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Ausgaben: Ausgabe 1274.

Was die Spatzen vom Dom pfeifen

Der Komponist Georg Friemel aus Görlitz schreibt für den berühmten Regensburger Knabenchor und für viele andere

Seine Werke werden in vielen Ländern aufgeführt. Denn er komponiert immer wieder für zwei Ensembles, die weltweit auf Tour sind. Die Rede ist von dem in Waldetzenberg beheimateten Komponisten Georg Friemel, der – als früherer Lehrer am Gymnasium der Regensburger Domspatzen – spezielle Werke für diesen Knabenchor schreibt. Aber auch mit dem weltbekannten Vokalensemble „Singer pur", dessen fünf Mitglieder ehemalige Domspatzen sind, arbeitet er zusammen.

Sozusagen auf den Leib beziehungsweise die Stimmen (Sopran, drei Tenöre, Bariton, Baß) hat Friemel eine zeitgemäße Version des Volksliedes „Feinslieb, du sollst mir nicht barfuß gehn" für das Ensemble Singer pur geschrieben. Das in der ganzen Welt konzertierende Ensemble nahm diesen Satz auf seiner CD „SOS. Save our songs. Deutsche Volkslieder neu arrangiert" auf. „Die Sänger von Singer pur waren zum Teil meine Schüler. Sie schrieben mich an und wollten etwas Besonderes", erinnert sich Friemel an diesen ganz speziellen Auftrag. Da die Bearbeitung für „Singer pur" für durchschnittliche Chöre wenig praktikabel ist, schrieb Friemel den Satz für sechsstimmigen gemischten Chor um.

Speziell für die Regensburger Domspatzen hat Friemel einen Satz des aus dem Elsaß stammenden Liedes „Es kommt ein Schiff geladen" erarbeitet, in dem im Verlauf des Stückes alle vier Singstimmen (Sopran, Alt, Tenor und Baß) aufgeteilt werden. Auch dieses Adventlied ist kompositorisch auf die Gegebenheiten der Domspatzen abgestimmt. Dennoch hat Friemel nichts dagegen, wenn sich auch durchschnittliche Kirchenchöre an dieses im Jahre 2005 erschienene Opus wagen. Für die Domspatzen hat er außerdem einen Satz zu dem Kirchenlied „Gott, heiliger Schöpfer aller Stern" geschrieben.

Großen Wert legt Friemel auf die Auswahl der Texte, die er in Musik umzusetzen gedenkt. Sie sollten Aussagekraft besitzen, wie beispielsweise jene Antoine de Saint-Exupérys, Rainer Maria Rilkes, Werner Bergengruens, aber auch Joachim Ringelnatz’.

Doch auch für den Frauensingkreis seines Wohnortes oder für bestimmte Anlässe komponiert der 1932 in Görlitz geborene und als Jugendlicher aus seiner Heimat vertriebene Friemel. Meist sind es dann eigene Texte, die er in einfache Strophen und Refrains setzt wie etwa das Lied „Ihr sollt ein Segen sein" (für den ökumenischen Kirchentag), „Alles hat seine Zeit", „Wenn du aufwachst in der Früh" (als Morgenlied in der Schule geeignet) oder „Sieh, ein Stern geht auf". Zum 70. Geburtstag des früheren Diözesankirchenmusikdirektors Erich Weber aus Regensburg hat Friemel eine Cäcilien-Antiphon „Cantantibus organis", d.h. eine Motette für fünfstimmigen Chor, komponiert, die in der Festschrift für den Jubilar veröffentlicht wurde.

Auch wenn er es mit seinen 76 Jahren etwas ruhiger angehen läßt, das Komponieren liegt Georg Friemel nach wie vor im Blut. Und die jüngsten Kompositionen zeigen, daß er nichts von seinem Können und seiner Gestaltungskraft verloren hat – egal ob achtstimmige Sätze für die Domspatzen, Bearbeitungen für das Vokalensemble Singer pur oder Werke für den Alltag in Kirche und einfachen Gesangsgruppen. Es ist einfach „Komposition pur"!

Markus Bauer (KK)

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