Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1401.

Wie fern ist denn noch Europa?

Buchvorstellung mit Monsignore Anton Otte in Prag

Zwiesprache über zweisprachige Gespräche mit dem Buch, in dem sie stehen: Anton Otte (r.) mit Josef Beránek
Bild: der Autor

In diesem Sommer kann Monsignore Anton Otte sein 80. Wiegenfest feiern und auf ein wechselhaftes Leben zurückblicken. Dieses und damit sein Wirken und sein Einsatz vor allem für die deutsch-tschechische Versöhnung ist nun in dem Buch „Fernes Europa?“ dokumentiert, das kürzlich in Prag vorgestellt wurde. Anhand von Interviews, die der Publizist Josef Beránek mit ihm führte, wird Ottes Vita ausführlich nachgezeichnet. Unterstützt wurde die zweisprachige Buchpublikation von Renovabis und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

Schon die vielen Gäste aus Deutschland, Tschechien und Österreich, die in den Räumen des Kollegiatskapitels der Buchpräsentation beiwohnten, sind ein Beleg für die Wertschätzung, derer sich der Autor erfreut. Auf Ottes Bezüge zum Königlichen Kollegiatskapitel der Heiligen Peter und Paul auf dem Vyšehrad wies Propst Aleš Opatrný in seiner Begrüßung hin. Denn Otte hatte von 2011 bis 2015 selbst das Amt des Propstes inne. Ebenso erinnerte Opatrný an einige historische Ereignisse. „Nach Leiden kommt Versöhnung“, mit diesem Satz fasste der derzeitige Propst seine kurze Einführung zusammen.

Für den in Prag ansässigen Vyšehrad-Verlag, bei dem das Buch erscheint, sprach Filip Outrata ein Grußwort. Das Buch werde in einer Reihe publiziert, in der „Gespräche mit Menschen des kirchlich-gesellschaftlichen Lebens“ dokumentiert werden. Angesichts einer weitverbreiteten Angst vor der Zukunft sei Versöhnung notwendig, so der Verlagsvertreter. Der Inhalt des Buches wie auch Ottes Leben könne mit „Versöhnung“ umschrieben werden. Auch wies Outrata darauf hin, dass Josef Beránek im Vyšehrad-Verlag bereits mehrere ähnliche Projekte begleitet hat.

Den Aspekt „Versöhnung“ – mit Blick auf Otte – stellte auch Josef Beránek in den Mittelpunkt und ging kurz auf Ottes Kindheit im Grenzgebiet zu Polen mit den damals damit verbundenen Problemen ein. „Ein gemeinsames Europa kann nicht ohne gemeinsame Geschichte existieren. Das Leben Anton Ottes ist so eine Geschichte. Zum Zusammenleben in Europa müssen wir die Verständigung und Versöhnung suchen. Auch der Glaube hilft uns dabei“, brachte es der Interviewer auf den Punkt. An die Einheit der Christen erinnerte Toni Otte. „Wir Christen sind die Bauer Europas“, folgerte er daraus. Er ging sogar noch tiefer: „Die einzige Heilung, das einzige Medikament gegen Barbareien wie im Zweiten Weltkrieg ist der europäische Gedanke.“

Seine Freude über das Buch drückte auch der Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie, Prof. Dr. Tomáš Halík, aus. „All diese Ereignisse werden in 40 Jahren aus der mündlichen Geschichte verschwinden“, stellte Halík fest.
Ähnliche Kindheitserinnerungen wie Otte schilderte Daniel Herman, der Vorsitzende der Sdružení Ackermann-Gemeinde. Besonders aber hob er „lebendige Brücken“ hervor, also Menschen, die Brücken bauen. „Einer ist Toni Otte, der Brücken baut. Dank seines Lebens konnte ich viel verstehen“, so Herman.

An einen von Otte immer wieder betonten Aspekt erinnerte der Bundesvorsitzende der Ackermann-Gemeinde, Martin Kastler. Wichtig sei nicht nur, für Europa zu kämpfen, sondern auch dafür zu beten. Deshalb lud Kastler zur Europa-Wallfahrt Anfang Mai nach Mariazell ein und dankte Otte „für die vielen Jahre im Dienst der Ackermann-Gemeinde, besonders aber für das investierte Herzblut für Europa“.

Für die Stadt Neuburg a. d. Donau sprach der Zweite Bürgermeister Dr. Rüdiger Vogt ein Grußwort. Die Stadt unterhält freundschaftliche Beziehungen zum Heimatbund Weidenau-Großkrosse e. V. und zu den Gemeinden Vidnava (Weidenau) und Velka Kras (Großkrosse) sowie eine Städtepartnerschaft mit Jeseník (Freiwaldau). Daher rührt auch die Verbindung zu Anton Otte, der in Weidenau geboren wurde und daher häufig die Aktivitäten in Neuburg begleitet.

Als wichtigste Botschaft seines Buches sieht Anton Otte, von Josef Beránek konkret danach gefragt, dass Europa immer wieder auf neue Herausforderungen reagieren müsse. „Europa steht immer als unsere Aufgabe vor uns“, schloss Otte seine Ausführungen und erinnerte an Politiker wie Konrad Adenauer oder Charles de Gaulle, denen das Gebet wichtig war.

Markus Bauer (KK)

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