Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1331.

Viel getan, noch mehr zu tun

Das Oberschlesische Landesmuseum braucht zum 30. Jahrestag seiner Gründung nicht nach Gründen zu suchen, um gründlich zu feiern

Viel-getanWer das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen-Hösel anlässlich der Feierstunde zum 30-jährigen Jubiläum besuchte, konnte ein interessantes Programm erleben. Zum einen gab es zahlreiche Ansprachen und Vorträge von Persönlichkeiten des politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens.

Neben den Festrednern – Dr. Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie Professor Dr. Christoph Zöpel, langjähriger NRW-Bauminister und ehemaliger Staatsminister im Auswärtigen Amt – sprachen u. a. Kerstin Griese, MdB, Dr. Wilhelm Droste, MdL, und Werner Jostmeier, MdL, Gratulationswünsche aus. Die ehemaligen Leiter des Oberschlesischen Landesmuseums, Nikolaus Gussone und Dr. Albrecht Tyrell, waren dabei.

Zum anderen boten Dominikus Burghardt, Pianist und Hochschuldozent an der Folkwang-Universität der Künste Essen, und die Sopranistin Esther Thoma-Burghardt eine hochkarätige musikalische Umrahmung mit Vertonungen von Gedichten Eichendorffs. Sonderführungen durch die aktuellen Ausstellungen des Hauses rundeten die Veranstaltung ab.

Der Festakt zum 30-jährigen Jubiläum des Oberschlesischen Landesmuseums war ein willkommener Anlass zur Bestandsaufnahme. Erinnert wurde an den Stichtag im März 1983, an dem Ministerpräsident Johannes Rau das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingenfeierlich eröffnete. Die Einrichtung ist in erster Linie ein kulturgeschichtliches Museum, das sich der Aufgabe verschrieben hat, das dingliche Kulturgut Oberschlesiens zu sammeln, zu bewahren, auszuwerten und auszustellen. Träger ist die 1970 gegründete Stiftung Haus Oberschlesien, eine Stiftung privaten Rechts. Gebührende Berücksichtigung fand auch das Jahr 1998. Damals wurde der vom Kölner Architekten Walter von Lom & Partner entworfene Neubau des Oberschlesischen Landesmuseums auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingeweiht.

Dank der insgesamt mehr als 350 Ausstellungen konnte das OSLM im Laufe der drei Jahrzehnte der Öffentlichkeit ein umfangreiches Bild von der Geschichte und Kultur sowie von der Gegenwart der schlesischen Regionen vermitteln. Das Museum arbeitet im Geist der Völkerverständigung und der guten deutsch-polnisch-tschechischen Nachbarschaft.

Viel-getan2Ein in den Wortmeldungen im Rahmen des Festaktes immer wieder angesprochener Schwerpunkt ist die intensive Zusammenarbeit des OSLM mit vielen Partnerinstitutionen in Deutschland, Polen und Tschechien. Im Fokus der nunmehr 30-jährigen Tätigkeit stand und steht heute mehr denn je die Aufgabe des  OSLM als Mittler des partnerschaftlich eng mit der Woiwodschaft Schlesien verbundenen Landes Nordrhein-Westfalen. Das Haus erfüllt kontinuierlich eine politische Aufgabe und macht somit Europa durch unterschiedliche regionale Sichtweisen erlebbar. Veranstaltet werden attraktive und lebendige Programme und Ausstellungen für die Besucher vor Ort, aber auch zahlreiche grenzüberschreitende Projekte mit verschiedenen Partnereinrichtungen.

Dr. Angelica Schwall-Düren hob in ihrem Festvortrag „Für Deutschland und Europa. Aspekte der Partnerschaft Nordrhein-Westfalens mit Polen“ die Funktion des Oberschlesischen Landesmuseums als Brückenbauer zu den Menschen und kulturellen Einrichtungen in Polen hervor. Die Ministerin würdigte die umfangreiche Präsentation der kulturellen Vielfalt Oberschlesiens in NRW. Sie erwähnte auch den deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag von 1991, der als Grundlage für die Weiterentwicklung und Festigung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern dient. Und da die Partnerschaft mit der polnischen Region Schlesien in absehbarer Zeit erneuert und vertieft werden soll, wird sich das Oberschlesische  Landesmuseum als einer der bewährten Kooperations-Partner dieses Projektes der besonderen Unterstützung seitens der Landesregierung erfreuen.

Nicht zu übersehen ist das Anfang dieses Jahres eingeweihte Denkmal, das auf dem Außengelände des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen-Hösel installiert wurde. Es handelt sich um zwei der üblichen großen Seilscheiben eines Schachtfördergerüstes, die verkehrsgelb lackiert und somit für jeden auffällig sichtbar sind. Das neue Technikdenkmal nimmt Bezug auf eine wichtige Zielregion des Museums, nämlich das durch die Montanindustrie geprägte oberschlesische Industrierevier. Hier spielt der Bergbau als leistungsfähige Industrie heute noch eine wichtige Rolle. Die beiden Seilscheiben stammen aus dem Königlichen  Steinkohlebergwerk Knurow/ Knurów in Oberschlesien, das 1903 gegründet wurde. Die Knurow-Ratinger Seilscheiben entstanden mit dem ersten Fördergerüst um 1905. Die Herkunft der Seilscheiben deutet auf die bergbauliche Funktion des Industriedenkmals hin.

Vom 21. April bis zum 14. Juli präsentiert das Museum in Ratingen-Hösel die Ausstellung „Grenzgänger. Erzählte Zeiten, Menschen Orte“. Am Beispiel Oberschlesiens lassen sich die gesellschaftlichen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Konfliktfelder staatlicher Grenzziehungen besonders gut erkennen und darstellen. Die Präsentation veranschaulicht auf unterschiedliche Weise die Erfahrungen der Oberschlesier mit der Teilung des Landes in den Jahren 1922 bis 1939. Zu dem vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit initiierten Projekt wurde ein Begleitbuch veröffentlicht. Die Stiftung Haus Oberschlesien unterstützte aus Mitteln des Landes NRW die Herausgabe des Bandes.

Vom 28. April bis zum 27. Oktober 2013 ist hier die neue Sonderausstellung „Das Vaterland ist frey – 200 Jahre Befreiungskriege“ zu besichtigen. Ausgehend von den Verhältnissen am Ende der friderizianischen Zeit werden die Entwicklungen der napoleonischen Ära sowie die unterschiedlichen Sichtweisen darauf dargestellt. Der Schwerpunkt liegt auf der Region Schlesien. Schirmherr der Ausstellung ist Staatsminister Bernd Neumann, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Dieter Göllner (KK)

«

»