Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1357.

Was nicht bei Friedrich Schiller steht

Münchengrätz als Tagungsort der Heiligen Allianz

Was-nicht-beiAls der königliche Kämmerer Markwart um 1177 an der Stelle eines Burgwalles ein Kloster mit Mönchen aus Plaß gründete, konnte er die wechselvolle Geschichte des Klosters und Schlosses nicht ahnen. Diese kann man dem Buch „Panorama der österreichischen Monarchie“ von 1846 oder dem Band „Böhmen und Mähren“ von 1998 entnehmen.

Die böhmischen Adligen der Markwartinger, der Wartenberg und Waldstein (der Stammsitz „Waldstein“ liegt in Nordböhmen zwischen Turnau und Groß-Skal im Bunzlauer Kreis, im 16. Jahrhundert als Ruine genannt, im 19. Jahrhundert von Lexa von Aehrenthal in neogotischem Stil wiederaufgebaut) folgten ihren Fürsten im Landesausbau durch die Gründung von Klöstern, Städten und Dörfern, wobei sie häufig deutsche Siedler ins Land riefen. Schon 1420 aber wurde das Kloster Mnichovo Hradište, etwa 13 Kilometer von Jungbunzlau gelegen, von den Hussiten zerstört, kam aber dann wieder an die Waldsteiner.

Der Besitzer Wenzel Budowa konnte sich nicht lange seines Eigentums erfreuen, denn er wurde 1621 als Mitglied des Ständeaufstands enteignet und hingerichtet. Die Güter kaufte Albrecht von Waldstein (Wallenstein), nach dessen Ermordung fielen sie an die Krone, bis Graf Max von Waldstein sie 1641 zurückerhielt. Der Ort und das Schloss blieben bis zur erneuten Enteignung 1945 durch die Beneš-Regierung mit den Grafen Waldstein verbunden.

1785 waren die sterblichen Überreste Albrecht von Wallensteins in der Gruft der St. Annakirche des ehemaligen Kapuzinerklosters im Schlosspark zu Münchengrätz beigesetzt worden. Albrecht Wenzel Eusebius wurde am 14. September 1583 in Prag geboren, trat zum Katholizismus über und leistete Kriegsdienst im kaiserlichen Heer. Nach der Erhebung in den Grafenstand und zum Herzog von Friedland brachte er es als einziger des Adelsgeschlechtes zum Reichsfürsten und Generalissimus. Schon zu Zeiten König Ottokar Premysl (1278) dienten insgesamt vierundzwanzig Waldsteiner im Heer!

Im September 1833 war Münchengrätz Tagungsort eines Kongresses im Rahmen der Heiligen Allianz. Der Gastgeber, Graf Christian von Waldstein, konnte Kaiser Franz I. von Österreich mit seiner Frau Caroline Auguste, Zar Nikolaus I. von Russland, Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, den Großherzog von Weimar mit Gattin und viele weitere hochrangige Gäste begrüßen. Man aß gemeinsam, tagte und feierte, besichtigte die Gegend, beteiligte sich an Jagden und Manövern.

Als Münchengrätzer Kongress ging dieses Treffen in die Geschichte Europas ein.
In der Bibliothek des Schlosses ist heute unter anderem die Verlassenschaft Giacomo Casanovas aus dem Waldstein-Schloss Dux zu besichtigen. Und Hochwürden Pater Angelus Waldstein betreut seit der Vertreibung die Sudetendeutschen aus Hirschberg vom Kloster Ettal aus.

Rüdiger Goldmann (KK)

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