Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1241.

Von jenseits der Wälder, nicht hinterwäldlerisch

Die Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtage bringen manches Frische  in die Hauptstadt des Patenlandes Nordrhein-Westfalen

Die Auftaktveranstaltung der Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtage 2007 war ein Festakt im Düsseldorfer Landtag, der dem 50jährigen Jubiläum der Patenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen für die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen gewidmet war. Festredner Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, Staatssekretär für Kultur, würdigte das Engagement der Vertriebenen und Aussiedler und blickte optimistisch in die Zukunft: „Sie haben hier in Nordrhein-Westfalen eine siebenbürgische Gemeinschaftsleistung, vor allem in Drabenderhöhe (…), erbracht, die sich sehen lassen kann, die für uns heute geradezu als Vorbild dienen kann.“ Zahlreiches Publikum – darunter Landtagsabgeordnete aus allen Fraktionen sowie Vertreter der Landsmannschaft und viele Ehrengäste – wohnte der Feierstunde bei, die von einem bunten kulturellen Rahmenprogramm begleitet wurde. Zu den Mitwirkenden gehörten die Vereinigten siebenbürgischen Blaskapellen von Nordrhein-Westfalen unter der Leitung von Klaus Barthelmi und Uwe Brandt, der Honterus-Chor Drabenderhöhe und der Stephan-Ludwig-Roth-Chor Setterich unter der Leitung von Regine Melzer beziehungsweise Hans Scheilen, die von Christa Brandsch-Böhm geleitete Kinder- und Jugendtanzgruppe Drabenderhöhe und die Tanzgruppe der Bruder- und Schwesterschaft Setterich.

Das Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus war der bewährte Ort weiterer Programmpunkte, die der Patenschaft, der siebenbürgischen Kunst und Literatur sowie Hermannstadt, neben Luxemburg europäische Kulturhauptstadt 2007, gewidmet waren. Volker Dürr, der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, führte in die mit Landesmitteln geförderte Kunstausstellung „Ausbruch aus der Tradition – Malerei der siebenbürgischen Moderne“ des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim ein.

Die Präsentation vermittelte einen Überblick des Kunstschaffens in der historischen Provinz Siebenbürgen, einem multiethnischen Landstrich am östlichen Rande der Donaumonarchie, in der Zeit politischer und gesellschaftlicher Umbrüche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es waren vor allem junge Künstler, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert den Ausbruch aus der Enge ihrer siebenbürgischen Heimat wagten und die Verbindung zu der kosmopolit-europäischen Kunst-Avantgarde anstrebten. Die im Gerhart-Hauptmann-Haus ausgestellten Werke aus dem Siebenbürgischen Museum Gundelsheim, aus der Galerie Suciu in Ettlingen/Karlsruhe und aus anderen Privatsammlungen in Deutschland stellten ein Kunstschaffen vor, das dem europäischen Vergleich auf hohem Niveau standhält, betonte Dürr und würdigte zugleich das Engagement der beiden Kuratoren der Ausstellung, Irmgard Sedler und Marius Tataru.

Die Bundesfrauenreferentin der Landsmannschaft, Enni Janesch, stellte die Fotoausstellung „50 Jahre Patenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen für die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen“ vor. Die Jugendgruppe Köln bot eine gelungene Aufführung des humorvollen Stückes „Die Verwechslung“.
Rund um „Hermannstadt – Europäische Kulturhauptstadt 2007“ gab es einen interessanten Vortrag der Chefredakteurin der „Hermannstädter Zeitung“, Beatrice Ungar, einen Film von Dumitru Budrala, „Hermannstadt 2007. Stadt der Kultur. Stadt der Kulturen“ und eine Ausstellung zur „Europäischen Kulturlandschaft Rumänien“. Letztere ist als Gemeinschaftsprojekt erarbeitet worden vom Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, dem Museum Europäischer Kulturen Berlin, dem Ethnographischen Museum Kronstadt (Rumänien), der Kulturreferentin für Südosteuropa am DZM, dem Nationalmuseum für die Geschichte Rumäniens Bukarest, dem Auswärtigen Amt Berlin, der Rumänischen Botschaft Berlin und dem Deutsch-Rumänischen Forum Berlin.

Lesungen des Schriftstellers Franz Hodjak, des Autors, Literaturkritikers und Übersetzers Georg Aescht sowie der Beitrag von Marianne und Heinz Acker mit Auszügen aus Gregor von Rezzoris „Maghrebinischen Geschichten“ erfreuten sich ebenso guter Resonanz wie das Filmprojekt „Wir wollen bleiben, was wir sind – Mer wällen bleiwen, wat mer sen“ des Regisseurs Günter Czernetzky und das Orgelkonzert des Klausenburger Organisten Erich Türk in der Düsseldorfer Neanderkirche.

Dieter Göllner (KK)

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