Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1275.

Vom Wassertropfen bis zur Stadtgeschichte

Das alles kann man im Wasserturm zu Lyck und jetzt auch im Ellinger Kulturzentrum Ostpreußen erleben

„Lyck – Die Hauptstadt Masurens" heißt die neueste Kabinettausstellung im Ellinger Kulturzentrum Ostpreußen. Die Originale dieser Informationsschau sind seit Juni vergangenen Jahres in Lyck zu sehen.

Wie in den Städten Saalfeld, Preußisch Holland oder Stuhm in Ostpreußen sind auch die heutigen Bewohner der Stadt Lyck (polnisch Elk) an ihrer Vergangenheit interessiert.

So stellte nun das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen eine Informationsschau über 700 Jahre Stadtgeschichte der ehemaligen Hauptstadt Masurens zusammen. In Lyck selbst wurde die Ausstellung bereits im Juni letzten Jahres in dem Wasserturm aus dem Jahr 1895 der Öffentlichkeit übergeben. Diesen Wasserturm hat die deutsche Minderheit des Kreises Lyck zu einem Museum und ihrem Vereinssitz ausgebaut.

Die Geschichte Lycks begann mit der Eroberung und Christianisierung des Prußenlandes im 13. und 14. Jahrhundert. 1398 ließ dann der Ordenskomtur Ulrich von Jungingen auf einer Insel im Lyck-See ein hölzernes Ordenshaus errichten. Um 1408 wurde das mit einem Erdwall gesicherte Holzhaus zu einer steinernen Wasserburg umgebaut. Mit der Burg entstand eine Siedlung von Handwerkern, Fischern und Dienstleuten, die nach ihrer Lage am Fluß „zu Likke" benannt wurde. Am 27. Mai 1425 wurden dem Ort die Handfest nach kulmischem Recht verliehen, auf die Planungen von Hochmeister Paul von Russdorf im Jahre 1435, Stadtrechte zu verleihen, wurde in der unruhigen Zeit verzichtet.

Zu Beginn des Dreizehnjährigen Krieges (1454–1466) wurde die Burg von den Polen niedergebrannt, ab 1470 brachte die Kolonisation der „Großen Wildnis" im Osten des Ordenslandes den wirtschaftlichen Aufschwung. 1477 wurde das „Krugrecht" (Schank- und Verkaufsrecht) verliehen, und 1469 wurde erstmals ein Pfarrer erwähnt. Mit St. Katharina entstand 1472 die erste Kirche in dem damals rund 600 Einwohner umfassenden Ort.

Die wachsende Bedeutung von Lyck wurde 1513 mit der Einrichtung eines Gerichtes bestätigt. 1525 wandelte Hochmeister Albrecht von Brandenburg den Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum um und führte die Reformation ein. Die anschließende Friedenszeit war die erste Glanzzeit in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung für den Ort.

Mit der Einwanderung polnischer Protestanten kamen auch polnische Geistliche nach Masuren, darunter Johannes Maletius, der bald evangelischer Pfarrer in Lyck und 1537 Erzpriester für die Hauptämter Lyck, Oletzko, Rhein und Johannisburg wurde.

Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelt sich Lyck zum Mittelpunkt der Region, aber bereits zu Beginn des Zweiten Polnisch-Schwedischen Krieges (1655–1660) wurde die Stadt von den Schweden eingenommen und teilweise niedergebrannt. Am 9. Oktober 1656 wurde sie nach einer erneuten Schlacht fast völlig zerstört. Dennoch verlieh der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm dem Flecken bereits am 23. August 1669 die Stadtrechte sowie das Wappen mit dem doppelten Januskopf, das den Wächterstatus gegen Polen und Litauen dokumentieren soll. In der wirtschaftlichen Hierarchie stand Lyck um 1700 an 27. Stelle unter den preußischen Städten. Durch mehrere Brände und die Pestepidemie 1709–1711 starben ca. 1300 der 2000 Einwohner, bis 1800 hatte sich der Einwohnerstand wieder auf 2243 erholt. 1742 wurde Lyck nach dem Bau einer Kaserne Garnisonsstadt. Während des Krieges 1806/1807 besetzten die Franzosen den Ort, den sie auch 1812 nach der Niederlage gegen Rußland durchzogen. Am 19. Januar 1813 wurde der russische Zar Alexander I. als „Befreier des Vaterlandes" begrüßt.

1818 wurde Lyck Sitz des Kreises im Regierungsbezirk Gumbinnen, um 1850 galt der Ort mit etwa 4250 Einwohnern als die bevölkerungsreichste und schönste Stadt Masurens. In diese Jahre fällt auch die verkehrsmäßige Erschließung. In der Folge erhöhte sich die Einwohnerzahl bis 1890 auf rund 10000 Personen. 1895 wurde der Wasserturm errichtet, es folgte eine Gasanstalt, ein Finanzamt und ein Krankenhaus. Der Bau der Kanalisation wurde 1905 abgeschlossen und 1906 eine neue Feuerwache bezogen. Mit dem Sitz des Landratsamtes, des Landgerichtes, einem Gymnasium und einem Lehrerseminar galt die Stadt bereits damals als „Hauptstadt Masurens".

Im August 1914 marschierten russische Truppen kampflos in Lyck ein, nach der Schlacht bei Tannenberg vom 23. bis zum 31. August übernahmen die deutschen Truppen wieder die Stadt. Anfang Oktober war die Stadt erneut in russischer Hand, am 13. Oktober gelang den deutschen Truppen die Befreiung. Die dritte russische Besetzung erfolgte am 7. November, und erst die „Winterschlacht in Masuren" vom 7. bis zum 15. Februar 1915 unter General Litzmann brachte die endgültige Befreiung von den Russen.

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg entschied eine Volksabstimmung nach dem Versailler Vertrag am 11. Juli 1920 für den Verbleib des Masurenlandes bei Deutschland, die wirtschaftliche Entwicklung jedoch stagnierte und erholte sich erst Mitte der 20er Jahre. Nach der Machtübernahme durch die NSDAP am 30. Januar 1933 nahm der wirtschaftliche Aufschwung zu, besonders durch die wachsende Garnison ab 1934.

Lyck und seine Umgebung sind reich an landschaftlichen Schönheiten: bewaldete Anhöhen wie die Schedlisker und die Tataren-Berge, romantische Orte und prächtige Aussichten über die Seen. Heute ist sie auch touristisch erschlossen. Am Seeufer entlang verläuft die schön gepflegte Promenade, an der sich das kulturelle Leben der Stadt konzentriert. Man braucht nur ein Ruderboot, um die erholsame Stille mitten auf dem See genießen zu können. Auf der Insel sind die Ruinen der Kreuzritterburg, um die herum die Stadt gegründet worden war.

Seit 1992 ist Lyck Bischofssitz, die St.-Adalbert-Kathedrale ist Ziel vieler Pilgerfahrten. Großer Wert wird auf ökologische Politik gelegt, als Symbol für die Stadt steht ein Storch – Störche sind Stammgäste in der wasserreichen Umgebung. Mehrere Kajakrouten, Fahrrad- und Wanderwege führen durch Hügelmasuren, und mit der Schmalspurbahn kann man das Umland erkunden. Und dann gibt es noch den Lycker Wasserturm, in dem das „Museum des Wassertropfens" untergebracht und diese Ausstellung zu sehen ist. Im Kulturzentrum Ostpreußen im Deutschordensschloss Ellingen kann man sie bis Ende Juni besichtigen.

Manfred E. Fritsche (KK)

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