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Ausgaben: Ausgabe 1215.

Wie die Welt ins Bild kommt

Die Ausstellung „Menzel in Dresden“ zeigt die Gier des Meisters nach der Form und seine Virtuosität in deren Aneignung

Das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zeigt zur Jahreswende bis zum 20. Februar eine Ausstellung, die sich als Beitrag zum 800jährigen Jubiläum Dresdens im Jahr 2006 versteht: „Menzel in Dresden“.

Sie umfaßt zum einen die anläßlich der Besuche von Adolph Menzel entstandenen Zeugnisse einer über 50 Jahre währenden künstlerischen Auseinandersetzung mit der Elbestadt. Sein besonderes Interesse galt den barocken Bauten, allen voran dem Zwinger, und den Dresdner Kunstschätzen.

Adolph Menzel (1815–1905) hat Dresden immer wieder besucht, um in der Elbestadt zu zeichnen. Erstmals führte ihn 1840 ein Auftrag hierher. Für die Illustration der sächsischen Episoden von Franz Kuglers berühmter „Geschichte Friedrichs des Großen“ suchte Menzel nach Schauplätzen und historischen Zeugnissen. Danach besuchte er die Stadt immer wieder, insgesamt dreizehnmal. Die bei diesen Gelegenheiten entstandenen Werke, die heute vornehmlich im Berliner Kupferstichkabinett sowie in zahlreichen anderen Sammlungen bewahrt werden, sind nun erstmals am Ort ihrer Entstehung zu sehen.

Waren die 1840 entstandenen Zeichnungen noch als Arbeitsmaterial für Kuglers Buch gedacht, so zogen die historischen Kostüme, die Waffen und Jagdutensilien Adolph Menzel über die Jahre hinweg immer stärker in ihren Bann. Besonders interessierte er sich für die Bestände des Historischen Museums, der heutigen Rüstkammer. Zu sehen sind deshalb auch Exponate aus der Rüstkammer und dem Kunstgewerbemuseum, die er im damaligen Historischen Museum zeichnete. Ein besonderer Reiz der Ausstellung besteht gerade in der Gegenüberstellung der Zeichnungen mit den Objekten, die er festgehalten hat. Auf diese Weise läßt sich die besondere Qualität seiner präzise beobachtenden und zugleich genial erfassenden Studien unmittelbar nachvollziehen.

Dresden brachte seinerseits dem Künstler großes Interesse entgegen. Das läßt sich vor allem an den für die Dresdner Kunstsammlungen erworbenen Arbeiten ablesen. Sie machen den zweiten Teil der Ausstellung aus. Im Zentrum stehen hier Menzels letztes großes Ölgemälde, die „Piazza d’Erbe in Verona“ von 1884 (Galerie Neue Meister) und die zugehörigen Studien- und Modellzeichnungen. Das Ölgemälde wurde im Todesjahr des Künstlers vor genau einhundert Jahren durch die Gemäldegalerie angekauft. Bereits 1886 erwarb das Kupferstich-Kabinett 13 Zeichnungen, darunter neun Vorzeichnungen zu Figuren des Bildes – herausragende Zeugnisse der virtuosen Zeichenkunst Menzels. Noch im Jahr 2000 konnte eine Modellstudie zur „Alten Frau“ hinzugewonnen werden. Durch die Präsentation des Gemäldes zusammen mit zahlreichen vorbereitenden Zeichnungen wird die künstlerische Arbeitsweise Menzels eindrucksvoll veranschaulicht.

Gezeigt werden insgesamt 170 Werke von Adolph Menzel, überwiegend Zeichnungen, aber auch drei Skizzenbücher, 17 graphische Werke sowie sechs Gemälde und Ölstudien, darunter das berühmte „Nymphenbad im Dresdner Zwinger“ als Leihgabe der Hamburger Kunsthalle.In der Ausstellung ist auch Menzels 1867 entstandenes Gemälde „Ein Nachmittag im Tuileriengarten“ zu sehen. Nachdem es der Freistaat Sachsen und mithin auch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Juni vorigen Jahres an die Erben der ehemaligen jüdischen Eigentümerin restituiert hatten, konnte es der amerikanische Kunstsammler Dr. Alfred Bader von dieser Erbengemeinschaft erwerben. Wie bekannt ist, beabsichtigt Bader, das Gemälde an die National Gallery in London weiterzuveräußern. Diese hat sich zu dem Erwerb entschlossen. Unbeschadet der Bewertung dieser Transaktion durch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist es ein Grund zur Freude, daß die National Gallery sich bereit erklärt hat, das Gemälde für diese Ausstellung zur Verfügung zu stellen, für die es schon vor der Restitution vorgesehen war.

(KK)

 

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