Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1303.

Vitrinenphantasien

Tiefenfurter Porzellan im Haus Schlesien

Der im Jahre 1939 rund 1350 Einwohner zählende niederschlesische Ort Tiefenfurt, der einst den Kreisen Görlitz und Bunzlau zugeordnet war, ist durch seinen Poststempel „Tiefenfurter Porzellan ist weltbekannt“ weit über die Grenzen hinweg berühmt geworden. Das Museum für schlesische Landeskunde von Königswinter-Heisterbacherrott hat den Stempelnamen als Ausstellungstitel gewählt und zeigte die bisher größte Ausstellung mit Tiefenfurter Porzellan.

Der Kurator der Präsentation, Gerhard Schmidt-Stein, stimmte bei der Vernissage die zahlreich erschienenen Sammler und Porzellanliebhaber mit einem ausführlichen Vortrag auf die „Zeitreise“ von 1865 bis 1945 ein. Die Geschichte der Porzellane, die in ihren Fabrikmarken den Namen Tiefenfurt enthalten, geht bis auf das Jahr 1865 zurück. Es ist die Zeit, in der Töpfereien und Steingutfabriken die Grundlage für drei Porzellanfabriken bildeten, die 1865, 1868 und 1890 in Tiefenfurt die Porzellanproduktion aufnahmen. Es handelt sich um drei Firmen, die einen regen Besitzer- und Namenswechsel miterlebten: die Schlesische Porzellanfabrik P. Donath, die Porzellanfabrik C. H. Tuppack sowie die Porzellanfabrik K. Steinmann.

Die neue Sonderausstellung im Haus Schlesien zeigte anhand von zahlreichen Exponaten aus den Sammlungen Schmidt-Stein, Schulze, Skalnik und Blaschke sowie aus den Beständen des Hauses einen Einblick in die Vielfalt der Porzellane, die in Tiefenfurt hergestellt worden sind.

Die edlen Porzellanexponate beeindruckten durch ihre unterschiedlichen Formen, Farben und Motive. Dabei fällt auf, daß es häufig die Details sind, die das Besondere und Einzigartige der Objekte ausmachen. Auch wenn beispielsweise in einer der vielen Vitrinen mehrere Vasen in gleicher Form zu sehen sind, unterscheiden sie sich durch ihre individuelle Bemalung. Auch Zuckerdosen, die auf den ersten Blick gleich aussehen, sind mit verschiedenen Deckeln verziert worden. Zu den Besonderheiten gehören u. a. das Kaffeeservice „Brüsseler Edelspitzen“, die festlich gedeckte Tafel mit China-Blau-Geschirr und eine repräsentative Auswahl von Andenkenporzellanen. Zu sehen waren Gebrauchs- und Tafelgeschirre, die Tuppack für das In- und Ausland produzierte, wie auch Porzellane mit den Dekoren „China-Blau“, „China-Rot“, „China-Grün“, „China-Lila“ sowie verschiedene Japan-Muster. Mit einem breiten Angebot von Objekten im Stil des Art déco folgte Tuppack später auch einem Trend der Zeit.

Steinmann wiederum hat um die Jahrhundertwende im Werk „Silesia“ als Spezialität „Export- Gebrauchsartikel für alle Länder der Welt“ hergestellt und vertrieben. Nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 stand das Werk „Silesia“ verstärkt für Feinsteinzeug.

Übrigens: Neue Erkenntnisse bietet die erweiterte und aktualisierte Neuausgabe des im Würzburger Bergstadtverlag erschienenen Standardwerkes von Gerhard Schmidt-Stein, „Schlesisches Porzellan vor 1945“. Die reich illustrierte Publikation dient für Porzellansammler, aber auch für Wirtschafts- und Sozialgeschichtler als praktisches Nachschlagewerk. Neben vielen anderen berühmten Porzellanorten wird auch Tiefenfurt mit seinen bekannten Fabrikmarken vorgestellt. Der Band ist im Museumsladen oder über den Buchhandel zu erwerben.

(KK)

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