Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1239.

Vom Pregel auf die Alm

Die historisch bedingten Umwege dahin führen durch halb Europa, und doch gibt es die Ostpreußenhütte am Hochkönig

Die Sektion Königsberg des Deutschen Alpenvereins und seine Ostpreußenhütte im Pongau südlich von Salzburg beschreibt die neueste Sonderausstellung im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen. Das über 75 Jahre alte Haus am Fuße des Hochkönigs wurde jetzt auf den neuesten Stand gebracht.

„Als Bergsteigen noch ein Abenteuer war – im Jahre 1890 –, wurde der Alpenverein in Königsberg in Ostpreußen gegründet“, erklärte Dr. Axel J. Papendieck, der Vorsitzende der Sektion Königsberg des Deutschen Alpenvereins, bei der Eröffnung der Ausstellung. Für alle Mitglieder der Sektion bedeute es eine besondere Ehre, daß ihr und der Hütte eine Ausstellung im Kulturzentrum Ostpreußen gewidmet werde. Papendieck dankte allen Spendern und auch Erblassern, die um 1927/28, dem damaligen Zeitgeist folgend, die touristische Erschließung der Alpen vorangetrieben und seither den Betrieb der Alpenhütte sichergestellt haben. Leider seien viele Unterlagen, die das aktive Vereinsleben beschrieben, während des Krieges in Königsberg verlorengegangen. Der Sektionsvorsitzende ging auch auf die Modernisierung der Energieversorgung der Hütte ein, die am 14./15. Juli feierlich in Betrieb genommen wird und so die Herausforderungen der Zukunft bestehen kann, zumal der Betrieb einer Berghütte heute getrennt vom Vereinsleben rein geschäftlich betrachtet werden muß.

Grüße an die Mitglieder der Sektion sprach auch der Vorsitzende der Stadtgemeinschaft Königsberg in der Landsmannschaft Ostpreußen aus, die in besonderer Weise an das Stadtgebiet Königsberg und seine Bewohner erinnert.

In seiner Einführung zur Ausstellung hatte der Leiter des Kulturzentrums Ostpreußen im Ellinger Deutschordensschloß, Wolfgang Freyberg, darauf hingewiesen, daß die Gestaltung dieser Sonderschau ohne die Hilfe der Sektion nicht möglich gewesen wäre. Den Großteil der Ausstellungsstücke haben Mitglieder aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt, wobei Freyberg äußerte, daß weitere Schaustücke die Vitrinen bereichern würden. Mit dieser Ausstellung schließe sich, so der Direktor des Kulturzentrums, ein Kreis, denn gerade aus dem Pongau seien 1732 – also vor 275 Jahren – viele protestantische Familien vertrieben worden, die nach einem langen Fluchtweg ihre Heimat in Ostpreußen gefunden hatten.

Die Sektion Königsberg, die heute mit gut 600 Mitgliedern ihren Sitz in München hat, wurde 1890 als nordöstlichste Sektion des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins gegründet. Nach vielen Bemühungen kam es 1927/28 zum Bau einer Schutzhütte am Fuße des Hochkönigs oberhalb von Werfen im Pongau. Wegen der herrschenden Ausreisesperre von Deutschland nach Österreich zwischen 1933 bis 1938 und wegen des Zweiten Weltkrieges war der Zugang der Sektion zu ihrer Hütte abgeschnitten.

Erst 1952 nahmen die Mitglieder der Sektion ihre Tätigkeit wieder auf und verlegten den Sitz nach Göttingen. Ende 1952 waren 88 Mitglieder eingetragen, 1965 wurde der Sitz nach München verlegt und eine aktive Jugendgruppe gegründet. Inzwischen ist nur noch ein kleiner Teil der Mitglieder aus Ostpreußen, die Mitgliedschaft steht jedem offen. Als kleine Sektion lebt der Verein noch heute vom ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder, da hauptamtliche Kräfte nicht bezahlt werden können.

Der Wunsch nach der Errichtung einer eigenen Hütte kam in der Sektion Königsberg bald nach der Gründung auf, bereits 1894 begann man Mittel für diesen Zweck zu sammeln. Zuerst faßte man den Gedanken, mit den Nachbarsektionen Danzig und Elbing auf der Fanesalpe bei Cortina d’Ampezzo gemeinsam eine Hütte zu errichten, zwei Jahre später verdichtete sich der Plan,
den Bau auf der Pfeisalpe im Karwendel zu errichten. Beide Male mißlangen die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern.

Dann wird nach den spärlichen vorhandenen Akten erst 1922 wieder nach einem Platz für die Hütte gesucht, diesmal ist es die Inflation, die das Vorhaben scheitern läßt. Erst als 1925 der Königsberger Kaufmann Willi Müller-Reith die erst kurz zuvor erschlossene Eishöhle bei Werfen besucht und sich vom Bergführer die dortigen Berge erklären läßt, erfährt er, daß die Tour zum Hochkönig von Werfen aus in acht Stunden bewältigt werden müsse, weil es zwischendurch keine Schutzhütte gebe.

Als man den heutigen Platz am Rettenbachriedel gefunden hatte, bat man den Eigentümer des Grundstückes, Prinz Friedrich Leopold von Preußen, um die Überlassung. Am 9. November 1926 schenkte dieser der Sektion rund 2000 Quadratmeter zur Errichtung der Schutzhütte, für die am 5. März 1927 in Königsberg symbolisch der Grundstein gelegt wurde.

Die Aufteilung der Hütte hat sich bis heute bewährt, neben einer großen Gaststube, einer Küche und der Wohnung für die Wirtsleute wurden später eine kleine Gaststube und Toiletten errichtet. Am 15. Mai 1927 begann der Bau, bereits im Herbst konnten Besucher provisorisch bewirtet werden, am 25. Juli 1928 fand die feierliche Einweihung statt.

Fanden sich in den ersten Jahren rund 2500 Besucher auf der Hütte ein, so ergaben sich durch die 1933 angeordnete Reisesperre für Deutsche nach Österreich und die Kriegsjahre viele Probleme. Dennoch konnte noch während des Krieges die erste Stromversorgung mit einem Benzinmotor aufgebaut werden.

Von 1946 bis 1951 hieß die Hütte „Blindeckhütte“ und unterstand bis 1962 der treuhänderischen Verwaltung des Österreichischen Alpenvereins. 1961 errichtete man einen Lastenaufzug. Durch die Erschließung einer starken Quelle wurde 1971 die Wasserversorgung gesichert, 1989 ein separater Winterraum gebaut.

Heute ist die Hütte mit 20 Betten und 40 Lagern fast ganzjährig geöffnet, im November steht der Winterraum mit zwölf Lagern zur Verfügung. Seit Herbst 2006 übernimmt ein neu errichtetes Blockheizkraftwerk die Energieversorgung, derzeit wird das Abwassersystem durch ein mehrstufiges Pflanzenbeetfiltersystem auf den neuesten technischen Stand gebracht.

Die Ausstellung im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen ist bis Ende Juni geöffnet – Informationen sind im Internet unter www.kulturzentrum-ostpreussen.de oder unter www.alpenverein-koenigsberg.de zu finden.

Manfred E. Fritsche (KK)

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