsentationen mit dem Schwerpunkt auf den Zisterzienserklöstern in Leubus/Lubiaz (seit dem 5. Juni 2010) und in Kamenz/Kamieniec Zabkowicki (seit dem 26. Juni 2010).

In diesem Kontext hat eine intensive grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den Museen und Kulturinstitutionen stattgefunden. Nicht zuletzt wurde ein Schülerprojekt in Königswinter eingebunden. Wie die Museumsleiterin Nicola Remig mitteilte, hatten sich Schüler des Christophorus-Gymnasiums, CJD, vornehmlich mit der Zisterzienserabtei Heisterbach und deren berühmtem Mönch Caesarius beschäftigt.

Über dieses Vorhaben konnten die Jugendlichen an Schlesien sowie an die wechselvolle deutsche und polnische Geschichte herangeführt werden.

Dieter Göllner (KK)

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