Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1305.

Wie Gott in Polen

Der Nachbar lädt in Berlin zum Genießen – und Überlegen

Polen ist Stammgast bei der Internationalen Grünen Woche. Seit 25 Jahren präsentiert das Land seine kulinarischen Leckerbissen in Berlin. In diesem Jahr war Polen sogar das offizielle Partnerland. Die Grüne Woche ist ein großer Publikumsmagnet und bietet daher eine einmalige Chance, viele Verbraucher anzusprechen. Rund 400000 Besucher schmecken und schlemmen sich an zehn Tagen durch die Ausstellungshallen der weltgrößten Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau.

Die Eröffnungsfeier begann ganz ruhig mit einem klassischen Klavierstück. Kurz darauf kam der Gesang hinzu: „Der Wunsch“ von Frédéric Chopin. Dann steigerte sich die Vorführung zu einer modernen Show. Mit „Rock Loves Chopin“ hatte das diesjährige Partnerland Polen „eine außergewöhnliche Entdeckungsreise auf den Spuren eines musikalischen Genies“ im Bühnenprogramm angekündigt. Überraschend modern zeigte sich Polen bei der Eröffnungsfeier der Internationalen Grünen Woche. Genauso zeigte es sich den Besuchern in Halle 11.2. Mit Fleisch, Fisch oder Milchprodukten präsentierten über 80 Aussteller aus allen Landesregionen typische und ungewöhnliche Spezialitäten.

Die berühmte Gans schmeckt das ganze Jahr über und kann auf verschiedene Weise zubereitet werden. Der polnische Weißkäse ist eine Rarität, eine Art harter Quark, neutral im Geschmack, der gerade deswegen zu allen Speisen paßt. Als Neuheit wurde unter anderem polnisches Bier aus kleinen regionalen Gemeinden gezapft, besonders frisch und gebraut mit Wasser aus kristallklaren Quellen.

Abwechslungsreich und interessant: Polen ist zum 25. Mal in Folge in Berlin dabei. Es wird also die Silberhochzeit gefeiert. Marek Sawicki ist Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Er hatte konkrete Pläne für die Messe: „Wir wollen uns näher kennenlernen und polnische Produkte, polnische Küche und polnische Folklore präsentieren. Für die Zukunft erhoffe ich mir eine größere Präsenz der polnischen Produkte auf dem deutschen Markt, wobei ich jetzt schon mit dem wirtschaftlichen Austausch mit Deutschland zufrieden bin.“ Die polnische Landwirtschaft sei modern und mit der deutschen vergleichbar, meint Minister Sawicki. Gleichzeitig konnte man die polnischen Regionen kennenlernen. Das Ermland und Masuren waren zum ersten Mal bei der Grünen Woche dabei. Diese Region ist die erste in Polen gewesen, die das Zeichen des Europäischen Netzwerks des kulinarischen Regionalerbes erhielt und für regionale Produkte weiter vergeben darf. Das im Patentamt im spanischen Alicante registrierte Logo zeichnet qualitativ hochwertige Lebensmittel aus. Dazu Igor Hutnikiewicz, der Direktor des Ermländisch-Masurischen Amtes für Qualität und regionale Marken: „Es ist ein Zeichen für den Verbraucher, daß er in jenen Läden oder Bauernhöfen oder Restaurants Lebensmittel erhält, die aus natürlichen Rohstoffen und aus seiner Region stammen und traditionell verarbeitet wurden. Es sind also keine modifizierten Industrielebensmittel aus irgendeiner Ecke der Welt.“

Die Grüne Woche ist nicht nur ein Publikumsmagnet, sondern auch ein bedeutendes politisches Forum. In diesem Jahr ging es dabei um wichtige Fragen der Zukunft. Bereits zum dritten Mal fand der Gipfel der Agrarminister statt. Diesmal diskutierten mehr als fünfzig Minister aus aller Welt über die Möglichkeiten, die wachsende Weltbevölkerung in Zukunft mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner, sprach die dringenden Probleme aus: „Bei der weltweiten Grundversorgung spitzt sich die Lage zu. Die Welt verbraucht zur Zeit mehr Weizen und auch mehr Mais, als sie produzieren kann. Verschärft wird die Lage durch dramatische Ernteausfälle in mehreren Weltregionen und durch zunehmende Spekulationen auf den Agrarmärkten.“ Die Weltbevölkerung werde bis zum Jahr 2050 auf neun Milliarden Menschen anwachsen, und das stelle die Landwirtschaft vor sehr große Herausforderungen, unterstrich Aigner. Damit alle Menschen ernährt werden können, muß die weltweite Produktion von Getreide bis 2050 um 70 Prozent gesteigert werden.

Auch das Thema Subventionen wurde angesprochen. Der Rumäne Dacian Ciolos ist EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung: „Die Kommission will nicht weniger, sondern gezieltere Subventionen, um damit Anreize für die Bauern zu schaffen, sich weiterzuentwickeln, sich dauerhaft in die richtige Richtung zu entwickeln.“ Polens Landwirtschaftsminister Marek Sawicki hat ein eigenes Konzept für die Verteilung des Geldes: „Der Haushalt in der gemeinsamen Agrarpolitik sollte anders aufgeteilt werden. Wir sollten kein Geld auszahlen nur dafür, daß jemand Bauer ist. Mehr Geld sollte man für die Landwirte ausgeben, die in ihren Betrieben neue Technologien einführen und die Forschung nutzen wollen.“ Man solle der europäischen Landwirtschaft eine Chance für die Produktionsentwicklung geben, um die Herausforderungen in der Welt bewältigen zu können. Europa dürfe sich nicht auf seinen eignen Markt beschränken, so Sawicki.

Arkadiusz Luba (KK)

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