Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1330.

Von den Magyaren bis zu Mahatma

HDO-Tagesfahrt nach Königsbrunn

MagyarenIn den siebziger Jahren waren zwei Drittel der Einwohner der Stadt Königsbrunn bei Augsburg Heimatvertriebene. Die Ortsgruppe der Sudetendeutschen hatte die meisten Mitglieder in ganz Schwaben. Das allein wäre ein Grund für das Münchner Haus des Deutschen Ostens gewesen, im Rahmen der dreimal jährlich durchgeführten Tagesfahrten „Ostdeutsche Kultur vor Ort“ das 1967 zur Stadt erhobene Königsbrunn mit heute rund 28 000 Einwohnern zu besuchen.

Unbestritten – und der temperamentvolle und engagierte Bürgermeister Ludwig Fröhlich sagt es mehrmals – haben die Heimatvertriebenen mitgeholfen, aus einem verschlafenen, armen Straßendorf eine attraktive Stadt zu machen. Und es gibt weitere Pläne, so für ein deutschungarisches Begegnungszentrum. Königsbrunn liegt am Lechfeld, wo 955 ein Reichsheer unter Führung von Kaiser Otto dem Großen die Ungarn schlug, die fortan nie mehr in Süddeutschland einfielen. Ob der heilige Bischof Ulrich dabei war oder in Augsburg für einen glücklichen Ausgang der Schlacht betete, liegt ebenso im Dunkel der Geschichte wie der genaue Ort des blutigen Ringens.

Königsbrunn jedenfalls nennt sich „Stadt am Lechfeld“ und zeigt im Foyer des modernen Rathauses ein Diorama der Schlacht mit 7000 Zinnfiguren. Neben dem Diorama steht eine Jurte mit den entsprechenden frühmittelalterlichen Waffen und Gewändern der Magyaren.

Im Foyer und dem angrenzenden Schauraum stehen wie auch in der Stadt Skulpturen des galizischen Bildhauers Gregor Kruk (1911–1986), der nach 1945 nicht nach Lemberg zurückkehren konnte und in Königsbrunn eine neue Heimat fand. Aus Dank vermachte er der Stadt seinen Nachlass. Im Foyer „sitzt“ überlebensgroß Mahatma Ghandi. Skulpturen eines orthodoxen Priesters, von Klosterfrauen und Bäuerinnen zeigen, wie sehr Kruk Galizien und der Orthodoxie verbunden blieb.

Im städtischen Lechfeldmuseum erinnert man an die Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben und Deutschen aus Russland, die an der Entwicklung von Königsbrunn tatkräftig mitgewirkt haben. Als Dank an die Sudetendeutschen hat die Stadt 1971 die Patenschaft für sie übernommen und im Museum ein allerdings aus allen Nähten platzendes Liebenau-Zimmer eingerichtet.

„Wo liegt Liebenau?“, wurde von den Besuchern aus München gefragt. Tatsächlich ist es auf der Landkarte der Heimatstube nicht verzeichnet, es liegt in der Nähe von Reichenberg. Nötig wäre nicht nur eine bessere Karte, sondern auch eine Neugestaltung der steilen schiefen Ebene zum Liebenau-Museum. Was Heimatvertriebene als Brückenbauer heute leisten, zeigt u. a. der jetzige Schlüssel zur Friedhofskapelle in Liebenau, die von den Deutschen renoviert wurde.

Norbert Matern (KK)

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