Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1378.

„Von Anfang an ein Wunder“

Seit 70 Jahren kämpft „Kirche in Not“ gegen die Not

Der „Speckpater“ macht seinem Ehrennamen Ehre: Werenfried van Straaten
Bilder: „Kirche in Not“

Die Päpstliche Stiftung „Kirche in Not“ hat Grund zum Feiern: Das weltweite katholische Hilfswerk gibt es seit 70 Jahren. Über seinen Gründer ist das Hilfswerk eng mit den Marienerscheinungen im portugiesischen Fatima verbunden, die 100 Jahre zurückliegen. „Unser Werk war von Anfang an ein Wunder: Es bewirkte in unzähligen Menschen die Kraft zu Vergebung und eine bedingungslose Großherzigkeit“, erklärte Johannes Freiherr von Heereman, geschäftsführender Präsident des Hilfswerks.

„Kirche in Not“ war das Lebenswerk des niederländischen Ordensmannes Pater Werenfried van Straaten (1913–2003). Im Dezember 1947 schrieb er für die Zeitschrift der Prämonstratenser-Abtei Tongerlo in Belgien einen Beitrag mit dem Titel „Kein Platz in der Herberge“. Darin schilderte er drastisch die Not der Bevölkerung in Nachkriegsdeutschland, besonders der Millionen Heimatvertriebenen: „Im Gedränge der Gleichgültigkeit und Ich-Süchtigen suchen sie nach einem menschenwürdigen Leben oder nach einer Unterkunft. Sie suchen voller Angst und Ratlosigkeit … Aber es gibt keinen Platz für sie. Das ist Christi Not. Oder glaubt ihr, Christi Leben sei hier nicht in Not?“

Van Straaten rief Belgier und Niederländer auf, die Not der Nachbarn zu lindern – in einer Zeit, in der die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs und die Greueltaten der deutschen Besatzer vielen noch in lebendiger Erinnerung waren. „Die Hilfe sollte von Anfang an nicht nur dazu dienen, die unmittelbare Not zu lindern, sondern den Hass zu überwinden. Gerade wir Deutsche sollten Pater Werenfried das nie vergessen“, so die Geschäftsführerin von „Kirche in Not“ Deutschland, Karin Maria Fenbert.

Anfangs sammelte Pater Werenfried bei den niederländischen und belgischen Bauern in erster Linie Nahrungsmittel für unterernährte Heimatvertriebene und hungernde Kinder. Dies trug ihm den Spitznamen „Speckpater“ ein, den er zeitlebens mit Stolz trug. Seine nächste Sorge galt der seelsorgerlichen Betreuung der sechs Millionen vertriebenen Katholiken, die zum Teil in rein evangelischen Gebieten ohne eigene Kirchen und Pfarrer untergebracht waren. Mit der Aktion „Ein Fahrzeug für Gott“ ließ er gebrauchte Busse und LKWs zu fahrbaren Kapellen umbauen. 1953 rief van Straaten den „Internationalen Bauorden“ ins Leben, um Studenten zu motivieren, in Deutschland Flüchtlingen und Vertriebenen beim Bau von Eigenheimen zu helfen.

Geistliche Erquickung auf Rädern: Mit der Aktion „Ein Fahrzeug für Gott“ ließ Werenfried van Straaten, hier bei seiner Predigt, Busse und LKWs zu fahrbaren Kapellen umbauen

Das Werk wuchs und weitete unter dem Namen „Ostpriesterhilfe“ seine Tätigkeit auf die Länder hinter dem Eisernen Vorhang aus. „Ziel war, den verfolgten Christen geistlich wie materiell beizustehen und dazu beizutragen, dass die Kirche auch unter unmenschlichen Bedingungen ihren pastoralen Auftrag erfüllen kann“, erklärte Karin Maria Fenbert. Auch sollte die „Kirche des Schweigens“ im kommunistischen Machtbereich eine weltweit hörbare Stimme bekommen. Dazu trugen Veröffentlichungen über inhaftierte Bischöfe, zerstörte Klöster und Repressalien gegen Gläubige ebenso bei wie jährliche Kongresse unter dem Motto „Kirche in Not“ – später der Name für das gesamte Hilfswerk.

Auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Johannes XXIII. wurde Anfang der sechziger Jahre auch Lateinamerika in die Hilfsprogramme aufgenommen; die Kirche auf dem afrikanischen Kontinent kam kurz darauf hinzu. Als 1990 der Eiserne Vorhang fiel, trat Papst Johannes Paul II. an Pater Werenfried mit der Bitte heran, auch die russisch-orthodoxe Kirche bei ihrer Aufbauarbeit zu unterstützen. Beide Männer verband zeitlebens eine tiefe Freundschaft – ebenso wie eine innige Marienverehrung.

„Pater Werenfried hat die Gründung seines Werkes als Antwort auf die Botschaft der Marienerscheinungen von Fatima verstanden, die vom Triumph über den Kommunismus sprechen“, erklärte Karin Maria Fenbert. Auch hat er das Werk mehrmals der Gottesmutter von Fatima geweiht, zum ersten Mal zusammen mit Wohltätern im Jahr 1967, also vor 50 Jahren. Im September lädt „Kirche in Not“ seine Wohltäter anlässlich dieser Jubiläen zu einer Wallfahrt nach Fatima ein – auch, um sich das Charisma des Ursprungs wieder bewusst zu machen, so Fenbert. „Pater Werenfried hat ,Kirche in Not‘ von Anfang an auch als geistliche Bewegung verstanden. Hilfe für die verfolgten Christen und Einsatz für die Neuevangelisierung sind die beiden Lungenflügel, mit denen unser Werk atmet. Das ist nicht voneinander zu trennen.“

„Kirche in Not“ unterstützt heute jährlich mehr als 5000 Projekte in über 140 Ländern der Welt und unterhält 23 Nationalbüros. Ein besonderer Schwerpunkt liegt derzeit auf der Hilfe für die Christen im Nahen Osten, die unter Krieg und Terror leiden. In der kommenden Fastenzeit wird das Hilfswerk zudem in einer weltweiten Kampagne dazu aufrufen, die junge und vitale, aber materiell arme Kirche auf dem afrikanischen Kontinent zu unterstützen.

In seine Arbeit für die verfolgte Kirche gibt Pater Werenfried in seinen beiden autobiografischen Büchern Einblick: „Sie nennen mich Speckpater“ und „Wo Gott weint“. Das reich illustrierte Buch „Danke, Pater Werenfried“ lässt das Lebenswerk des Gründers von „Kirche in Not“ lebendig werden (Preis der Bücher je 5 Euro). Predigten und Aussagen von Bischöfen und Kardinälen über Pater Werenfried sind gesammelt in dem Buch „Pater Werenfried – ein Meister der Hoffnung“ (3,50 Euro). Die Bücher können einzeln oder im Paket zum Sonderpreis von 10 Euro (jeweils zzgl. Versandkosten) bestellt werden – online unter shop.kirche-in-not.de oder bei Kirche in Not, Lorenzonistraße 62, 81545 München, Telefon 089 / 64 24 888 0, kontakt@kirche-in-not.de.

(KK)

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