Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1396.

Vom Riesen- ins Siebengebirge

Sommerfest im Haus Schlesien Königswinter-Heisterbacherrott

In Heisterbacherrott im Siebengebirge überm Rhein ist schlesisches Kulturerbe wohlverwahrt unter Dach und Fach, um nicht zu sagen, unter der Haube
Bild: der Autor

Es war ein Sommerfest, das seinem Namen alle Ehre machte. Bei strahlendem Sonnenschein erlebten zahlreiche Mitglieder schlesischer Landsmannschaften sowie viele Königswinterer und nicht zuletzt auch von weither angereiste Gäste im idyllischen Innenhof von Haus Schlesien einen unterhaltsamen und informativen Sonntag.

Fahnenschwenkend und teils in schlesische Trachten gekleidet, hielten Gruppen aus Velbert, Neuss, Duisburg und Bonn zu Blasmusik feierlich Einzug. Zum „Empfangskomitee“ gehörten Stephan Rauhut, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien – Nieder- und Oberschlesien e. V., und Professor Dr. Michael Pietsch, Präsident des Vereins Haus Schlesien. Mit dem diesjährigen Sommerfest wurde übrigens nicht nur eine liebgewonnene Tradition fortgesetzt, sondern zugleich ein Jubiläum gefeiert: Im Jahr 1978 hat der 1973 gegründete gemeinnützige private Verein Haus Schlesien den ehemaligen Fronhof in Heisterbacherrott erworben.

„Geistige Nahrung“ brachte Alfred Theisen aus seiner „Schlesischen Schatztruhe Görlitz“ mit. Zu sehen und zu erwerben waren u. a. aktuelle Publikationen und Informationsmaterial zu Schlesien. Reiseführer, Touristenkarten und Kalender für 2019 mit historischen und aktuellen Bezügen zur früheren Heimat weckten das Interesse der Besucher. Ein antiquarischer Büchertisch und eine Auswahl an Bunzlauer Keramik ergänzten das Angebot.

Ein Programm-Höhepunkt war für viele Gäste die Live-Vorführung des Töpfermeisters und Kunsthistorikers Bolko Peltner aus Höhr-Grenzhausen. Während der Künstler mit schlesischen Wurzeln auf der Drehscheibe formschöne Gefäße entstehen ließ, erzählte er den Zuschauern Wissenswertes über Ton und seine Verarbeitung sowie über das Töpferhandwerk im Kannenbäckerland. Die Besucher erfuhren auch Details über die typische Bunzlauer Keramik aus Schlesien. Es gab natürlich auch die Möglichkeit, „Bunzeltippel“ zu erwerben.

Viele Gäste nutzten den Besuch in Königswinter-Heisterbacherrott, um die Räumlichkeiten des Hauses näher kennenzulernen sowie mit Nicola Remig, der Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums für schlesische Landeskunde im Haus Schlesien, und mit ihren Mitarbeiterinnen ins Gespräch zu kommen. Durch die Dauerausstellung und die aktuelle Sonderschau „Neuanfang in Form und Farbe“ wurden kostenfreie Führungen angeboten.

Viel Applaus und Anerkennung erntete der schwungvolle Auftritt der „Brückenberger Trachtengruppe Bonn“ unter der Leitung von Michael Knappe. Die Gäste erfuhren auch einiges aus der Geschichte des kleinen Vereins, der 1953 von heimatvertriebenen Schlesiern in Bonn-Duisdorf gegründet wurde. Vorgestellt wurden auch die Besonderheiten der Trachten, die seinerzeit zum Teil noch aus Brückenberg im Riesengebirge mitgebracht worden waren. Bei den Auftritten wird jedoch nach dem Vorbild der mitgebrachten Trachten hergestellte Kleidung getragen.

Neben der Pflege deutscher Volkstänze und der Erhaltung der Brückenberger Tracht setzt sich die Gruppe auch für ein Europa in Freiheit und Frieden ein. Sie ist seit 1964 aktiv bei der „Europeade“ tätig. Das internationale Trachten- und Folklorefestival wird jährlich in einer anderen europäischen Stadt abgehalten. Auch über den Ort Brückenberg wurde während des Programms informiert. Der kleine Luftkurort liegt im Riesengebirge unterhalb der Schneekoppe in der Nähe der Staatsgrenze zum jetzigen Tschechien. Wahrzeichen der Stadt ist die Kirche Wang, eine über 500 Jahre alte norwegische Stabholzkirche, die vor ca. 160 Jahren als Geschenk des norwegischen Königs in Brückenberg aufgebaut wurde.

Auch der Auftritt der Tanzgruppe „Der fröhliche Kreis“ aus Bergisch Gladbach begeisterte die Gäste. Das Besondere an dieser Volkstanzgruppe unter der Leitung von Bernadette Grüne-Glattki ist, dass mehrere Generationen gemeinsam aktiv sind. Die Tänzerinnen traten in der dörflichen Bauerntracht aus dem Riesengebirge auf.

Dieter Göllner (KK)

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