Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1261.

Wasser für Leidende – und auf die Mühlen von Kneipp

Bilder schlesischer Kurorte im Haus Schlesien

Königin Luise und Zar Alexander ließen sich dort kurieren. Goethe wurde auch gelegentlich gesehen, und der junge Chopin fand Zuhörer für seine ersten öffentlichen Konzerte. Auch der schlesische Dichter Karl von Holtei lebte zeitweilig dort. Die Rede ist von schlesischen Kurorten, die nicht allein mit Schwefelquellen und frischer Luft aufwarteten, sondern auch durch Parkanlagen oder Nachtmusik in erlesenen Tanzsälen die gekrönten Häupter und den Hochadel berauschten.

Die Ausstellung „Schlesische Kurorte“, die derzeit in Haus Schlesien von Königswinter besichtigt werden kann, ist mit Hilfe der Studenten des Lehrerkollegs Oppeln/Opole entstanden, die bereits mehrfach Haus Schlesien besucht haben. Es ist bereits die vierte zweisprachige Ausstellung, die Studenten dieses Kollegs erstellt haben. Auf Tafeln werden zeitgenössische und historische Fotografien schlesischer Kurorte, Badehäuser und Kurparks gezeigt.

In der Auswahl sind bekannte Kurorte wie zum Beispiel Bad Salzbrunn oder Bad Landeck ebenso enthalten wie die vergessenen Oppelner Bäder bis hin zu dem früher österreichischen Gräfenberg. Die Beschreibung der Heilverfahren führt ein in das unvergeßliche Klima – auch im übertragenen Sinn – der Kurortlandschaft. Ein sommerlich-abendliches Rendezvous kann beim Anblick der Bäderarchitektur erahnt werden. Reizvoll war für die Gäste die Lage der Kurbäder in malerischen Bergregionen wie dem Riesengebirge oder Heuscheuer Gebirge.

In Verbindung mit dieser „heilbringenden“ Landschaft sei noch ein sinnfälliges Zitat erwähnt: „Der wahre Arzt wohnt im Menschen selbst, ich unterstütze nur die Natur, und diese heilt dann die Krankheit von selbst“, pflegte der schlesische Bauernsohn und Wasserdoktor Vinzenz Prießnitz aus Gräfenburg zu sagen. Heute wissen nur wenige, daß dieser Schlesier der Vater der Hydrotherapie ist und der berühmte Sebastian Kneipp ihn kopierte, ohne die Quelle anzugeben.

Eine weitere Ausstellung im Haus Schlesien war vor kurzem der Grafschaft Glatz gewidmet. Gezeigt wurden Schlösser und Parkanlagen, die in dieser Region Schlesiens besonders zahlreich vertreten sind. Besorgniserregend ist allerdings ihr Zustand.

Arne Franke, der Kurator der Ausstellung, hatte in seinem Einführungsvortrag darauf verwiesen, daß die Schlösser und Herrenhäuser in der Grafschaft Glatz ein gefährdetes Kulturerbe darstellen. Anhand der Entwicklungsgeschichte von zehn Schlössern und Burgen wurde deutlich, daß die meisten Denkmäler in einem stark restaurierungsbedürftigen Zustand sind wie zum Beispiel die Schlösser Eckersdorf und Grafenort oder gar nicht mehr erhalten wie Schloß Hasslitz und Schloß Wallisfurth.

Hauptbestandteil der Präsentation war die Wanderausstellung „Ein vergessenes Arkadien“ von Monumenta Silesiae e.V., die in Zusammenarbeit mit dem Museum des Glatzer Landes aus Glatz und dem Denkmalamt in Waldenburg entstanden ist.

(KK)

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