Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1216.

Wenn Soldaten Dichterinnen lauschen

Sechs junge deutschschreibende Autorinnen aus Rumänien bei einem Symposium an der Akademie der Bundeswehr in Straußberg

Die Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr in Straußberg bei Berlin schmückte ihre Tagung mit 30 Journalisten, Autoren und anderen Multiplikatoren zum Thema Gewaltkonflikte und Kommunikation originellerweise mit sechs deutschsprachigen Schriftstellerinnen aus Rumänien. Aus Temeswar war eine Gruppe von Mitgliedern der Literaturvereinigung „Stafette“ eingeladen worden. Ihre beiden Vorsitzenden Dr. Annemarie Podlipnyi-Hehn und Lorette Bradiceanu-Persem sowie Henrike Bradiceanu-Persem haben bereits mehrere Eigenbände veröffentlicht und sind Mitglieder der Temeswarer Filiale des rumänischen Schriftstellerverbandes.

Die jüngeren Mitglieder der „Stafette“ haben sich trotz ihrer Jugend durch literarische und journalistische Veröffentlichungen in zehn Sammelbänden und in der regionalen „Banater Zeitung“ zu Wort gemeldet. Bianca Barbu ist Schülerin der zwölften Klasse des deutschsprachigen Nikolaus-Lenau-Gymnasiums in Temeswar, während die drei jüngsten Autorinnen, Teodora Miu, Sandra Manu und Aurelia Bonchis, alle 1989, im Jahr des Umbruchs in Rumänien geboren, mit ihren 17 Jahren die elfte Klasse desselben Gymnasiums besuchen. Für sie war dieser vielfältig anregende Besuch  in Deutschland ein erstes längeres Auslanderlebnis.

Ein Höhepunkt für die Autorinnen aus Rumänien war die abschließende Lesung im rumänischen Kulturinstitut Titu Maiorescu in Berlin. Sie wurden von ihrer Nestorin Annemarie Podlipnyi-Hehn in ihrer Entwicklung als Schreibende einfühlsam vorgestellt.

Die Palette der Texte reichte vom Dramatischen über das Lyrische bis zum Komischen. Besonders erfreulich fiel dabei auf, daß jede der Autorinnen auch an gelungenen Anspielungen, Nuancierungen und Formulierungen der anderen sichtlich Vergnügen hatte und somit ein unter Literaten leider viel zu selten anzutreffender kameradschaftlicher Gruppengeist die Lesung prägte, als zum Beispiel Bianca Barbu in ihrer Humoreske über die Spinnenfeindlichkeit sogar den Hollywood-Horrorfilm „Arachnophobia“ – Spinnenfeindlichkeit – in mit spitzer Feder formulierten Alltagsgrotesken ad absurdum führte oder Lorette Bradiceanu-Persem in ihrem Text „Zwischenwelten“ die Strapazen der Übergangsgesellschaft zu bewältigen sich anschickte. Die rundete sich die Lesung zu einem kleinen, aber eigenwillig erfrischenden Ereignis.

Ingmar Brantsch (KK)

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